Die gute alte Ente

Vor 25 Jahren sei in Portugal die letzte »Ente« vom Band gelaufen, entnahm ich der FAZ. Und da ich gerade einen Artikel über die 2 CV vorbereitet hatte, musste er nun auf den Sender. 2 CV ist laut Wikipedia die Kennzahl Cheval fiscal im französischen Steuersystem, in das die Ente passte. Die Pferdestärken des hässlichen Entleins lagen zu Beginn 1949 bei 9, zum Ende 1990 bei 28 PS.

In diesen 40 Jahren wurden 5 Millionen Fahrzeuge hergestellt, 3,8 Millionen »Limousinen« und 1,2 Millionen Transporter. In Deutschland sind noch über 12.000 Enten registriert, und die Ersatzteile liegen vor, vermutlich auf Jahrzehnte hinaus. Die Liebhaberszene kann sich freuen. Ich habe vor einiger Zeit auf dem Weg zum Rhein zwei schöne Exemplare fotografiert und habe selber gute Erinnerungen an das Fahrzeug.

Ente zwischen Heitersheim und Hartheim
Ente am Rhein

Viele Menschen meines Alters haben Erinnerungen mit der Ente. An Neujahr 1981 waren wir in Österreich beim Skifahren und waren mit Ulrichs 2 CV angereist. Einmal ging es nachts nicht mehr weiter, da der Heckantrieb nicht genug Kraft auf die Vorderräder brachte und die Straße glatt war. Also setzte sich Nina auf den linken Kotflügel, ich mich auf den rechten, und die Vorderreifen griffen wieder. So rollten wir einige Kilometer durch die Mondnacht. – 1986 fuhr ich mit einer Freundin und der Ente nach Frankreich. Erst steuerten wir  Dijon an, dann die Ardèche-Region, wir waren in Orange und Avignon. Passiert ist sonst nichts, weil sie die Frau meines besten Freundes war, dem zufällig auch die Ente gehörte.

Wer Ente fuhr, gehörte zu einem Clan. Man grüßte sich. Das Seitenfenster konnte man hochklappen (es blieb an einer Vorrichtung kleben; bisweile fiel es wieder wie ein Fallbeil herunter), und dann hielt man die Hand hinaus. Da konnte man, sagte mir eine Entenbesitzerin, einen steifen Arm bekommen, so viele 2 CV gab es damals. Motorradfahrer grüßen sich auch, aber Motorrad fahren wollte ich nicht (eine Fahrt hinten drauf mit 130 Sachen am Ammersee ist mir noch traumatisch in Erinnerung), aber bei den Radlern fand ich diese Kumpanei dann wieder. Heute allerdings fahren viele auch einfach grußlos vorbei.

Bei meiner Genf-Reise Mitte Juli sah ich noch eine wunderschöne Ente: das Modell »millésimo«, wie der Besitzer mir sagte. Nur ein Dutzend Exemplare führen davon noch herum. Es ist ein äußerst elegantes Cabrio, viel schöner als die großen Audis und Porsches.

 

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