{"id":13188,"date":"2017-05-20T01:03:37","date_gmt":"2017-05-20T00:03:37","guid":{"rendered":"http:\/\/manipogo.de\/?p=13188"},"modified":"2024-11-11T22:00:29","modified_gmt":"2024-11-11T21:00:29","slug":"das-jahrhundertrennen-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/manipogo.de\/?p=13188","title":{"rendered":"Das Jahrhundertrennen (3)"},"content":{"rendered":"<p>Heute wird es dramatisch. Die Helden messen sich in verschiedenen Kategorien, und wie in der <em>Ilias<\/em> von Homer arbeiten sie mit Tricks und mit Gewalt, denn auch die Freunde der Veteranenr\u00e4der sind ehrgeizig. In Karlsruhe wird es auch Rennen geben. Wenn es geht, mache ich mit. Wo kann man schon mal Weltmeister werden?<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Hochradweltmeisterschaft<\/em><\/p>\n<p>Nahe der Startlinie tummeln sich die Hochradhelden.<br \/>\nEin Dutzend Teilnehmer sind es, die da der guten Dinge harren.<br \/>\nAlma von Blankenhorn wusste schon zu vermelden,<br \/>\nwas die Bayern planen, die nerv\u00f6s da mit den Hufen scharren.<br \/>\n\u201eThat never works\u201c, meint Cranston: Das klappt nie.<br \/>\nMan m\u00fcsse zu Beginn die Bayern schon ganz isolieren,<br \/>\nsie d\u00fcrften nie nach vorn, aber was macht man da und wie?<br \/>\nAlma und Sandor sagen, sie w\u00fcrden schon etwas probieren.<br \/>\nSteisbein gibt sich als Schiedsrichter gleich zu erkennen<br \/>\nZeigt seine Fahne, und alle gehen in Reihe, machen mit.<br \/>\nZw\u00f6lf Hochr\u00e4der &#8211; elf Fahrer, eine Fahrerin &#8211; gehen ins Rennen,<br \/>\nstehn da nebeneinander, rechten Fu\u00df am Aufstiegstritt,<br \/>\nwonach man elegant sich zieht empor auf seinen Sitz.<br \/>\nDann tritt man und man tritt, bis alle dann ihr Tempo haben.<\/p>\n<p>Ein Pfiff, sie rollen los, nicht grade wie der Blitz,<br \/>\ndoch auch Giraffen brauchen lang, bis sie beschleunigt traben.<br \/>\nIn die erste Kurve geht als erster Cranston, gefolgt von P\u00e5l,<br \/>\ndann kommen Nobel und Latigue und Wouters und dahinter dr\u00e4ngt<br \/>\ndas Zwei-Mann-Team aus Kanada, und einen langen Schal<br \/>\ntr\u00e4gt Larry, der sich leider ungl\u00fccklich im Vorderrad verf\u00e4ngt<br \/>\nund es blockiert, und Larry Wanton f\u00e4llt nun langsam, langsam hin,<br \/>\nrollt sich gut ab und hat sich nicht verletzt.<br \/>\nSein Landsmann ist gleich solidarisch und f\u00e4llt \u00fcber ihn.<br \/>\nAuch er steht l\u00e4ssig auf, die Menge ist dennoch entsetzt.<br \/>\nBeginnt die dritte Runde, vorn ist Nobel, dieser Bayer,<br \/>\nSandor ist dicht dahinter, Bachleitner f\u00e4hrt im Zickzack,<br \/>\nja ist er denn besoffen, alle werden langsamer, o weia!<br \/>\nSandor holt auf, doch erster noch ist dieser Herr im Frack.<br \/>\nAm End von Runde drei springt Steisbein auf die Bahn<br \/>\nRuft \u201eDisqualifikation!