Priscilla und Maximilla

Anschließend an vorgestern kommt nun noch ein Stücklein über das Frühchristentum, und das ist interessant, denn bei den Montanisten, um die es geht, waren die Frauen gleichberechtigt und fungierten sogar als Priesterinnen. Die Zeit ihrer Wirkung reicht grob von 160 bis 520 (nach Christus natürlich).

Dazu habe ich mir das Buch Montanism von Christine Trevett vorgenommen. Montanus war ein guter Organisator, doch ebenso wichtig waren Maximilla und Priscilla, zwei Prophetinnen, die sicher waren, dass Gott oder Christus durch sie sprach. Sie befürworteten sexuelle Enthaltsamkeit, das Fasten, interpretierten Bibelstellen und waren überzeugt, dass Christus bald kommen und das Neue Jerusalem errichten werde, was aber damals ein gängiger Gedanke war. Die Montanisten wirkten im Zentrum der heutigen Türkei.

Nicht ihre Lehren, die im Rahmen des Orthodoxen lagen, sondern die Tatsache der Prophetie erzürnte die frühen Kirchenväter, denn wo kämen wir hin, wenn durch jeden Christus sprechen würde? Ein chaotischer Gottesdienst mit leidenschaftlichen Elementen gefiel ihnen nicht, außerdem nicht der Gedanke, dass Frauen eine herausgehobene Rolle spielten. Ein Mann schrieb später: Hätte sich der Montanismus durchgesetzt, würde die Kirchengeschichte »von wilden und ungezähmten Frauen« geprägt worden sein.

Darstelung einer schriftgelehrten Heiligen in der Abteikirche Ottmarsheim

Maximilla und Priscilla starben schon um 180, die Prophetin Quintina führte ihr Werk fort, doch und auch nach ihnen hielten sich die Montanisten noch zwei Jahrhunderte. Ihr Pech war, dass die junge Kirche bereits so hierarchisch und gefestigt war, dass sie abweichende Bewegungen zerstören konnte. Spätestens um 520 zerschlug man die Prophetinnen-Sekte, die ohnedies nicht mehr groß war.

Hundert Jahre davor, im Jahr 415 − daran muss man erinnern −, wurde in Alexandria die Philosophin und Astronomin Hypatia durch einen christlichen Mob ermordet, dem sie als Heidin galt. Hypatia war Neuplatonikerin und gab sich körperfeindlich; sie heiratete nie. Man erinnert sich an sie, weil sie öffentlich lehrte, keinen Konflikt scheute und eine der wenigen Philosophinnen der Frühzeit war.

Die Mystik und die ekstatischen Vereinigungen sind von der Amtskirche immer bekämpft worden. Eine solche war der Pietismus, dessen radikalen Elemente ausgestoßen wurden. Mystik galt immer als der Irrweg eines menschlichen Versuchs der Selbsterlösung – die Erlösung soll nur durch Vermittlung der Kirche gelingen, und die Maschinerie sünden/beichten/kommunizieren läuft wie geschmiert, der Gläubige richtet seine Augen auf Christus und wartet ansonsten auf das ewige Leben.

Und das Problem mit den Frauen! Von 4. bis 25. Oktober findet im Vatikan eine außerordentliche Synode statt, die Geschiedene wieder in den Schoß der Kirche aufnehmen und auch offiziell Homosexuellen ihren Respekt bezeigen will. Das kürzlich veröffentlichte Arbeitspapier sagt auch etwas zu den Frauen, aber das klingt dünn: Man solle die Arbeitsverteilung der Eheleute in der Familie und die Aufgabe der Frau neu überdenken. Kein Wort zur Rolle der Frau in der Kirchengemeinde. Das bleibt ein heikler Punkt.

Frühere Artikel auf manipogo zum Thema:
Herluka und Dietmut
Die Frauen, der Orient.

 

Einen Kommentar schreiben: