{"id":13190,"date":"2017-05-21T01:04:17","date_gmt":"2017-05-21T00:04:17","guid":{"rendered":"http:\/\/manipogo.de\/?p=13190"},"modified":"2024-11-11T22:01:14","modified_gmt":"2024-11-11T21:01:14","slug":"das-jahrhundertrennen-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/manipogo.de\/?p=13190","title":{"rendered":"Das Jahrhundertrennen (4)"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt k\u00f6nnen wir etwas durchatmen. Die Rennen sind vorbei, es gibt Besprechungen, und alles flutet zum See, an dem ein Multikultifest stattfinden soll. Da muss man dabeisein! Wenn ich es so bedenke: So etwas schreibt man nur einmal im Leben, das war eine Gunst, die mir zuflog. Die Muse war mir geneigt, als ich hier und auf Sizilien und in Z\u00fcrich daran pinselte. Ich hoffe, ein paar Beharrliche lesen noch!<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Siegerehrung<\/em><\/p>\n<p>Die Zuschauer str\u00f6men bereits beschleunigt auseinander.<br \/>\nHer mit dem Mikrofon: \u201eDie Siegerehrung naht, bitte nicht gehn!\u201c<br \/>\nRuft Siegfried Staller, bald stehn die Siegreichen eng beieinander<br \/>\nAm Rand der Piste, wo die drei verschieden hohen Podeste stehn.<br \/>\nDer Pr\u00e4sident ruft hervor den Dritten seines Wettbewerbs beim Hochrad<br \/>\nden Schweizer Louis Dreher, dann besteigt der Wouters Freddie<br \/>\nden Vizeweltmeisterpodest, wonach der Sandor Derty naht<br \/>\nund die h\u00f6chste Stufe erklimmt, gedacht h\u00e4tt man das nie!<br \/>\nEr ruft was Ungarisches, hebt die Arme wie ein Sieger hoch,<br \/>\nBekommt, sich neigend, eine Medaille umgehangen<br \/>\nUnd dann stellt Alma ihm in Aussicht einen Kuss, wof\u00fcr er noch<br \/>\nviel tiefer sich verneigen muss. Dann konnt er ihn empfangen.<\/p>\n<p>Beifall. Es regen sich da auch die H\u00e4nde unsrer beiden Bayern.<br \/>\nDer Ungar singt ein Lied, da kein Orchester seine Hymne spielt.<br \/>\nDann Abstieg vom Olymp. Die n\u00e4chsten d\u00fcrfen feiern,<br \/>\nbei den Exoten hat Sofia \u00fcberraschend den Platz drei erzielt.<br \/>\nW\u00e4lti ist b\u00e4rtig, wirkt gesammelt, wirkt bescheiden und sehr gl\u00fccklich.<br \/>\nEr ist Exotenvizeweltmeister, das kann man schon lassen.<br \/>\nClaude, mit Vollbart gut best\u00fcckt auch er, zieht sich<br \/>\nMit akrobatischen Bewegungen und fast ausgelassen,<br \/>\nauf das h\u00f6chste Podest, von dem er w\u00fcrdevoll herunterwinkt.<br \/>\nTwain hebt die Hand, sagt unumwunden:<br \/>\n\u201eSch\u00f6n, dass es unsren Frauen manchmal auch gelingt,<br \/>\nuns M\u00e4nner zu besiegen.\u201c Noch nicht ganz \u00fcberwunden<br \/>\nhat Fjodor Bykow seine Schlappe. Aber Elsbeth freut sich sehr<br \/>\nund strahlt. Ann Savognin schien erst verschwunden,<br \/>\nnach zwei Minuten aber taucht sie auf, l\u00e4uft her.<br \/>\n\u201eHab mich verirrt, den Ort hier nicht gefunden.