Goldmacher 1666

Helmut Gebelein gibt in seinem Buch Alchemie eine Geschichte aus dem Jahr 1666 wieder und betont, dass viele der Ansicht sind, die Geschichte sei echt. Es muss wohl einmal einen Stein der Weisen gegeben haben, den legendären lapis philosophorum, der sich zum Goldmachen verwenden ließ.

Johann Baptist von Helmont war Arzt und erhielt von einem Fremden ein Pulver von Safranfarbe, »schimmernd wie nicht ganz fein gestoßenes Glas. Man hatte mir einmal ein Viertelgran davon gegeben. … Das Kügelchen warf ich auf ein Pfund Quecksilber.« Es ergibt sich flüssiges Gold, und »ein Teil des Pulvers hatte 19.186 Teile eines unreinen, flüchtigen und im Feuer zerstörbaren Metalles in wahres Gold verwandelt«. Der Mann, der es Helmont gab, war vermutlich Irenäus Philaletha, ein Mann, der unter vielen Pseudonymen auftrat, dessen Geburtstag nicht bekannt ist und der irgendwann nach 1666 einfach verschwand.

Vermutlich war er es sogar, der dem Leibarzt des Prinzen von Oranien, Johann Friedrich Schweitzer genannt Helveticus, einen Stein zeigte. Es war am 27. Dezember 1666, doch der rätselhafte Fremde nimmt den gelben Stein wieder mit. Nach drei Wochen kehrte er zuürck, und Helveticus schrieb:

Nach vielem Bitten ließ er sich bewegen, mir von seiner Tunktur ein Körnchen von der Größe eines Rübsamens zu geben. Als ich klagte, das möge wohl kaum zureichen … schnitt er die Hälfte ab und warf sie ins Feuer. Die andere gab  mir wieder, mit der Anweisung, eine halbe Unze Blei zu nehmen. … Am Abend konnte meine Frau ihre Ungeduld nicht länger bezähmen und lag mir an, die Probe nach des Mannes Vorschrift zu machen. … Sie holte gelbes Wachs und umwickelte damit das Könrchen. Mein Sohn machte Feuer dazu an. Ich suchte Blei, schnitt davon 6 Drachmen ab, ließ sie in dem Tiegel schmelzen, warf das Kügelchen darauf, und bedeckte den Tiegel … Nach einer Viertelstunde war die ganze Masse des Bleis in Gold verwandelt. Es zeigte im Tiegel einen schönen grünen Schein. Als es in den Gießbecher gegossen ward, schien es blutrot, als es aber erstarrt war, hatte es die schönste Goldfarbe. Wir waren sprachlos vor Verwunderung. Mit dem noch wamrem Golde liefen wir zum Goldschmied, der es probierte und für das kostbarste Gold in der Welt erklärte, auch sogleich 50 Gulden pro Unze bot.

Der Autor Gebelein ergänzt, Johann Konrad Barchusen, Professor der Chemie in Leiden, hätte diese Angaben ebenso bestätigt wie der Philosoph Baruch Spinoza. »Dies ist ohne Zweifel einer der bemerkenswertesten Berichte über eine Transmutation, vor allem wegen der hohen Reputation der Beteiligten, und wird daher immer wieder angeführt.« (Illustration: Maria in Gold vor dem Dom zu Einsiedeln, Schweiz)

Ø

Sei es wie es sei – die Alchemie verschwand im Jahr 1789, kurz vor der Französischen Revolution, plötzlich von der Bildfläche, als hätte es sie nie gegeben, als hätten sich die geheimen Meister darauf verständigt, in den Untergrund zu gehen. Die vielen betrügerischen Goldmacher, die unechten Alchymisten und die Aufschneider hatten die Alchemie zerstört.

1789 musste auch, wegen der Revolution, Franz Anton Mesmer untertauchen, der in Paris lange erfolgreich mit seinem Magnetismus Menschen geheilt hatte. Mesmer warnte immer, man dürfe die Trance nicht zu tief gestalten und man müsse den Magnetismus lange und eingehend studieren. 1950 schrieb Emil Schneider in einem Buch über den Magnetismus, diese wunderbare Heilmethode habe nie ihren Segen entfalten können, weil dessen Anhänger zumeist an schnellen Erfolgen, Popularität und Reichtum interessiert waren. Keiner hatte Lust, jahrelang zu studieren. Sie wollten auf der Bühne ein paar Spektakel machen und Späßchen mit Zuschauern. (Illustration: Der Kompass auf Mesmers Grab in Meersburg.)

So verlor der Mesmerismus seinen Ruf und galt als Kunst für Jahrmärkte. Geldgier und Sensationslust verhinderten, dass die wahre Selbstheilung durch den Magnetismus Allgemeingut wurde.

Ergänzung: Das Internet Sacred Text Archive hat Aufsätze der Protagonisten unserer Geschichte, übersetzt ins Englische. Philaletes ist mit Die Metamorphose der Metalle, mit einem Kurzen Führer zum Himmlischen Rubin und der Quelle der Chemischen Wahrheit vertreten, Helveti(c)us mit seinem Goldenen Kalb und dem Weisen Torwächter.

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