\u201c und gibt mit Fahne diesem Fahrer einen Hieb,<br \/>\nder schwankt und bremst, springt ab, sein Plan<br \/>\nvereitelt, Hochrad umgefallen und er auf der Strecke blieb.<\/p>\n<p>Die anderen nun rasen, holen auf, der Vorsprung aber ist zu gro\u00df,<br \/>\ndie beiden treten wie zwei N\u00e4hmaschinen, nur zwei Kurven noch<br \/>\nplus Hindernis: denn Alma ist zur\u00fcckgeblieben, wenn sie auch fuhr famos<br \/>\nund f\u00fcllt zwischen den F\u00fchrern und Verfolgten gut das Loch.<br \/>\nSie blickt sich um, als Nobel einen Angriff tut<br \/>\nUnd lenkt nach rechts, der Bayer bremst, er lautstark sich beschwert<br \/>\nDieweil auf der nun freien Innenspur der Ungar Sandor Derty gut<br \/>\nund kr\u00e4ftig antritt, seinem klaren Sieg im Ziel entgegenf\u00e4hrt.<br \/>\nGro\u00dfer Jubel! Doch es muss ein Nachspiel geben.<br \/>\nStaller rei\u00dft Steisbein die Fahne aus den H\u00e4nden.<br \/>\n\u201eSo geht das nicht, was haben Sie getan, was war das eben?<br \/>\nMisshandlung eines Fahrers, muss das so enden?<br \/>\nDisqualifiziert sind Sie!\u201c Und Steisbein sagt: \u201eEs ist ja eh vorbei.\u201c<br \/>\nNobel schreit: \u201eMan hat mich wohl behindert, mir den Sieg geraubt!\u201c<br \/>\nAlma sagt k\u00fchl: \u201eIhr Angriff hat mich sehr erschrocken, und dabei<br \/>\nHab meinen Lenker ich verrissen, mich im Staube schon geglaubt.\u201c<br \/>\nWer wird die sch\u00f6ne Frau denn einer L\u00fcge zeihen?<br \/>\nZ\u00e4hneknirschend, w\u00fctend verlassen die zwei Bayern diesen<br \/>\nblamablen Ort. Sandor Derty wird als Hochradweltmeister man weihen,<br \/>\nnun flie\u00dft schon der Champagner, und beim Ungarn Freudentr\u00e4nen flie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Die Exoten<\/em><\/p>\n<p>Siegerehrung sp\u00e4ter. Neue Autos treffen ein und werden abgestellt<br \/>\nam Rand von irgendwelchen Wegen. Auch Omis lenken kleine Wagen,<br \/>\ndie dann umzingeln bald das f\u00fcr die Siegerehrung aufgebaute Zelt.<br \/>\n\u201eUnd so wird alles Motorsport\u201c, seufzt Rudi. \u201eWer kann das ertragen?<br \/>\nDer Radfahrer ist frei, den Autofahrer in dem Kasten keiner gleich erkennt.\u201c<br \/>\nSteisbein geht vorbei und wirkt niedergeschlagen.<br \/>\nRudi ruft: \u201eDas war schon richtig, wir brauchen Leute mit Temperament!<br \/>\nWer andre hindert, vorzukommen, muss es f\u00fchlen, darf man\u2019s sagen?\u201c<br \/>\nSteisbein bleibt stehen: \u201eFrau Alma hat es ebenso gemacht<br \/>\nund kam davon, das war nicht richtig und nicht ethisch.\u201c<br \/>\n\u201eSie hatte eine Antwort, gut hat sie\u2019s gedacht.<br \/>\nDas B\u00f6se schl\u00e4gt man nur mit Tricks, die sind pathetisch.<br \/>\nSie zeigten hier die Leidenschaft der Wissenschaft, man wird verzeihn,<br \/>\nnehmen Sie doch einen Logenplatz ganz nah am Ziele ein!<br \/>\nWir stehn vor dem Exoten-Rennen, da geht schon noch ein Bier!