\u201c<br \/>\nSie wollte sich, sagt sie, noch etwas schminken<br \/>\nWie einst der sch\u00f6ne Hugo Koblet nach dem Sieg sich k\u00e4mmt\u2018 das Haar.<br \/>\nDanach gelingt es ihr, charmant auch sie, zu winken<br \/>\nUnd Viktor auch zu k\u00fcssen, als w\u00e4r er ihr Zar.<\/p>\n<p>Das w\u00e4r es dann, sagen sich alle, f\u00fcr dieses Jahr.<br \/>\nPeter Rogoff war pr\u00e4sent, hat viel fotografiert,<br \/>\ndamit man nicht vergisst, was einmal war,<br \/>\nund dass, was war, auch ist gut dokumentiert.<br \/>\nEr holt sich an der Theke dann ein k\u00fchles Bier<br \/>\nUnd stellt sich neben Rudi, der gleich zu ihm spricht.<br \/>\n\u201eIch war auch einmal Journalist, und mir<br \/>\nHat das gefallen, eine Zeitlang, und dann nicht<br \/>\nmehr sehr, als Arbeit ist es etwas schlicht.<br \/>\nMan hat zwar Einfluss, aber dann: worauf und wie?<br \/>\nEs geht um Politik und Wirtschaft, aber nie<br \/>\nUm das, was mich bewegt: Gott und die Seele,<br \/>\nPhilosophie, Philologie \u2026 Ich nicht verhehle,<br \/>\ndass niemand sich daf\u00fcr interessiert.<br \/>\nWer davon schreibt, der langweilt und der provoziert.<br \/>\nIch bin leider schon lange aus dem Rennen<br \/>\nUnd kenne niemanden, der sagt, er w\u00fcrd\u2018 mich kennen.\u201c<\/p>\n<p>Rogoff antwortet: \u201eWenn Sie das k\u00f6nnen: gut. Respekt.<br \/>\nIch arbeite f\u00fcr meine Miete, f\u00fcr das Auto, und es steckt<br \/>\nIn mir viel mehr, doch vorerst bleibt es da.<br \/>\nIch tue das Verlangte, bin Ereignissen ganz nah.<br \/>\nDoch leider: In dieser Multimediawelt kann jeder,<br \/>\nwas kann ein Journalist wie ich, der Rogoff Peter.<br \/>\nSie alle schreiben, machen Bilder: Instagram und Twitter<br \/>\nUnd f\u00fcr uns Journalisten ist das leider bitter.<br \/>\nUnser Gewerbe ist sehr schnell und zwielichtig geworden,<br \/>\nwegen der un\u00fcberschaubaren Mail- und Twitter-Horden.<br \/>\nAber die Presse h\u00e4lt ihnen noch stand,<br \/>\nist immer noch ein Faktor in diesem unsrem Land.\u201c<br \/>\nRudi hebt sein Glas und sagt: \u201eIch bin Rudi, Prost.\u201c<br \/>\nRogoff sagt: \u201eAuch Prost. Ich Peter. Ist ein Trost,<br \/>\ndass jemand mich versteht. Ich muss nun fahren.<br \/>\nDie Ausgabe von morgen \u2026 kann\u2019s mir nicht ersparen<br \/>\nBei der Kost\u00fcmausfahrt und bei dem Termin<br \/>\nMit der B\u00fcrgermeisterin dabeizusein, denn sie, nicht ihn<br \/>\nKann man nur schwerlich ignorieren.<br \/>\nUnd man kann es wohl auch nicht riskieren,<br \/>\neuer Century, dieses Jahrhundertrennen zu vers\u00e4umen,<br \/>\ndas \u00fcbermorgen steigt, da blo\u00df nicht s\u00e4umen,<br \/>\nfr\u00fch aufstehn, denn der Start ist, wenn die Sonne sich erhebt.<br \/>\nDu f\u00e4hrst da sicher mit. Gl\u00fcck hat, wer das erlebt.\u201c<br \/>\nRudi erwidert: \u201eIch glaube glatt, das wird sensationell.<br \/>\nWir sehen uns, die Zeit vergeht so schnell.\u201c<\/p>\n<p>Derweil die Zuschauer begeben sich in Richtung See-Camping.