Frohlocken

Arztbesuch mit meiner Mutter. Den Stern aus Hamburg durchgesehen, die Ausgabe vom 23. Juli. Mich sehr geärgert. Sie hatten eine junge Ärztin aufgetan, die sich von der Homöopathie losgesagt hatte (»Humbug«) und reumütig in den Schoß der allein seligmachenden Schulmedizin zurückgekehrt war.

Über einen Sünder, der zurückkehrt, herrscht mehr Freude als über neunundneunzig Gerechte. Der Stern-Redakteur fühlte sich bemüßigt, anzumerken, der Mut der jungen Frau sei außerordentlich (oder so). Was für ein Quatsch. Sicher gehört mehr Mut dazu, den umgekehrten Weg zu gehen.

In der Schweiz wenden sich seit zehn Jahre immer weniger junge Ärzte der Homöopathie zu. Das liegt vermutlich  daran, dass sie in der Ausbildung nicht recht thematisiert wird. Sie gehen ihren Weg, die Medizinstudentinnen und –studenten, und die Alternativen (die Alternativmedizin) wird ihnen verschwiegen.

Es klang knallig: Sie könne, sagte die junge Frau, es nicht mehr mit ihrem Gewissen vereinbaren, Patienten etwas ohne Inhaltsstoffe zu verschreiben. So sagte sie, glaube ich. Es ging darum, dass in den »Globuli« nichts drin sei. Das wissen wir doch. Das Problem ist das Mysterium, dass ein Heilmittel in so verdünnter Form gegeben wird, dass nichts an Wirkstoff vorhanden sein kann. Darum geht es nicht.

Es geht um die Wirkung. Homöopathie heilt. Mein Apotheker im Nachbarort sagt mir immer, er sei bekehrt worden, habe nicht daran geglaubt, doch Homöopathie helfe. Das ist der umgekehrte Fall. Hätte der Stern so einen entdeckt, er hätte nicht darüber geschrieben. Man hat sein Programm. Die großen Zeitschriften und Wikipedia sind gegen Psi und alternative Heilung, da ist man sich einig. So ist die freie, unabhängige und stolze bürgerliche Presse.

Dieser Feldzug gegen das, was nicht Biomedizin ist, lässt einen immer verwundert zurück. Ist die Schulmedizin derart unter Druck, dass sie derlei primitive Stimmungsmache nötig hat? Muss man einen Gegner haben und ihn bekämpfen? Sollte man nicht zusammenarbeiten? Schließlich will man heilen.

Die Wirkung von Homöopathie lässt sich auch nur schwer mittels wissenschaftlicher Versuchsreihen festhalten. Harald Walach, Professor in Frankfurt an der Oder, der viele Studien darüber angestellt hat, weiß das. Jedes Mittel wird speziell für einen Patienten und sein Leiden herausgesucht. Da ist nichts mit: Nehmen sie diese Pille, hat schon anderen geholfen. Homöopathie ist umstritten. Aber der Artikel ist schon Vergangenheit.

Einen Kommentar schreiben: