{"id":13230,"date":"2017-05-23T01:06:26","date_gmt":"2017-05-23T00:06:26","guid":{"rendered":"http:\/\/manipogo.de\/?p=13230"},"modified":"2024-11-11T22:03:10","modified_gmt":"2024-11-11T21:03:10","slug":"das-jahrhundertrennen-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/manipogo.de\/?p=13230","title":{"rendered":"Das Jahrhundertrennen (6)"},"content":{"rendered":"<p>Karlsruhe; der zweite Tag hebt an. Mit sechs neuen Folgen kommen wir durch bis Seite 80. Nun machen sich die Helden auf zur Kost\u00fcmausfahrt (f\u00fcr die ich auch vorbereitet bin, ich m\u00f6chte Don Camillo sein und habe mir eine schwarze Priester-M\u00fctze ausgeliehen), die vor dem Karlsruher Schloss ihren H\u00f6hepunkt hat. <!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">DER ZWEITE TAG<\/p>\n<p>Nachts gibt\u2019s am Zeltplatz immer ein paar Kandidaten,<br \/>\ndie wegen ihres unm\u00e4ssigen Fl\u00fcssigkeitsgenusses<br \/>\noft zum Waschhaus m\u00fcssen, was ihre Nachbarn gleich erraten,<br \/>\ndurchs Zirpen deren zelt\u00f6ffnenden Rei\u00dfverschlusses.<br \/>\nWenn dann von einem Wohnmobil die T\u00fcr zuschl\u00e4gt,<br \/>\nwei\u00df man, dass wenn der Ausgetretene dann wieder eintritt,<br \/>\nsie nochmals zuf\u00e4llt; den Hund, der in der Ferne bellt, ertr\u00e4gt<br \/>\nman leicht, das Quaken vieler Fr\u00f6sche nimmt man mit;<br \/>\nman hat ja Gl\u00fcck gehabt, dass keine deutsche Autobahn,<br \/>\nFabrikanlage, M\u00fcllverbrennung und Umgehungsstra\u00dfe,<br \/>\nPizzeria, Diskothek nah sind am Radler-Zeltplatz dran.<br \/>\nKein Biergarten, kein Kindergarten. Keine Industrieabgase!<br \/>\nFahr los vom Platz mit Rad, blo\u00df sieben Kilometer,<br \/>\nund du stehst schon an einem Flu\u00df, der kaum zu \u00fcberqueren:<br \/>\nBundesstra\u00dfe drei, gef\u00e4hrlich f\u00fcr Pedaletreter.<br \/>\nSo ist die Welt, du darfst dich nicht beschweren.<br \/>\nDoch morgen\/heute spielen wir die heile Welt<br \/>\nMit vielen antiquierten R\u00e4dern und Kost\u00fcmen,<br \/>\nwas den modernen B\u00fcrgern so gef\u00e4llt.<br \/>\nLasst uns die alte stille Zeit nur r\u00fchmen!<br \/>\n(Die still nur war, weil wir von ihr nicht viel erfuhren.<br \/>\nDie Menschen sind unruhig, die Welt ein Unruh-Herd,<br \/>\nwie eine Uhr, und rastlos sind sie, Uhren wie auch Huren,<br \/>\ngut, bl\u00f6des Bild, ich hoff\u2018, dasss keiner sich beschwert.)<\/p>\n<p>Sue schlief sehr tief und wurde auch nicht aufgeweckt<br \/>\ndurch Rudi, den der Wein im K\u00f6rper nachts ins Freie treibt,<br \/>\nins Waschhaus, klar; zur\u00fcckgekehrt, er \u00fcberrascht entdeckt,<br \/>\ndass eine Frau vor ihrem Zelt versonnen steht und stehen bleibt,<br \/>\nauch als sie sich bemerkt f\u00fchlt; leicht f\u00e4chelt der Wind<br \/>\ndie wei\u00dfen Kleider von Miranda, unsrer Wahrsagefrau.<br \/>\nEr geht zu ihr, sagt: \u201eHe, geh schlafen, was machst du denn, mein Kind?