{"id":12157,"date":"2016-11-23T00:19:32","date_gmt":"2016-11-22T22:19:32","guid":{"rendered":"http:\/\/manipogo.de\/?p=12157"},"modified":"2016-10-17T22:57:50","modified_gmt":"2016-10-17T20:57:50","slug":"die-bremer-stadtmusikanten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/manipogo.de\/?p=12157","title":{"rendered":"Die Bremer Stadtmusikanten"},"content":{"rendered":"<p>\u00bbEtwas Besseres als denTod findest du \u00fcberall\u00ab, sagt der Esel zu dem Hahn, der am n\u00e4chsten Morgen gek\u00f6pft werden sollte, um ein Essen zu kr\u00f6nen. Das M\u00e4rchen der <em>Bremer Stadtmusikanten<\/em>, \u00fcberliefert durch die Gebr\u00fcder Grimm, habe ich k\u00fcrzlch meiner 87-j\u00e4hrigen Mutter vorgelesen. Es ist ein M\u00e4rchen f\u00fcr die Alten.<!--more--><\/p>\n<p>Nicht f\u00fcr die ganz Alten. Da kommen vier Tiere zusammen \u2014 und Tiere stehen ja seit Lafontaines Fabeln stellvertretend f\u00fcr Menschen \u2015, die keiner mehr haben will. Sie sind nicht mehr produktiv und sollen darum verschwinden. Man hat Jahrzehnte gearbeitet, nun ist man 66 Jahre alt und kann heimgehen, hat mit dem Fortgang des Unternehmens nichts mehr zu tun. Tsch\u00fcss! Kopiert habe ich mir das M\u00e4rchen von der Seite <a href=\"http:\/\/www.bremen-tourismus.de\/die-bremer-stadtmusikanten\" target=\"_blank\">Bremen-Tourismus<\/a>, so musste ich es nicht abschreiben. Das folgende Foto habe ich in einem Dorf kurz vor Wil in der Ostschweiz gemacht; die Skulptur stand auf einer Verkehrsinsel.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/DSCN0505.jpg\" rel=\"attachment wp-att-12158\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-12158\" src=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/DSCN0505.jpg\" alt=\"dscn0505\" width=\"540\" height=\"720\" srcset=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/DSCN0505.jpg 540w, https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/DSCN0505-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Es hatte ein Mann einen Esel, der schon lange Jahre die S\u00e4cke unverdrossen zur M\u00fchle getragen hatte, dessen Kr\u00e4fte aber nun zu Ende gingen, so da\u00df er zur Arbeit immer untauglicher ward. Da dachte der Herr daran, ihn aus dem Futter zu schaffen, aber der Esel merkte, da\u00df kein guter Wind wehte, lief fort und machte sich auf den Weg nach Bremen: dort, meinte er, k\u00f6nnte er ja Stadtmusikant werden.<\/em><\/p>\n<p><em>Als er ein Weilchen fortgegangen war, fand er einen Jagdhund auf dem Wege liegen, der jappte wie einer, der sich m\u00fcde gelaufen hat. \u00bbNun, was jappst du so, Packan?\u00ab fragte der Esel. \u00bbAch\u00ab, sagte der Hund, \u00bbweil ich alt bin und jeden Tag schw\u00e4cher werde, auch auf der Jagd nicht mehr fort kann, hat mich mein Herr wollen totschlagen, da hab ich Rei\u00dfaus genommen; aber womit soll ich nun mein Brot verdienen?\u00ab\u00a0\u00bbWei\u00dft du was\u00ab, sprach der Esel, \u00bbich gehe nach Bremen und werde dort Stadtmusikant, geh mit und la\u00df dich auch bei der Musik annehmen. Ich spiele die Laute, und du schl\u00e4gst die Pauken\u00ab. Der Hund war&#8217;s zufrieden, und sie gingen weiter.<\/em><\/p>\n<p><em>Es dauerte nicht lange, so sa\u00df da eine Katze an dem Weg und machte ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter. \u00bbNun, was ist dir in die Quere gekommen, alter Bartputzer?