<br \/>\nDenn die Heroen sind schon hier.\u201c<\/p>\n<p>Herr Terezin mit seinem Laufrad hat da keine Chance,<br \/>\nes gibt kein zweites, also keine eigene Kategorie.<br \/>\nDas Dreirad von achtzehnachtundachtzig lenkt der Hans<br \/>\nAus F\u00fcrth, das \u201eBantam\u201c aus demselben Jahr der W\u00e4lti, der noch nie<br \/>\nEin Rennen mit dem Ding bestritt. Ein altes Tandem steht bereit,<br \/>\nbei dem die Dame vorne sitzt, die Stra\u00dfe vor sich hat<br \/>\nund hinter sich den Mann, an sich ein Seidenkleid.<br \/>\nAuch Sofia Komorovna sitzt auf einem antiquierten Dreier-Rad,<br \/>\ndas Ende neunzehnten Jahrhunderts sehr beliebt bei Frauen war.<br \/>\nClaude lenkt den schnittigen und schnellen Jaray-Lieger<br \/>\nEin Winzlingsrad, auf dem P\u00e5l Janssen sitzt, vervollst\u00e4ndigt die Schar,<br \/>\nin der man keine Wetten abschlie\u00dft auf den k\u00fcnftgen Sieger.<\/p>\n<p>Carl Reuss gibt seinen Startschuss, und die kleine Gruppe w\u00e4lzt sich los.<br \/>\nDrei Runden. Es sieht lustig aus, wie alles schleppt sich ums Oval,<br \/>\nDer Mann mit seinem Laufrad jagt schon vor wie ein Gescho\u00df.<br \/>\nDann schlie\u00dft ein Dreirad auf, stark f\u00e4hrt die Sofia diesmal, besser als P\u00e5l.<br \/>\nIn Runde zwei jedoch hat sich die Lage schon gekl\u00e4rt.<br \/>\nDie Tandems haben nun die Spitze \u00fcbernommen,<br \/>\ndahinter rudert W\u00e4lti mit dem Bantam, und auch bew\u00e4hrt<br \/>\nhat sich schon Claude auf Jaray, klar, der w\u00fcrde kommen.<br \/>\nNun Runde drei. Das Tandem m\u00fcht sich, f\u00e4llt aber zur\u00fcck,<br \/>\ndoch beide lachen, Jacques und Natalie.<br \/>\nDer Hans mit seinem Dreirad hat kein Gl\u00fcck,<br \/>\nstattdessen eine Panne: Die Kette streikt, das hatte er noch nie!<br \/>\nP\u00e5l tritt da wie ein Irrer wild dahin, das Rad ist kaum zu sehen<br \/>\nUnd Vaclav \u00fcberholt ihn locker, wobei er schneidig salutiert,<br \/>\ndie Frauen sind weit hinten, ebenfalls kaum zu ersp\u00e4hen,<br \/>\nund auch das Tandem mit der Frau im Seidenkleid verliert.<br \/>\nWir sehn den Zieleinlauf: Triumph der Appenzeller,<br \/>\nW\u00e4lti mit dem Bantam, mit der Kurbel dort am Vorderrad,<br \/>\nk\u00e4mpft gut, doch Claude mit Jaray-Liegerad, der ist einfach schneller,<br \/>\ntritt noch einmal energisch, \u00fcbers Ziel, geschafft ist seine Heldentat.<br \/>\nVaclav Terezin mit seinem Laufrad landet unter ferner liefen,<br \/>\nP\u00e5l Janssen wird bejubelt, er trat in die Pedale wohl am meisten,<br \/>\ndoch wollen wir die Reihenfolge nicht vertiefen,<br \/>\nsch\u00f6n war\u2019s zu sehn, was diese netten Leute leisten.<br \/>\nSie steigen ab, ermattet, geben sich die H\u00e4nde.