Die Gladiatoren sind müde

»Der GRAB ist geboren!«freuten sich am 8. Mai dieses Jahres römische Fahrrad-Aktivisten. Die Planungsphase eines 44 Kilometer langen Radwegsystems durch die Ewige Stadt war abgeschlossen. Vier Monate später die kalte Dusche. Am 9. September sagte der neue Assessor für Mobilität, Stefano Esposito, die Planung sei erst einmal gestoppt. Radfahrer in Rom sein, das wünscht man keinem.

Der GRAB (Grande Raccordo Anulate delle Bici), so genannt in Anlehnung an den römischen Autobahnring GRA, bleibt also vorerst ein Planungsgrab. Es werde ein paar gute Radwege geben, aber damit sei es genug. Fußgängerzonen seien unmöglich, und Radwege auf der Straße, durch Linien markiert, auch: »Keinen Zentimeter« werde er bewilligen, sagte Assessor Esposito, der frank und frei zugab: »Die Mobilität in Rom ist außer Kontrolle.«

Als ich von Rom wegging, vor elf Jahren, war es schon übel, aber nun scheint es, so das geht, noch übler geworden zu sein. Marco Pierfranceschi schreibt in seinem Blog Mammifero Bipede, die Zahl der Radfahrer sei jährlich gestiegen, erfreulich, aber dann sei die Zahl der Automobile noch stärker gewachsen, »was alle unsere Bemühungen zunichte machte und eine Lage schuf, die weit schlimmer war als die anfängliche«.

Der Autor und die Autos

In meinen Romanen Mörderisches Rom und Tod am Tiber habe ich das ja auch thematisiert – diese automobilen Horden – und Marco unter dem Namen Mario B. als Präsidenten des Fahrradvereins Tuttimbici porträtiert. Der Verein hieß im Leben Ruotalibera , und wie in meinem Buch zog sich Marco von ihm zurück. Er hatte sich 1988 in den Kampf für den Radverkehr gestürzt, und Romano Puglisi war schon einige Jahre vorher aktiv geworden. Aber die Gladiatoren  sind müde.

Marco zog in einem Beitrag Anfang Oktober Bilanz: »Was mich die vergangenen siebenundzwanzig Jahre der Pilgerreise in der geistigen Wüste dieser Stadt – oder besser: dieser Nation – gelehrt haben, ist, dass wir, wenn wir den eingeschlagenen Weg fortsetzen, wir nie mehr davon wegkommen. Eine kollektive Gewissenserforschung ist nötig.« Die Versuchung, das Handtuch zu werfen, sei übermächtig.

Man habe sich an die unkontrollierte Zunahme der Autos gewöhnt, an die Zunahme der Unfälle, der Verkehrsübertretungen, an die Staus. Die Radwege seien schlecht geplant und würden nicht gepflegt, was auch die letzten Radfahrer abschrecke, weil es zu gefährlich geworden sei. Bürger zögen weg, um Ruhe zu finden, führen aber mit dem Auto zur Arbeit in die Stadt, was den Verkehr vermehre.

Eine kulturelle Revolution sei nötig. Das Fahrrad habe seinen Platz in einer Gesamtstrategie mit Car Sharing und mehr öffentlichem Nahverkehr mit Transport vor allem auf der Schiene. Marco bleibt ein Romantiker, aber wir brauchen die Kämpfer in aussichtlosen Lagen. Damals schon dachte ich, dass eines Tages nichts mehr sich bewegen würde auf den Straßen der Ewigen Stadt, ein einziger Auto-Stau, und anscheinend sind wir nicht mehr weit davon entfernt.

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