<br \/>\nDorothy und Viktor, Terry, Staller, die Protagonisten<br \/>\nGehen zu Fu\u00df hoch ins Hotel \u2013 und f\u00fchlen sich wie auf dem N\u00fcrburgring<br \/>\nUnd gleichzeitig wie auf den frequentierten Pisten,<br \/>\ndie f\u00fchren nach Karatschi und Kampala und \u2026 Karlsruhe.<br \/>\nDa rollen viele Autos, und mit R\u00e4dern und zu Fu\u00df<br \/>\nBewegen sich, sehr gut gelaunt, in aller Seelenruhe<br \/>\nMenschen von andren Kontinenten, die man kennen muss,<br \/>\n(nein: m\u00fcsste), da sie Bewohner der nordbadischen Metropole sind,<br \/>\ndie arbeiten am Bauhof und in D\u00f6nerl\u00e4den, in Internetzentralen;<br \/>\nsie putzen, r\u00e4umen Zimmer auf, und k\u00fcmmern sich auch um ein Kind<br \/>\nvon gut verdienenden Migranten, die was k\u00f6nnen zahlen.<br \/>\nStaller meint: \u201eDie gehen zu dem Fest, das hat sich rumgesprochen,<br \/>\nunglaublich, so spontan \u2026 und wir planen seit Wochen!\u201c<br \/>\nTerry Twain meint: \u201eNichts wird ge\u00e4ndert, nichts wird unterbrochen,<br \/>\nauf den Empfang mit unsren Rennteilnehmern muss ich pochen.<br \/>\nSeit Jahren ist das eine gern ge\u00fcbte Tradition,<br \/>\nauch wenn wir unter uns sind, machen wir das schon.<br \/>\nEin gro\u00dfes Fest ziemt sich erst nach dem Jahrhundertrennen<br \/>\nUnd so zum Abschluss, wenn\u2019s sch\u00f6n war und das Fazit wir benennen.\u201c<\/p>\n<p>Rudi erkl\u00e4rt: \u201eAch, man muss die Feste einfach feiern, wie sie fallen.<br \/>\nVon mir aus jeden Abend eine riesen Fete, wird allen gefallen.<br \/>\nNicht jeden Tag gibt\u2019s eine Chance auf die Verbr\u00fcderung<br \/>\nMit \u201aausl\u00e4ndischen Mitb\u00fcrgern\u2018 \u2013 bei unserer Veranstaltung,<br \/>\nda findet\u2019s statt, im Zeichen und im Geiste unseres geliebten Rads.<br \/>\nVergessen wir das nicht: Das Fahrrad tat\u2019s!<br \/>\nWir wollten euch nicht \u00fcberrumpeln, nicht entmachten,<br \/>\nes war ein Einfall, den wir alle hatten, und wir trachten<br \/>\nnach einem sch\u00f6nen und friedlichen Beisammensein<br \/>\nder V\u00f6lker mit dem Motto: Unsre Welt ist klein.\u201c<\/p>\n<p>Damit verabschiedet sich Rudi, geht hinunter zu den Zelten,<br \/>\ndie andern wandern weiter gegen den menschlichen Strom.<br \/>\nDer Zeltplatz wird zum Schauplatz sehr verschiedner Welten<br \/>\nVereint im Chaos, bunt und hektisch wie das Ew\u2019ge Rom.<br \/>\nRudi l\u00e4sst sich also von und in den bunten Pilgern treiben,<br \/>\ndie Autos bleiben stehn, keins wird mehr durchgelassen.<br \/>\nAm Wegesrand steht Steisbein, so, als w\u00fcrd er stets so bleiben,<br \/>\ner sagt, als Rudi fragend schaut: \u201eDie Objektivit\u00e4t hat mich verlassen,<br \/>\nich habe mich vergessen, besser, dass ich heimw\u00e4rts schreite.<br \/>\nMan wollte mich von Anfang nicht, es war ne gro\u00dfe Pleite.