<br \/>\nApplaus erhebt sich, man macht viele Fotografien,<br \/>\nbestaunt die R\u00e4der, diskutiert das hei\u00df umk\u00e4mpfte Ende;<br \/>\nder Preis wird nach dem letzten Rennen erst verliehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Exoten zwei <\/em><\/p>\n<p>Zwanzig Minuten noch bis zum Normalrad-Wettstreit.<br \/>\nDa n\u00e4hert sich vom Campingplatz mit Pauken und Trompeten,<br \/>\nm\u00f6chte man sagen, ein bunter Zug. \u201eLeute, seid bereit!\u201c<br \/>\nschreit jemand in ein Megafon, \u201eihr werdet nun gebeten,<br \/>\nbei einem zweiten Rennen von Exoten zuzusehen<br \/>\nmit Helden, die in ihren L\u00e4ndern ihren Alltag m\u00fchevoll bestehen.<br \/>\nAngesiedelt sind sie in recht fernen Kontinenten<br \/>\nUnd haben Fahrr\u00e4dern aus seltsamen Komponenten.<br \/>\nOb die auch fahren? Sehn wir gleich. Ihr lieben Damen,<br \/>\nes ist ein Spa\u00df, und dennoch warten auf euch Dramen.<br \/>\nWir wolln den Wettbewerb hier nicht verzerren,<br \/>\nsind au\u00dfer Konkurrenz, ihr sehr geehrten Herren.\u201c<\/p>\n<p>Verwunderung. Hinter dem Clown drei Ponies traben,<br \/>\nvier Sch\u00e4ferhunde und vier Katzen, und sie schwenken ein,<br \/>\nzur Rennbahn hin, auf der sich bald die Helden aufgebauet haben.<br \/>\nBunter kann keine Startgruppierung sein!<br \/>\nDie gelbe Rikscha von Mahindi aus Jaipur,<br \/>\ndas alte Russenrad aus Tscheljabinsk von Wladimir,<br \/>\nein altes W\u00fcstenrad der glut\u00e4ugigen Nur,<br \/>\nder Sprecher kommentiert und zeigt: \u201eUnd ihr seht hier:\u201c<br \/>\nSue mit einem Chinarad, an dem die Totenk\u00f6pfe baumeln.<br \/>\nMit einer Schnur zieht sie mit sich einen recht kleinen Sarg.<br \/>\nWer das sieht, ger\u00e4t garantiert ins Taumeln.<br \/>\nSchwarz vermummt ist sie, die Voodoo-Priesterin, ja, das ist stark!<br \/>\nDa ist Bellaire, Uganda, auf ihrem rosa Fahrrad mit dem Bl\u00fctenschmuck,<br \/>\nund neben ihr steht Steve mit seinem Fixie aus der gro\u00dfen Stadt,<br \/>\nbetrachtet liebevoll die Sch\u00f6ne mit dem Z\u00f6pfchen-Look,<br \/>\ner, der Modellathlet, der einge\u00f6lte Muskeln hat.<br \/>\nBeim Rennen keine Chance sieht wohl das Rad f\u00fcr den Transport,<br \/>\nalte Kiste, sehr verrostet, die eine andre alte Kiste tr\u00e4gt,<br \/>\nF\u00fcr Hassan, einen W\u00fcstensohn aus Mali, ist\u2019s nicht Sport,<br \/>\nsondern der Broterwerb, der zudem seinen Alltag pr\u00e4gt.<br \/>\nDa tr\u00e4umt Mahmud aus Kairo, auf dem Gep\u00e4cktr\u00e4ger eine Kiste Eier,<br \/>\noben am Lenker einen Sixpack mit schweren Getr\u00e4nken.<br \/>\nEs dr\u00e4ngt sich unvermittelt vor Herr Nobel, unser Bayer<br \/>\nUnd ruft: \u201eWas werden da die Leute denken?<br \/>\nScheucht diese Kreaturen fort, die Rennen sind kein Spa\u00df,<br \/>\nund Bachleitner schwingt seine Faust und br\u00fcllt:<br \/>\n\u201eVerschwindet, oder gleich setzt\u2019s was!\u201c<br \/>\nEs folgt ein \u201eBuh\u201c, die R\u00e4nge sind gef\u00fcllt,<br \/>\n\u201eVerschwinde du, du Depp!