\u00ab sprach der Esel. \u00bbWer kann da lustig sein, wenn\u00b4s einem an den Kragen geht\u00ab, antwortete die Katze, \u00bbweil ich nun zu Jahren komme, meine Z\u00e4hne stumpf werden und ich lieber hinter dem Ofen sitze und spinne als nach M\u00e4usen herumjage, hat mich meine Frau ers\u00e4ufen wollen; ich habe mich zwar noch fortgemacht, aber nun ist guter Rat teuer: wo soll ich hin?\u00ab \u00bbGeh mit uns nach Bremen, du verstehst dich doch auf die Nachtmusik, da kannst du ein Stadtmusikant werden.\u00ab Die Katze hielt das f\u00fcr gut und ging mit.<\/em><\/p>\n<p><em>Darauf kamen die drei Landesfl\u00fcchtigen an einem Hof vorbei, da sa\u00df auf dem Tor der Haushahn und schrie aus Leibeskr\u00e4ften. \u00bbDu schreist einem durch Mark und Bein\u00ab, sprach der Esel, \u00bbwas hast du vor?\u00ab \u00bbDa hab ich gut Wetter prophezeit\u00ab, sprach der Hahn, \u00bbweil unserer lieben Frauen Tag ist, wo sie dem Christkindlein die Hemden gewaschen hat und sie trocknen will; aber weil morgen zum Sonntag G\u00e4ste kommen, so hat die Hausfrau doch kein Erbarmen und hat der K\u00f6chin gesagt, sie wollte mich morgen in der Suppe essen, und da soll ich mir heut Abend den Kopf abschneiden lassen. Nun schrei ich aus vollem Hals, solang ich noch kann.\u00ab \u00bbEi was, du Rotkopf\u00ab, sagte der Esel, \u00bbzieh lieber mit uns fort, etwas Besseres als den Tod findest du \u00fcberall; du hast eine gute Stimme, und wenn wir zusammen musizieren, so mu\u00df es eine Art haben.\u00ab Der Hahn lie\u00df sich den Vorschlag gefallen, und sie gingen alle viere zusammen fort.<\/em><\/p>\n<p>Das ist die Rettung. Auf Reisen gehen. Nach Bremen! Die Senioren machen sich auf den Weg. Zu Fu\u00df.<\/p>\n<p><em>Sie konnten aber die Stadt Bremen in einem Tag nicht erreichen und kamen abends in den Wald, wo sie \u00fcbernachten wollten. Der Esel und der Hund legten sich unter einen gro\u00dfen Baum, die Katze und der Hahn machten sich in die \u00c4ste, der Hahn aber flog bis in die Spitze, wo es am sichersten f\u00fcr ihn war. Ehe er einschlief, sah er sich noch einmal nach allen vier Winden um, da d\u00e4uchte ihn, er s\u00e4he in der Ferne ein F\u00fcnkchen brennen, und rief seinen Gesellen zu, es m\u00fc\u00dfte nicht gar weit ein Haus sein, denn es scheine ein Licht. Sprach der Esel: \u00bbSo m\u00fcssen wir uns aufmachen und noch hingehen, denn hier ist die Herberge schlecht.\u00ab Der Hund meinte, ein paar Knochen und etwas Fleisch dran t\u00e4ten ihm auch gut. Also machten sie sich auf den Weg nach der Gegend, wo das Licht war, und sahen es bald heller schimmern, und es ward immer gr\u00f6\u00dfer, bis sie vor ein hell erleuchtetes R\u00e4uberhaus kamen.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Esel, als der gr\u00f6\u00dfte, n\u00e4herte sich dem Fenster und schaute hinein. \u00bbWas siehst du, Grauschimmel?\u00ab fragte der Hahn. \u00bbWas ich sehe?\u00ab antwortete der Esel. \u00bbEinen gedeckten Tisch mit sch\u00f6nem Essen und Trinken, und R\u00e4uber sitzen daran und lassen\u00b4s sich wohl sein.\u00ab \u00bbDas w\u00e4re was f\u00fcr uns\u00ab, sprach der Hahn. \u00bbJa, ja, ach, w\u00e4ren wir da!\u00ab sagte der Esel. Da ratschlagten die Tiere, wie sie es anfangen m\u00fc\u00dften, um die R\u00e4uber hinauszujagen, und fanden endlich ein Mittel. Der Esel mu\u00dfte sich mit den Vorderf\u00fc\u00dfen auf das Fenster stellen, der Hund auf des Esels R\u00fccken springen, die Katze auf den Hund klettern, und endlich flog der Hahn hinauf und setzte sich der Katze auf den Kopf.