Sykkelpatruljen

Die norwegische Zeitung Aftenposten hatte vor einem halben Jahr ihre Aktion Sykkelpatruljen gestartet und Leserinnen und Leser gebeten, Tipps für die Verbesserung des Radfahrens in Oslo einzusenden. 2500 Radler folgten der Anregung.

So kristallisierten sich gefährliche Stellen und Unfallschwerpunkte heraus. Die Stadtverwaltung von Oslo versprach nun, sich in diesem Jahr 66 Stellen vorzunehmen und die Radwege zu überarbeiten. Viele sollen rot angem,alt werden, was schon mal eine Signalwirkung ist. Für die Maßnahmen sollen zusätzlich umgerechnet rund 600.000 Euro eingeplant werden, was für die Hauptstadt des reichen Norwegen nicht allzu viel ist. (Illustration: das Logo der ehrenwerten Aktion)

Aber blicken wir in ein Entwicklungsland des Radfahrens, nach Italien und Rom, wo soeben der 44 Kilometer lange Grande Raccordo Anulare delle Bici (GRAB) eingeweiht wurde, benannt in Anlehnung an den G.R.A. für Autos, den stets überlasteten Autobahnring um Italiens Hauptstadt. Den GRAB werde ich wohl einmal ausprobieren.

In seinem Blog berichtete kürzlich Marco Pierfranceschi über einen ganz normalen Tag auf dem Rad mit 50 Kilometern Fahrleistung. Er fuhr Rad, während sich »die Römer in ihre Auto-Schachteln zwängten und massenhaft und freiwillig einige Stunden damit zubrachten, die Stadt zuzustellen und zu verpesten.« Die Via Tiburtina war »ein Delirium von einander blockierenden Autos«, entlang der Appia Antica überquerte er Straßenstücke mit stehendem Verkehr, und dabei dachte Marco an einen südafrikanischen Science-Fiction-Film, in dem es um eine Gruppe Außerirdischer geht, die auf der Erde gestrandet sind und, dem Rassismus der Erdlinge ausgeliefert, nicht mehr zurückkönnen.

Roberto P. scherzte, »die Autofahrer gewöhnen sich an uns«, doch auch wenn sie sich etwas mehr bemühten, uns nicht niederzufahren also vor ein paar Jahren noch, so seien sie dennoch nicht bereit, schreibt Marco, »uns auch nur einen Meter mehr ihrer kostbaren Straßen zuzugestehen und auf denen sie das Ritual vollziehen, in Massen zusammenzukommen und ihre Zeit im Stau zu verbringen …« Dabei verstoßen sie gegen alle Regeln und nerven den Rest der Bevölkerung.

»Wenn ich an dieses Benehmen denke, fühle ich mich ein wenig wie ein Außerirdischer, der in die Pedale tretend durch Fragmente vergessener Campagna fährt, auf wundersame Weise der Zementifizierung entronnen; und ich frage mich, wann die verdiente Erlösung zu meinem Volk kommt.« Überhaupt, ja, man fühlt sich manchmal fremd auf dieser Welt, in der alle verbissen oder zerstreut ihren Aufgaben nachgehen. Auf dem Dorf, wo alle Geld haben und allles stimmt, scheint die Erlösung schon stattgefunden zu haben, aber keiner hat es gemerkt. Sie sind vielleicht alle schon gestorben und haben es nicht gemerkt, denn so routiniert leben sie, wie gesteuert von ihrem Autopiloten. Da bleibt nur das Radfahren, denn das Rad ist dein kleines Raumschiff, das dich rettet.

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