\u201c<br \/>\nRudi lacht. \u201eMaestro, manchmal ist die Objektivit\u00e4t<br \/>\ndas Falsche; das Herz sagt uns, was man am besten t\u00e4t,<br \/>\nund vorhin haben viele sehr bewundert, was Sie taten.<br \/>\nWir brauchen Ihre Kenntnisse, Ihr Wissen um die Daten,<br \/>\nich bitte Sie, kommen Sie mit, wir finden einen stillen Ort,<br \/>\num uns \u00fcber das Rad und alles auszutauschen dort.\u201c<\/p>\n<p>Steisbein nickt, wirkt gleich erfreut und schiebt sein Rad voran.<br \/>\nLinks und rechts des Wegs steht halb hoch das Getreide.<br \/>\nVor ihnen an dem See gehn schon die ersten Feuer an.<br \/>\nDrei K\u00fche blicken auf; so viele Leute, wollen die zur Weide<br \/>\nOder str\u00f6men sie denn heim, in irgendeinen Stall?<br \/>\nMan h\u00f6rt die Laute aus Marokko, eine Aud,<br \/>\ndie Laute einer indischen Sitar, sie steigen auf zum All,<br \/>\nund eine Trommel f\u00e4llt nun ein ganz laut.<br \/>\nUnd wie bet\u00e4ubt treten sie ein ins Reich der fremden D\u00fcfte.<br \/>\nSandelholz und Moschus, Kardamom und Zimt<br \/>\nErheben und vermischen sich, beseligen die L\u00fcfte.<br \/>\nRauchwolken quellen hoch, und \u00fcberall die Kohle glimmt.<br \/>\nDer Zug passiert den flachen Bau der Camping-Rezeption<br \/>\nUnd l\u00e4ngs den Hauptweg, der zum Seeufer f\u00fchrt<br \/>\nReihen sich die vielen improvisierten St\u00e4nde,<br \/>\nund rechts dann, wo das Ufer wird ber\u00fchrt<br \/>\nvon einer wilden Wiese, einem Freigel\u00e4nde,<br \/>\nda sind erbaut ganz neu vier Zelte und zwei B\u00fchnen,<br \/>\ndie beide dicht am Wasser stehen.<br \/>\nIm Halbkreis angeordnet sind davor die gr\u00fcnen<br \/>\nR\u00e4umlichkeiten aus Tuch und Samt, auf dem viel Fahnen wehen.<\/p>\n<p>Das erste Zelt ist da zum Rauchen und zum Plaudern,<br \/>\ndas zweite f\u00fcr die Frau, die M\u00e4rchen uns erz\u00e4hlt,<br \/>\ndas dritte, nun, da muss man etwas zaudern,<br \/>\nhat durch Teppichen geteilte Appartmente, und sie w\u00e4hlt,<br \/>\nwer sich intim begegnen mag mit einem Wesen<br \/>\ndes anderen Geschlechts (oder des gleichen),<br \/>\nso etwas ist an jedem Ort der Welt gewesen,<br \/>\nein rotes Fl\u00e4mmchen brennt davor als Zeichen.<br \/>\nDas vierte Zelt ist kleiner, es geh\u00f6rt<br \/>\nDer sch\u00f6nen Miranda de Campos, Graciosa ist ihr zweiter Name:<br \/>\nder Portugiesin, die dort, unerh\u00f6rt und ungest\u00f6rt<br \/>\ndir mit den Karten deine Zukunft zeigt, die dunkle, stille Dame.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Besprechung<\/em><\/p>\n<p>Im Aufenthaltsraum neben der Campingrezeption<br \/>\nWarten die Helden aller Rennen. Und auch Funktion\u00e4re vom Verband.<br \/>\nSchnittchen und gek\u00fchlten Wein gibt es zum Lohn,<br \/>\nund Trinkspr\u00fcche von Twain und Staller, wie aus einer Hand.<br \/>\nP\u00e5l Janssen und der Vaclav Terezin werden extra erw\u00e4hnt,<br \/>\nweil sie sportlich waren und den andern Freude machten,<br \/>\ndieweil Fjodor Bykow beleidigt ist, sich als Versager w\u00e4hnt<br \/>\nund Nobel sagt, was viele dachten:<br \/>\n\u201eDiese Exoten zwei durfte man nie starten lassen.