\u201c ruft einer, und es segelt<br \/>\nein Hot Dog ihm an seinen Kopf, da wird er blass.<br \/>\nSteve greift nun sich Nobel, schnell hat er das geregelt,<br \/>\nUnd setzt ihn in die Rikscha, \u201ehab viel Spa\u00df!\u201c<br \/>\nBellaire geht dann zu Bachleitner und h\u00e4ngt ihm eine Bl\u00fctenkette um,<br \/>\ngibt ihm zwei K\u00fcsse auf die Backen, und er wird ganz rot.<br \/>\nEs f\u00e4hrt ein d\u00fcnner Mann, verkleidet als Pirat, herum<br \/>\nauf einem Wilier Rennrad, den nicht alle sehen k\u00f6nnen, da er ist tot.<\/p>\n<p>Rudi ruft, er ist der Starter: \u201eFahrt los, es sind drei Runden!\u201c<br \/>\nund alle fahren, ganz gem\u00e4chlich, winken, lachen,<br \/>\nals h\u00e4tten sie viel Zeit, o Gott, so dauert das ja Stunden!<br \/>\nEin Mann spielt mit der Handharmonika orientalische Sachen.<br \/>\nNach einer Runde tauschen Steve und Bellaire ihre R\u00e4der.<br \/>\nWladimir f\u00e4hrt auf der Wiese, Sue streut Salz ins Publikum,<br \/>\ndamit die Zombies sie nicht angreifen, und sp\u00e4ter<br \/>\nprobiert der Steve die Rikscha, schon ist die zweite Runde um,<br \/>\ner f\u00fchrt, doch blickt sich um und l\u00e4sst die andern ran.<br \/>\nBellaire wirft Bl\u00fcten in die hoch erfreute Menge.<br \/>\n\u201eWas ist das f\u00fcr ein Rennen?\u201c fragt laut ein erregter Mann.<br \/>\nRudi sagt laut: \u201eDas ist das Leben, sehn Sie\u2018s nicht so strenge,<br \/>\nso sollt es sein, auf dieser Welt helfen wir uns gegenseitig,<br \/>\ndie Konkurrenz, der Hass und Krieg, die laufen anderweitig.<br \/>\nWenn\u2019s allen besser geht, wird Leben zum Vergn\u00fcgen,<br \/>\nWir lieben und wir helfen uns, damit dann alle siegen.\u201c<br \/>\nAm Ende von der Runde zwei legt Hassan pl\u00f6tzlich los,<br \/>\nder mit der Kiste, \u00fcberspurtet alle andern, ist auf der Gerade,<br \/>\ndie Menge johlt, und Hassan ballt die Faust, was macht der blo\u00df?<br \/>\nDann h\u00e4lt er an, ersch\u00f6pft und keucht; das ist aber schade.<br \/>\nNur aus Niger zieht nun ab, hat v\u00f6llig freie Bahn.<\/p>\n<p>Wladimir ger\u00e4t an den Sarg am Rad von Sue und f\u00e4llt.<br \/>\nDer Sarg f\u00e4llt auch, schl\u00e4gt um, wie ein geborstner Kahn,<br \/>\ngeborsten von der Wellen Kraft, und ganz zerspellt,<br \/>\ngebrochen wie der Kahn liegt da im Sand ein menschliches Skelett.<br \/>\nEin Aufschrei aller Leute! Sue legt dem Skelett die Arme unter<br \/>\nund breitet es fast z\u00e4rtlich in sein transportables Totenbett.<br \/>\nEin Zuschauer kennt keine Angst, kommt schnell herunter<br \/>\nund hilft mit einem optimalen Ding: mit einem Gurt,<br \/>\n(sp\u00e4ter erf\u00e4hrt man, dass es war der Totengr\u00e4ber von Karlsruhe-Durlach),<br \/>\nmit dem wird rasch der Deckel auf den Sarg gebunden, alles festgezurrt.<br \/>\n\u201eJetzt los!\u201c ruft er, und Sue k\u00fcsst ihn und radelt los, gemach.