\u201c<br \/>\n\u201eIch denke nach\u201c, sagt sie, Miranda Graciosa de Campos, \u201eschau,<br \/>\nich hatte gestern da einen englischen \u2026 Patienten,<br \/>\nund ich nun Stimmen h\u00f6re, Geister seh an W\u00e4nden.<br \/>\n\u00dcber den Mann hab ich mich so erschrocken,<br \/>\ner sollt die lang vergessne Gabe mir entlocken.\u201c<br \/>\nRudi wirbt: \u201eDann lenk dich ab, bleib nicht in deiner Geisterwelt.<br \/>\nKomm mit in unser Heim, in das Begegnungszelt.<br \/>\nMan sieht erst morgen, ob diese Visionen halten.<br \/>\nSue kennt sich aus, sie kann den Spirit gut verwalten.\u201c<br \/>\nMiranda l\u00e4sst sich \u00fcberreden, folgt ihm dort hinein,<br \/>\nwo alles leise r\u00f6chelt, atmet, schnarcht und st\u00f6hnt.<br \/>\n\u201eMorgen kommst du dann mit uns\u201c, fl\u00fcstert Rudi, \u201eaber stille sein,<br \/>\nda ist dein Nachtlager, zwar einfach, doch du bist ja nicht verw\u00f6hnt.\u201c<\/p>\n<p>Treffpunkt der verkleideten Radgemeinde im Kost\u00fcm<br \/>\nIst um zehn am Campingplatzeingang.<br \/>\nDann kann man ruhig und nicht ungest\u00fcm<br \/>\nDie Truppe ordnen und ihr sagen, wo\u2019s geht lang.<br \/>\n\u201eDie solln in Ruhe erstmal fr\u00fchst\u00fccken\u201c,<br \/>\nsagt oben auf der Terrasse des Hotels T. Twain.<br \/>\n\u201eDer zweite Tag wird uns schon auch noch gl\u00fccken.<br \/>\nDoch eins\u201c, sagt er zu Staller, \u201ekann ich nicht verstehn:<br \/>\nWarum hat denn gestern keine Dame <em>mich<\/em> ins Zelt gebeten?<br \/>\nBin vielleicht nicht der Sch\u00f6nste auf diesem Planeten,<br \/>\ndoch gut gewachsen, elegant, und auch der Pr\u00e4sident.<br \/>\nSeit Jahren warte ich auf ein solches Event.<br \/>\nUnd dann: der blonde Deutsche, der Chaot,<br \/>\ndarf hin, und ich geh leer aus: trocken Brot.\u201c<br \/>\nStaller meint: \u201eDas sind ja fragw\u00fcrdige Damen,<br \/>\nzwielichtige, halbseidene, f\u00fcr diesen Rahmen<br \/>\neigentlich unpassend und nicht gemacht f\u00fcr dein Niveau:<br \/>\ndie Hexerin, die W\u00fcstenfrau, die Afrikanerin, o oh.\u201c<\/p>\n<p>Ein unverkennbares Ger\u00e4usch: der Motor eines Zwo Zevau<br \/>\nVor dem Hotel, und Peter Rogoff lenkt den Schritt<br \/>\nan den Anwesenden vorbei zur Theke hinten in dem Bau<br \/>\nund sagt Sibylle guten Morgen: \u201eKommst du mit<br \/>\nspaziergehn, ich habe dich vermisst, die Arbeit sehr verflucht,<br \/>\nw\u00fctend gewesen, meine Aufzeichnungen lang gesucht,<br \/>\nviel Schnaps getrunken, viel Musik geh\u00f6rt,<br \/>\nund dann gemerkt, dass du mich hast bet\u00f6rt.\u201c<br \/>\nNa gut, da sind wohl wieder zwei,<br \/>\ndie sich gefunden haben, und sie gehn ins Freie.<br \/>\nEs kommt ein Anruf von der deutschen Polizei ,<br \/>\ndie die genaue Strecke wissen will; man leihe<br \/>\nder Ausfahrt zwanzig kr\u00e4ftige Beamte.<br \/>\nDas sei ja fast ein kleiner Gro\u00dfeinsatz,<br \/>\nden man am Anfang nahezu verdammte:<br \/>\nEin Wagen kommt jetzt gleich zum Campingplatz.