<br \/>\nL\u00e4cherlich haben sie uns gemacht, uns schlecht aussehen lassen.\u201c<br \/>\nAnn Savognin sagt: \u201eNehmt das doch nicht so ernst, verdammt noch mal.<br \/>\nIch habe zwar gewonnen, doch ist\u2019s mir ganz egal.\u201c<br \/>\nAlma springt ihr bei: \u201eWen die Exoten st\u00f6ren, der hat schon verloren.<br \/>\nBunt sind die Asiaten, Russen, Haitianer und die Mohren.\u201c<br \/>\nFjodor murrt da: \u201eHast uns grad genannt in einem Atemzug<br \/>\nMit den Exoten drau\u00dfen, das war gar nicht klug.\u201c<br \/>\n\u201eWas du gemacht hast, Alma\u201c, Larry Wanton spricht,<br \/>\n\u201ewar nicht sehr fair, und das zu sagen, ist hier meine Pflicht.\u201c<br \/>\nTerry Twain f\u00fchlt sich nun etwas unbehaglich.<br \/>\n\u201eDa drau\u00dfen tobt das Fest\u201c, sagt er, \u201eund fraglich,<br \/>\nob streiten etwas n\u00fctzt. Die Helden aller Rennen sind entlassen,<br \/>\nnicht jedoch sind es die Funktion\u00e4re, die \u00c4lteren und Blassen,<br \/>\ndie unseren gro\u00dfen Verband so funktionieren lassen<br \/>\nzum Wohle aller Fahrr\u00e4der und Rassen.<br \/>\nDer Plan f\u00fcrs n\u00e4chste Jahr muss seinen Segen kriegen,<br \/>\nbesprochen werden m\u00fcssen Antr\u00e4ge und Anliegen,<br \/>\nund schlie\u00dflich: Wahl des neuen Pr\u00e4sidenten.<br \/>\nIch bin\u2019s zwei Jahre, und ich meine, es soll enden.<br \/>\nDennoch, mein ich zudem, sollten die Sitzung wir vertagen<br \/>\nUnd morgen ins Verkehrsmuseum die Probleme tragen,<br \/>\nda hat es einen sch\u00f6nen Sitzungsraum, der mir gef\u00e4llt,<br \/>\nda regeln wir das N\u00f6tige, die Grenzen unsrer kleinen Welt.\u201c<br \/>\nDas war so formuliert, dass nun kein Einwand mehr verf\u00e4ngt.<br \/>\nVerabschiedung; man murmelt ein paar Worte, nickt verst\u00e4ndnisvoll,<br \/>\nund dann, froh um die Pause, zum Ausgang alles dr\u00e4ngt.<br \/>\nUnd drau\u00dfen dr\u00e4ngt sich alles, wallt und scheint wie toll.<br \/>\n\u00dcberall nur K\u00f6pfe, keiner hat den \u00dcberblick.<br \/>\nDie Veteranenradler sind verloren in der Menge,<br \/>\nhier taucht ein Kopf auf und dort ein Gesicht, f\u00fcr einen kurzen Blick,<br \/>\ndoch dann taucht alles unter in drangvoller Enge.<\/p>\n<p>Entfernt von ihnen, l\u00e4ngs den See, kommen drei Dschihadisten,<br \/>\ndie hatten vorher recherchiert<br \/>\nauf umf\u00e4nglichen Veranstaltungslisten<br \/>\nund sich ins Multikultifest klug infiltriert.<br \/>\nMehmed, Ali und Abdullah<br \/>\nsind gegen Fahrr\u00e4der, das ist keine Frage,<br \/>\nsind gegen Kultur und denken, dass Allah<br \/>\nwie sie furchtbar findet die Lage.<br \/>\nSie holten sich drei dicke schwarzwei\u00dfe Cruiser<br \/>\nund verbargen sich im Schilf,<br \/>\nvor allen andern, den Opfern: die Loser<br \/>\nund brachen hervor mit \u201eAllah hilf!