<br \/>\nDie Siegerin scheint klar, doch nun, was macht sie, Nur?<br \/>\nH\u00e4lt an und bindet sich den Turban neu. Die andern rollen schon heran.<br \/>\nSie macht den Radlern Platz, von \u00c4rger bei ihr keine Spur,<br \/>\nsie l\u00e4chelt sogar, wo sie doch an einem gro\u00dfen Sieg war nahe dran.<br \/>\nDie Runde drei, sie endet, ein bunter Haufen dr\u00e4ngt in Richtung Ziel,<br \/>\nund H\u00e4nde heben sich und klatschen, ein ger\u00e4uschvoller Ton,<br \/>\ndas Durcheinander ist \u00fcber die Linie, vorbei das Spiel,<br \/>\n\u201eWir danken, ihr wart toll!\u201c, ruft noch der Mann am Megafon.<br \/>\nNobel steigt aus der Rikscha und verbeugt sich mit Anmut,<br \/>\nStaller eilt her und k\u00fcsst Bellaire auf beide Backen,<br \/>\nMahindi st\u00fcrzte mit seinem Fixie, nun das Hinterteil ihm wehtut,<br \/>\nund Rudi geht zu Sue, doch kriegt die Zauberin er nicht zu packen.<\/p>\n<p>Nun will ein jeder die verr\u00fcckten R\u00e4der sehen, gro\u00df der Jubel,<br \/>\neine Traube Menschen dr\u00e4ngt sich um die Helden aus der Ferne.<br \/>\nAuch Peter Rogoff st\u00fcrzt sich mannhaft in den Trubel,<br \/>\nmacht nochmal drei\u00dfig Fotos, bitte Interviews, ach gerne,<br \/>\nkann jemand \u00fcbersetzen? Bellaire spricht von dem \u201eBuffalo\u201c,<br \/>\ndas grad in Afrika beliebt und h\u00e4ufig anzutreffen sei,<br \/>\ndas ein US-M\u00e4zen, ein Fahrradmanager aus Chicago<br \/>\nbauen und vertreiben habe lassen, und man vergesse dabei<br \/>\nsehr leicht, dass er, der gute Mensch, die Reise<br \/>\naller zw\u00f6lf Exotenfahrer von weit her habe finanziert\u2018,<br \/>\ndenn Mensch und Rad sei\u2018n eins, auf diese Weise<br \/>\nman etwas Internationales sp\u00fcrt,<br \/>\ndenn \u201ealle sind wir Menschen, ist\u2019s nicht wahr?<br \/>\nWir nehmen euch nichts weg, wir wollen leben, ist doch klar,<br \/>\nWas st\u00f6ren Hautfarbe und Glaube, atmen wir nicht gleich?<br \/>\nUnd es ist Platz f\u00fcr alle in Allahs und eures Gottes Reich.\u201c<br \/>\nNobel und Bachleitner stehen pl\u00f6tzlich mittendrin<br \/>\nUnd sprechen auch ein paar englische Worte.<br \/>\n\u201eDie sind ja nicht so \u00fcbel\u201c, sagen sie, \u201eder Tag war ein Gewinn.<br \/>\nSind gute Leute, halt von einer andren Sorte.\u201c<\/p>\n<p>Rudi greift sich nun die T\u00fcte, durch die man sprechen kann.<br \/>\n\u201eBald f\u00e4ngt die multikulturelle Party an.<br \/>\nKommt alle so um sieben zum Camping am See!<br \/>\nDa gibt es Tropenbier und W\u00fcstenwein, und Rum und Kr\u00e4utertee,<br \/>\nH\u00fchnerfleisch und Chili, Hot Dogs und Kous-Kous,<br \/>\nund dazu Slibowitz und Wodka, Sake und Kaffee mit Schuss,<br \/>\nMusik aus Indien, dem Orient und Kuba:<br \/>\nSo eine Fete in Nordbaden war noch nie da!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Normalradrennen<\/em><\/p>\n<p>So ziehen alle tanzend und auch singend ab, um vier.