<br \/>\nTwain erwidert: \u201eWir vertrauen ganz der deutschen Polizei.<br \/>\nWir treffen blo\u00df die B\u00fcrgermeisterin, dann ist\u2018s vorbei.<br \/>\nSind eine friedliche Versammlung, die sich bald zerstreut,<br \/>\nNiemand hat das Veteranentreffen weltweit je bereut.\u201c<br \/>\nMan zieht sich an und f\u00e4hrt mit R\u00e4dern runter<br \/>\nHalb zehn, zum Platz, auf Wegen durch dieAuen<br \/>\nund wird beim Fahren wieder etwas munter.<br \/>\nMan kann der Polizei, doch auch dem eignen Plan vertrauen.<\/p>\n<p>Das Bild, das sich ihnen dort bietet: \u00e4u\u00dferst imposant.<br \/>\nDie erste Gruppe steht wie eine r\u00f6mische Kohorte,<br \/>\nf\u00fcnf Mann (mit Frau), zehn Reihen, scharf der Rand,<br \/>\ndie zweite Gruppe steht \u2026 noch vorne d\u00fcnn, wie ein St\u00fcck Torte,<br \/>\nund hinten dr\u00e4ngelt alles, und es wird noch kommandiert,<br \/>\nnoch weiter hinten, Gruppe drei: ein Sauhaufen,<br \/>\nda sind die Hochradfahrer, die Dreir\u00e4der, die dirigiert<br \/>\noder noch besser, dirigieren will die der Frank Wouters, laufen<br \/>\nmuss er von dem einen zu dem andern, doch nichts bringt\u2018s,<br \/>\nes bleibt ein instabiles, wirres, anf\u00e4lliges System,<br \/>\nund nicht einmal dem Pr\u00e4sidenten, der eingreift, gelingt\u2018s,<br \/>\netwas zu schaffen, das nach Ordnung riecht; und unterdem<br \/>\nist einer eingetroffen, den alle beachten,<br \/>\nmit einem Nieder-Dreirad, sitzend auf der Erde fast;<br \/>\nihn, der in eine L\u00fccke st\u00f6sst, m\u00fcssen wir zuerst betrachten,<br \/>\nbevor der Blick die imposante erste Gruppe n\u00e4her fasst.<\/p>\n<p>Der Fahrer ist ein langbeiniger, junger Monsignore,<br \/>\nschwarzes Barett auf seinem klugen Kopf, schwarzes Ornat<br \/>\ndes Priesters, dem im Vatikan sich \u00f6ffnen alle Tore.<br \/>\nNun steht sein Rad da und er auf ihm, im Sonntagsstaat,<br \/>\nschaut provozierend, gibt gleich mit der Hand den Segen jedem Christ,<br \/>\nund das ist witzig, denkt man schon, das m\u00fcsste Don Camillo sein,<br \/>\ndem nur Peppone fehlt, der Dicke, B\u00fcrgermeister, Kommunist,<br \/>\nmit dem er sich in der Poebene stets duellierte \u2026 nein!<br \/>\nFehlt nicht. Kommt einer an, sieht aus wie&#8217;n Anarchist,<br \/>\nauf altem Rad, mit Schnurrbart, in der Jacke eine Flasche Wein,<br \/>\nim Mundwinkel die Zigarette, die Gauloise, das ist<br \/>\nein Franzose; ja, in der Bretagne kann diese Geschichte auch geschehen sein.<\/p>\n<p>\u201eR\u00e4der f\u00fcr alle, R\u00e4der f\u00fcr das ganze Volk!\u201c ruft Peppone (oder der Bretone).<br \/>\n\u201eErst gebt dem K\u00f6rper was zu essen, dann dem Geist die Nahrung\u201c,<br \/>\nerwidert Don Camillo, \u201eund R\u00e4der nur bedingt, und Autos nie, denn ohne<br \/>\nlebten wir gut, wir wissen, was dann kam, wir haben ja Erfahrung.\u201c<br \/>\n\u201eAusreden!