Der Dortmund-Tatort

Meine Reise verzögert sich um ein paar Tage, und nun habe ich doch Lust, etwas zum Dortmund-Tatort von gestern zu sagen. Jeder Film sagt uns etwas, und ich sage weiter, was ich verstanden habe. Der Tatort ist ja das Flaggschiff der öffentlich-rechtlichen ARD, man sieht daran also, was geht und was man heute so dreht.

Es bestätigt sich eine Beobachtung aus anderen Filmen der Reihe: Atmosphäre und Bildersprache waren von erster Güte, die Musik war hervorragend, nur die Geschichte taugte nichts. Großes handwerkliches Können wurde auf eine wie improvisiert wirkende, grob hinskizzierte story verwendet. Der morbide Grünstich hat mir gut gefallen, und die Schauplätze (Krankenhaus, Industrieanlagen) waren schön düster. Das irreale Gegenlicht bei den Umarmungen von Mann und Frau hatte Reiz und die Szene, wie man die Geräte des Patienten abschaltete, besaß emotionale Dichte.

Aber man hatte den Eindruck, da habe ein Autor den Einfall für »a schöne Leich‘« gehabt, wie der Wiener sagt, nun fehlte aber noch eine Kleinigkeit: das Umfeld für den interessanten Todesfall, der natürlich ein Mord sein musste sowie das Motiv für denselben. Da trat dann die junge Fallschirmtruppe auf, deren Mitglieder etwas von »sich befreien« stammelten, aber sonst ziemlich freudlos herumhockten und herumhantierten.

Viel Augenmerk legte man auf die diversen Gefühlsverwirrungen, die sich wiederum über den Fall legten und anscheinend wichtiger waren als dieser. Ein paar öde Eifersuchtsszenen zwischen den beiden Assistenten, die kleine Affäre von ihr, und hier ein Kuss und da wieder (als Auslöser für den Mord) eine Affäre, die der Mann ernster nahm als die Frau, was der Zuschauer wiederum nicht ernst nehmen konnte  … und das Opfer kam angeblich nicht mehr zurecht im Leben und wirkte überfordert, aber all das wurde eher pflichtgemäß und lieblos übermittelt, womit man meinte, genug an Erklärungen geliefert zu haben. Der Täter, der dann aus dem Hut gezaubert wurde, na ja … ziemlich unglaubhaft, aber wohl nötig für die Erzeugung von Emotionen.

Zwischendrin standen und saßen die Protagonisten in Clubs herum und tranken und stritten sich, es ging natürlich auch ums Geld, neben der Liebeleien, und mehr an Einfällen kam nicht: der übliche stereotype Realismus der Drehbuchautoren. Dann befragte man die Verdächtigen, auch das geschah routiniert und mit Langeweile. Nein, großes Interesse konnte man für den Fall nicht aufbringen. Nach starken ersten 30 Minuten verflachte die Partie, und die Akteure retteten sich über die Zeit. 90 Minuten sind für die meisten Tatorte einfach zu lang.

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