Armando Basile

An einem Sonntag im März stieß ich auf meiner kleinen Rennrad-Tour wieder einmal zufällig auf Armando Basile, der in Heitersheim lebt. Er hat soeben in viereinhalb Monaten 14.000 Kilometer absolviert und ist den Sommer über wieder hier. Der 68-Jährige hat in 31 Jahren 1,1 Millionen Kilometer mit dem Rad zurückgelegt.

In der Gegend heißt er der Dauerradler. Er sieht unverändert aus, erzählt mit sanfter Stimme von seinen Erlebnissen, und er verströmt Gelassenheit und fast buddhistische Ruhe. Wahnsinn, er fliegt nach Florida, fährt von dort nach New York und überquert dann den nordamerikanischen Kontinent, 5000 Kilometer bis Los Angeles, dann war er noch in Australien, fuhr täglich 250 Kilometer ohne genug Wasser, aber Touristen im Wohnmobil gaben ihm großzügig ab. In Australien legte er 4.000 Kilometer zurück, in Asien 3.800. Dies nur zur Statistik.

Armando vor 2 Jahren am Nordkap

Auf Kuba soll er im Zelt überfallen worden sein, Bali nannte er eine Müllhalde, und Indonesien gefiel ihm auch nicht. In den Vereinigten Staaten und Australien ist ein Fernradler eine belächelte, bewunderte und bemitleidete Gestalt, aber in armen Ländern gilt ein solcher wohl als reicher Europäer, und ein Radfahrer ist sowohl draußen auf der Straße und nachts im Zelt schutzlos.

Erstaunlich, dass ich Armando auf manipogo noch nie erwähnt hatte. Auf cycling4fans findet sich ein längerer Artikel von mir aus dem November 2010. Armando stammt aus Apulien, hat 30 Jahre in Müllheim gearbeitet und ist nebenher wie verrückt gefahren, und jetzt ist er pensioniert, was ihn aber nicht bremst. In Schweden verlor er letztes Jahr seine Bankkarte, weil er die Geheimzahl vergessen hatte, und daher war er eine Weile auf Spenden angewiesen, und auf einem Campingplatz sang er, wie er erzählte, italienische Lieder wie Volare und Azzurro und wurde bezahlt dafür.

Armando fährt durch Texas

Ich verabschiedete mich von ihm und fuhr kurz um das Gewerbegebiet Bremgarten und dachte nach. Armando Basile, der Extremradfahrer, gibt einem zu denken. Ich bin doch auch gern unterwegs, warum lebe ich nicht wie er?

Unsereins fände es toll, mal den amerikanischen Kontinent zu überqueren, aber: zu schwierig. Und so bleiben wir doch in unserer kleinen Welt. Er macht es – und überlebt! Er hat Freunde in Florida, in deren Villa er bleiben kann, er kennt die Fahrradgeschäfte in Melbourne und darum herum, erlebte überflutete Straßen in der Regenzeit in Australien, und dann kehrte er wieder nach Heitersheim zurück. Witziog, gerade Süditaliener sind oft heimatverbunden und alles andere als reiselustig.

Ich habe ja auch Zeit, und dennoch mache ich meine Touren hier in Mitteleuropa, und eine Reise durch Sizilien und Kalabrien (hier ein neuer Artikel meiner Tour vom vergangenen Mai auf cycling4fans) ist so gesehen natürlich peanuts. Armando, so muss man es sehen, fährt für uns alle. Er konfrontiert uns mit unseren Träumen; er lebt sie. Baut sein Zelt am Truck Stop auf, neben den 40-Tonner-Macks und redet mit den Fahrern, und am nächsten Tag geht’s wieder auf den Highway. Armando ist unermüdlich und anscheinend ewig jung. Er gibt uns Hoffnung.

Darum wünschen wir ihm weiterhin alles Gute und unfallfreie Fahrt. Bald bin ich auch wieder rastlos unterwegs, aber meine Mission ist eine eine andere. Mich locken das Wissen und der Geist, und wenn ich drei Wochen unterwegs bin, fehlen mir die Bücher. Ich bin, auch wenn ich hier bin, auf einem geistig-spirituellen Weg, der mir sogar wichtiger vorkommt als der konkrete Weg durch die Welt. Armando aber bleibt ein Held in diesem Leben, eine Bastion, ein Leuchtfeuer, ein stiller, bescheidener Heiliger des Zweirads.

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