<br \/>\nAlsdann wird es schon wieder ganz solide und normal, das Rennen<br \/>\nder Drahtesel und Stahlr\u00f6sser beginnt gleich hier<br \/>\nEin paar der Starter kann man gut erkennen.<br \/>\nLudwik Stich und Stan Teagarden sind eine Schau<br \/>\nmit Strohh\u00fcten und mit gest\u00e4rkten wei\u00dfen Hemden,<br \/>\nbeide mit neunzig Jahre alten R\u00e4dern in gediegnem Grau,<br \/>\nBata und das Sunbeam, aus England: Wolverhampton,<br \/>\nFjodor Bykow lenkt nen alten Rover, so einen, wie ihn Tolstoj oft bestieg,<br \/>\nAnne Savognin und Dorothy Tillingham wirken wie Schwestern,<br \/>\nauf den zwei gallischen und gr\u00fcnen Hirondellen aus der Zeit vorm Krieg<br \/>\nmit ihren Westen, schwarzen H\u00fcten, hohen Stiefeln wie im Western.<\/p>\n<p>Terry Twain fuhr immer Hochrad, bis er eines Tags zu Boden flog.<br \/>\nEr tr\u00e4gt heut Mantel und Zylinder und Handschuhe aus Leder.<br \/>\nTwain liebt das Ausgefallene, was ihn bewog,<br \/>\naufs Dursley Pedersen zu steigen, bei dem mittels einer Feder<br \/>\ndas breite Band aus Leder zwischen Mittelrohr und Lenker schwingt,<br \/>\nauf dem der Fahrer sitzt, der mitschwingt, was ist sehr bequem<br \/>\nund obendrein etwas erotische Erregung bringt,<br \/>\nwom\u00f6glich; Terry h\u00e4lt das d\u00e4nische Modell einfach f\u00fcr angenehm.<br \/>\nAuch Jacques Dutronc und seine Freundin Natalie<br \/>\nHaben zwei Partnerr\u00e4der &#8211; mit Vollgummireifen,<br \/>\nCadre Croix von achtzehnsechsundachtzig, ach, wie<br \/>\nfiligran sie wirken, aber schwer zu fahren sind sie, mit den steifen<br \/>\nund harten R\u00e4dern, jeder Sto\u00df tut weh, und irgendwie<br \/>\nwirken die st\u00e4hlernen Franzosen wie zusammen leicht geschoben<br \/>\nin ihrer Optik; weil sie alt sind, wei\u00df man nie,<br \/>\nist das ein Zufall oder haben sich die R\u00e4der einfach \u00fcberhoben.<br \/>\nAuch Rudi, kaum zu glauben, macht mit bei dieser Konkurrenz.<br \/>\nClaude hat ihm nochmal das rote Tebag \u00fcberlassen, einen Renner,<br \/>\nder in den Drei\u00dfgern bei Rennr\u00e4dern etwas war wie ein Mercedes-Benz.<br \/>\nDer Ferdy K\u00fcbler feierte damit seine Triumphe, und wenn er<br \/>\ndamit im Ziel war, dann freut\u2018 er sich, so hat sein Siegeszug begonnen.<br \/>\nAcht Jahre vorher hatte Rudi in der Westschweiz<br \/>\nMit diesem Fahrrad das Jahrhundertrennen glatt gewonnen,<br \/>\nmit emsiger, besessner Fahrt am See, das hatte seinen eignen Reiz.<\/p>\n<p>Carl Reuss tritt an, gemahnt zur Ruhe: \u201eDrei, zwei, eins und &#8211; los!\u201c<br \/>\nDrei Runden wieder. Schon sind die M\u00e4nner vorn, die haben Ehrgeiz.<br \/>\nFjodor und Terry, Jacques und Rudi zeigen ihren Antritt ganz famos.