Im Niemandsland

web108 am 15. Januar 2022 um 00:31

Bardo ist ein tibetisches Wort. Bar heißt dazwischen, also etwa Niemandsland zwischen zwei Zuständen, und do ist ein Turm, eine Insel oder ein Steg im Dazwischen. Wir sind aus der Vergangenheit hervorgegangen, sehen die Zukunft aber noch nicht, aber einen Weg wird es geben hinüber, irgendwohin. Solche Grenzerfahrungen machen wir häufig, und Chögyam Trungpa meinte: ständig. Ich will mehr »

Schneeflächen und blauer Himmel

web108 am 14. Januar 2022 um 00:51

Gedränge am Lift, alle Skifahrer wollen hoch mit ihrer schweren Ausrüstung, und oben, auf 2000 Metern Meereshöhe, entfernst du dich von ihnen und gehst davon. Bald umgeben dich unberührte Schneeflächen, die unter der Sonne glitzern, und der Himmel ist azurblau wie die Trikots der italienischen Fußball-Nationalmannschaft. Und so stapfst du dahin und kannst dich nicht sattsehen an der Schönheit.  Ich will mehr »

12 Jahre Bukow und König

web108 am 13. Januar 2022 um 00:35

Vor drei Tagen nahm Sascha Bukow seinen Abschied bei der Rostocker Polizei und verließ auch seine Kollegin Katrin König, nachdem die beiden schon vage Heiratspläne geschmiedet hatten. Damit ist das Ermittlerduo von Polizeiruf 110 mit seiner latent explosiven Erotik aufgelöst, das 24 Rostock-Folgen der Krimiserie in 12 Jahren prägte. Ich will mehr »

Tschugger

web108 am 12. Januar 2022 um 00:17

Aus dem Kanton Wallis kommt eine Krimiserie, die in der Schweiz kürzlich viel Erfolg hatte, weil sie unkonventionell ist, völlig überdreht und komisch. Fünf Episoden der ersten Staffel »Tschugger« sind gelaufen, und die Fortsetzung wird gerade produziert. Ich will mehr »

Komparsen in Kulissen

web108 am 11. Januar 2022 um 00:45

Die Tage über Neujahr verbrachte ich in einem Südtiroler Dorf, in St. Ulrich. Im Ort nebenan, in S. Christina, war ich vor 40 Jahren einmal mit Freunden. Zwar erinnere ich mich nicht, wie damals er aussah, aber heute ist er über alle Grenzen hinaus gewuchert. Ich will mehr »

Davongekommen (5)

web108 am 10. Januar 2022 um 00:32

Ich habe mich daran erinnert: Es war ja eine Serie geworden, dass hier und dort jemand glücklich der Hinrichtung entrann. Das heutige Beispiel entstammt dem Roman Das Mädchen von Blois von Alix du Frênes, die, in München behütet und begütert aufgewachsen, im 20. Jahrhunderte nette Unterhaltungsromane schrieb. Gestehe, dass ich glücklich bin wurde ein Bestseller. Ich will mehr »

Eine Trennung

web108 am 9. Januar 2022 um 00:06

Und nach den Kranichen noch einmal Paul und Jenny. Paule Ackermann konnte seinen Whisky nicht bezahlen und ist zum Tod verurteilt worden (er kommt nicht davon), und nun muss sich das Liebespaar trennen. Das ist, wie üblich bei Brecht, ganz unsentimental geschrieben und darum um so stärker in der Wirkung. Ich will mehr »

Flugverkehr (130): Die Kraniche „in großem Bogen“

web108 am 8. Januar 2022 um 00:32

Geben wir im Neuen Jahr der Dichtkunst wieder Raum. Und die Serie Flugverkehr darf nicht in Vergessenheit geraten! Also schnappe ich mir ein Stück aus dem Stück Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny von Bertolt Brecht (1898-1956), 1930 uraufgeführt. Die Szene mit Paul und Jenny gefällt mir so gut, dass ich sie mal spielen möchte, mit einer attraktiven Jenny an meiner Seite.  Ich will mehr »

Ror Wolfs Welt

web108 am 7. Januar 2022 um 00:42

Ror Wolfs Prosawerk entzieht sich sämtlichen Kategorien. Der in Saalfeld 1932 geborene Autor verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in Mainz, wo er vor zwei Jahren gestorben ist. Wolf ist vielleicht am ehesten als Anarchist, Nihilist und Surrealist zu bezeichnen, und ein bißchen ist er Clown, ein bißchen Existenzialist. Er macht sich über unsere Realität lustig, indem er sie neu erfindet, variiert und wieder auslöscht. Ich will mehr »

Sebalds Wanderungen

web108 am 6. Januar 2022 um 00:32

Im Oktober 2015 hatte ich W. G. Sebalds Buch Austerlitz als meinen drittliebsten Roman bezeichnet, und vor Weihnachten habe ich ihn noch einmal gelesen. Das Gute ist, dass es keine eigentliche Handlung gibt; die Heldin des Romans ist die Sprache, mit der im Gepäck Sebald wandert und damit auch in der Sprache wandert und uns zeigt, wie schön sie sein kann. Ich war wieder berauscht von seinen Sätzen.  Ich will mehr »