<\/em><\/p>\n<p><em>Wie das geschehen war, fingen sie auf ein Zeichen insgesamt an, ihre Musik zu machen: der Esel schrie, der Hund bellte, die Katze miaute, und der Hahn kr\u00e4hte; dann st\u00fcrzten sie durch das Fenster in die Stube hinein, da\u00df die Scheiben klirrten. Die R\u00e4uber fuhren bei dem entsetzlichen Geschrei in die H\u00f6he, meinten nicht anders, als ein Gespenst k\u00e4me herein, und flohen in gr\u00f6\u00dfter Furcht in den Wald hinaus.<\/em><\/p>\n<p><em>Nun setzten sich die vier Gesellen an den Tisch, nahmen mit dem vorlieb, was \u00fcbriggeblieben war, und a\u00dfen, als wenn sie vier Wochen hungern sollten. Wie die vier Spielleute fertig waren, l\u00f6schten sie das Licht aus und suchten sich eine neue Schlafst\u00e4tte, jeder nach seiner Natur und Bequemlichkeit. Der Esel legte sich auf den Mist, der Hund hinter die T\u00fcre, die Katze auf den Herd bei die warme Asche, und der Hahn setzte sich auf den Hahnenbalken; und weil sie m\u00fcde waren von ihrem langen Weg, schliefen sie auch bald ein.<\/em><\/p>\n<p>Das sieht ja gut aus Ein Haus im Wald f\u00fcr eine Senioren-WG. Man wird sich schon irgendwie zusammenraufen. Doch die Vier hatten die Rechnung ohne die R\u00e4uber gemacht, die sich nicht kampflos ergaben.<\/p>\n<p><em>Als Mitternacht vorbei war und die R\u00e4uber von weitem sahen, da\u00df kein Licht mehr im Haus brannte, auch alles ruhig schien, sprach der Hauptmann: \u00bbWir h\u00e4tten uns doch nicht sollen ins Bockshorn jagen lassen\u00ab, und hie\u00df einen hingehen und das Haus untersuchen. Der Abgeschickte fand alles still, ging in die K\u00fcche, ein Licht anzuz\u00fcnden, und weil er die gl\u00fchenden, feurigen Augen der Katze f\u00fcr lebendige Kohlen ansah, hielt er ein Schwefelh\u00f6lzchen daran, da\u00df es Feuer fangen sollte. Aber die Katze verstand keinen Spa\u00df, sprang ihm ins Gesicht, spie und kratzte. Da erschrak er gewaltig, lief und wollte zur Hintert\u00fcre hinaus, aber der Hund, der da lag, sprang auf und bi\u00df ihn ins Bein; und als er \u00fcber den Hof an dem Miste vorbeirannte, gab ihm der Esel noch einen t\u00fcchtigen Schlag mit dem Hinterfu\u00df: der Hahn aber, der vom L\u00e4rmen aus dem Schlaf geweckt und munter geworden war, rief vom Balken herab: \u00bbKikeriki!\u00ab<\/em><\/p>\n<p><em>Da lief der R\u00e4uber, was er konnte, zu seinem Hauptmann zur\u00fcck und sprach: \u00bbAch, in dem Haus sitzt eine greuliche Hexe, die hat mich angehaucht und mit ihren langen Fingern mir das Gesicht zerkratzt; und vor der T\u00fcre steht ein Mann mit einem Messer, der hat mich ins Bein gestochen; und auf dem Hof liegt ein schwarzes Unget\u00fcm, das hat mit einer Holzkeule auf mich losgeschlagen; und oben auf dem Dache, da sitzt der Richter, der rief: &gt;Bring mir den Schelm her&lt;. Da machte ich, da\u00df ich fortkam.\u00ab<\/em><\/p>\n<p><em>Von nun an getrauten sich die R\u00e4uber nicht weiter in das Haus, den vier Bremer Stadtmusikanten gefiel&#8217;s aber so wohl darin, da\u00df sie nicht wieder heraus wollten. Und der das zuletzt erz\u00e4hlt hat, dem ist der Mund noch warm.<\/em><\/p>\n<p>Die Senioren-WG wird also Realit\u00e4t. Ein Traum wird wahr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbEtwas Besseres als denTod findest du \u00fcberall\u00ab, sagt der Esel zu dem Hahn, der am n\u00e4chsten Morgen gek\u00f6pft werden sollte, um ein Essen zu kr\u00f6nen. Das M\u00e4rchen der Bremer Stadtmusikanten, \u00fcberliefert durch die Gebr\u00fcder Grimm, habe ich k\u00fcrzlch meiner 87-j\u00e4hrigen Mutter vorgelesen. 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