<br \/>\nElsbeth, die wir fast vergessen h\u00e4tten, h\u00e4lt mit, und sie kommt aus der Schweiz,<br \/>\nbesser: vom Kanton Appenzell, die andern bleiben sch\u00f6n kompakt<br \/>\nund bilden ein \u201eGruppetto\u201c, der Vorsprung der f\u00fcnf ersten ist betr\u00e4chtlich.<br \/>\nTerry und Fjodor halten gut ihr Tempo und fahren im Takt,<br \/>\nJacques mit dem alten Vollgummirad k\u00e4mpft, und Rudi zeigt sich schw\u00e4chlich,<br \/>\nauch wenn man meint, dass er mit Absicht langsam f\u00e4hrt,<br \/>\ner wei\u00df, er hat das schnellste Rad, will sich nicht produzieren,<br \/>\nl\u00e4sst sich von Anne, Dorothy, Ludwik und Stan einholen, und das mehrt<br \/>\nden Spa\u00df des Rennens, in dem keiner kann verlieren.<br \/>\nDie Runde drei beginnt, die letzte. Fjodor schwitzt und gibt nun alles,<br \/>\nTerry federt auf dem Lederband und f\u00e4llt langsam zur\u00fcck,<br \/>\nElsbeth dreht wieder auf, daneben Anne Savognin. Angreifen, im Fall es<br \/>\nvorkommt, dass Bykow mit dem Rover eine Krise kriegt, das w\u00e4r ein Gl\u00fcck.<br \/>\nDer Russe ist sich seiner Sache sicher, ist auf der Zielgeraden,<br \/>\nals Anne sich ein Herz fasst und beschleunigt, sie ist jung.<br \/>\nVladimir blickt nur nach vorne, zwei Mal d\u00fcrft ihr raten:<br \/>\nVon hinten schie\u00dft die Churerin herbei, mit Teufelsschwung,<br \/>\nsie wirft sich vor und dirigiert das Rad mit starken Armen<br \/>\nund \u00fcberholt und hat im Ziel knapp einen Reifen Vorsprung.<br \/>\nFjodor erwacht aus seiner Trance und flucht nun zum Erbarmen.<br \/>\nF\u00fcr ihn, den Russen, ist es eine ziemliche Dem\u00fctigung.<\/p>\n<p>Dann ein nun treffen, in der Reihenfolge, Terry, Elsbeth, Stan,<br \/>\nund eine Gruppe mit Dorothy, Rudi und dem Ludwik,<br \/>\nund dann noch Jacques und Natalie, die K\u00f6nigin, la petite reine,<br \/>\ndie Augenweide f\u00fcr des letzten Rennens Augenblick.<br \/>\nAnne r\u00f6chelt, ringt nach Luft, dann hebt sie stolz die Hand.<br \/>\nFjodor geht, sie zu umarmen, es war ein fairer Streit.<br \/>\n\u201eEin Sieg f\u00fcr eine Frau, wir sind nun anerkannt!\u201c<br \/>\nDas gab\u2019s noch nie, man freut sich, ja, es wurde Zeit.<br \/>\nAlle stehn rum, alle umarmen sich, man h\u00e4lt das Rad mit einer Hand,<br \/>\nund wischt den Schwei\u00df sich von der Stirn, und es herrscht Freude.<br \/>\nEin sanfter Hauch legt sich \u00fcber das ganze Land.<br \/>\nDas sind schon, sagen alle, ausgefallne und ganz tolle Leute.<\/p>\n<p><em>Wow, wieviel Geschehen! Es folgt die Siegerehrung und eine riesige Party!<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute wird es dramatisch. Die Helden messen sich in verschiedenen Kategorien, und wie in der Ilias von Homer arbeiten sie mit Tricks und mit Gewalt, denn auch die Freunde der Veteranenr\u00e4der sind ehrgeizig. In Karlsruhe wird es auch Rennen geben. Wenn es geht, mache ich mit. 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