\u201c<br \/>\nSofort schreien sie auf Arabisch Parolen<br \/>\nund schwenken die Waffen und fahren wie Henker<br \/>\nam Ufer entlang. Ali will Mehmed \u00fcberholen,<br \/>\njeder die Maschinenpistole rechts, die andre Hand am Lenker,<br \/>\ndas geht nicht gut, die Lenker sich verhaken,<br \/>\nw\u00e4hrend hundert Zuschauer sind au\u00dfer Rand und Band:<br \/>\nSie lachen und applaudieren, derweil Ali und Mehmed wie zwei Kraken<br \/>\nverheddert mit Armen und Beinen hinst\u00fcrzen in den Sand.<br \/>\nZwei Salven l\u00f6sen sich aus den Maschinengewehren<br \/>\nund in den Himmel fliegen hundert Gescho\u00dfe,<br \/>\nbegleitet von Beifall, w\u00e4hrend Abdullah holt, Allah zu Ehren,<br \/>\ndie kleine Bombe aus der Tasche seiner Hose,<br \/>\nwonach er verbl\u00fcfft \u00fcber seine Vorfahrer f\u00e4llt.<br \/>\nDie Bombe fliegt in hohem Bogen in den See<br \/>\nund explodiert: volle Dusche f\u00fcr die Multikultiwelt,<br \/>\ndoch die drei Dschihadisten jammern, denen tut alles weh.<br \/>\nDie Multikultis jubeln, was f\u00fcr ein Gag, ganz ohne Gage,<br \/>\nund Bellaire und Thitch Nam That eilen herbei,<br \/>\ndie Thail\u00e4nderin hilft mit einer guten Massage<br \/>\nund man lobt und pflegt die ungl\u00fccklichen Drei.<br \/>\nSie w\u00e4hnen sich fast im Paradiese,<br \/>\nin einem Zelt, wo man sie z\u00e4rtlich umhegt.<br \/>\nSch\u00f6ne Frauen sind da und streicheln diese<br \/>\ndrei Helden, und Nur sich zu ihnen legt.<br \/>\n\u201eIch habe wirklich Angst bekommen\u201c,<br \/>\nsagt sie, \u201ealles, was wir liebten, war in Gefahr.<br \/>\nDer Gott des Fahrrads ist zu euch zu Hilfe gekommen,<br \/>\nund hat euch verziehen, ach, wie knapp das war!\u201c<br \/>\nAm Eingang des Zelts sagt Rudi: \u201eAuch wir wollen vergeben,<br \/>\nweil alles gut ausging, gelobt sei das Leben!<br \/>\nNur Fahrrad fahren m\u00fcssen sie lernen,<br \/>\ndann fahren sie hin wie die G\u00f6tter, hoch zu den Sternen.\u201c<br \/>\nZu Bellaire sagt er ganz leise: \u201eBring mir weg die Waffen,<br \/>\ndie m\u00fcssen morgen doch zur Polizei wir schaffen.<br \/>\nBindet sie fest, sie bleiben doch eine Gefahr.<br \/>\nWir hatten Gl\u00fcck; wie knapp das diesmal war!\u201c<\/p>\n<p><em>Ein verhindertes Attentat &#8230; das hatte ich geschrieben lang vor Paris, Berlin, London, Stockholm. Und das Begegnungszelt &#8230; so etwas fehlt heute. Morgen wird Rudi dort hinein gelotst, denn man wei\u00df, er l\u00e4sst alles mit sich geschehen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt k\u00f6nnen wir etwas durchatmen. Die Rennen sind vorbei, es gibt Besprechungen, und alles flutet zum See, an dem ein Multikultifest stattfinden soll. Da muss man dabeisein! Wenn ich es so bedenke: So etwas schreibt man nur einmal im Leben, das war eine Gunst, die mir zuflog. 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