\u201c schimpft Peppone. \u201eWir wissen, f\u00fcr Autonomie<br \/>\nund f\u00fcr die Freiheit ihrer Gl\u00e4ubigen war eure Kirche nie.<br \/>\nAngst sollen sie haben vor der H\u00f6lle, vorm letzten Gericht,<br \/>\ndie S\u00fcnder, beten sollen sie und b\u00fc\u00dfen, und radfahren auch nicht.<br \/>\nNur ihre Priester sollen sich bewegen<br \/>\nzum Begr\u00e4bnis und zur Taufe, spenden den Segen.\u201c<br \/>\nDon Camillo l\u00e4chelt, sagt: \u201eDas alles ist nicht richtig;<br \/>\ndas Radfahren verbietet nicht die Bibel, und es ist schon wichtig.<br \/>\nDer Vatikan hat\u2019s mit erlaubt, ich darf so dreir\u00e4drig rumfahren,<br \/>\naber in Belgien vor achtzig Jahren,<br \/>\nda fragt\u2018 man sich, ob ein verschwitzter Kirchenmann,<br \/>\nder so zu dem Begr\u00e4bnis kommt, noch W\u00fcrde zeigen kann.<br \/>\nDer Papst, er \u00fcberlie\u00df das Urteil dr\u00fcber dann dem Bischof,<br \/>\nund Gl\u00e4ubige, die d\u00fcrfen radeln, anders w\u00e4re das ja doof.\u201c<\/p>\n<p>Und beide nicken rechts und links, der Dialog geschlossen,<br \/>\nes wird jedoch mehr Dialoge der zwei beim Treffen geben,<br \/>\nFranzosen immer gern mit Worten aufeinander schossen,<br \/>\nund weiter geht\u2019s dann sp\u00e4ter, in dem andren Leben.<br \/>\nDer Priester bringt die Gruppe drei mit sanften Worten schnell in Form.<br \/>\nDa hinten fehlen noch ein paar; man sagt, dass ein paar Kinder<br \/>\naustreten noch einmal mussten, sie sich stritten: Ist die Norm,<br \/>\nund einige Erwachsene fehlen nicht minder,<br \/>\nder eine, ausgerechnet Ludwik Stich, hatte ne Reifenpanne,<br \/>\nund sein Versuch, sie zu beheben, wollt ihm nicht gl\u00fccken.<br \/>\nDer grad geflickte Schlauch liess Luft hindurch und volle Kanne,<br \/>\ndas Aufkleben des Flickens will ge\u00fcbt sein und hat T\u00fccken.<br \/>\nAn einem alten Holzrad brach eine der Speichen,<br \/>\ndie man mit Klebeband notd\u00fcrftig noch fixierte, und dann<br \/>\nzeigte sich eine Sattelst\u00fctze br\u00fcchig, Bergier aus Br\u00fcgge muss erbleichen,<br \/>\nweil das f\u00fcr seine Potenz sehr folgenreich sein kann.<\/p>\n<p>Die Zeit, sie dr\u00e4ngt; die Nachhut muss den Weg alleine finden.<br \/>\nIst kein Problem, da stehen Polizisten, deren H\u00e4nde<br \/>\ndie Richtung weisen, sodass man sich gut kann winden<br \/>\nwenn\u2019s sein muss, auch durch Gassen und durch Wohngebiete, geht behende!<br \/>\nDie erste Gruppe, so perfekt, setzt sich schon in Bewegung,<br \/>\nf\u00fcnf Appenzeller vorn mit wei\u00dfen Hemden, roten T\u00fcchern,<br \/>\nleichten Westen, Frauen gleich dahinter, stolz und ohne Regung,<br \/>\nmit weiten R\u00f6cken, R\u00fcschenblusen, und einer Haltung wie aus B\u00fcchern.<br \/>\nDas vorn sind Claude, Louis, W\u00e4lti, Peter und der Hell Riccardo,<br \/>\ndahinter Elsbeth, Anne Savognin und drei, die Schweizerinnen spielen.<br \/>\nF\u00fcnf Belgier, dann f\u00fcnf Franzosen und noch andere, die auch so<br \/>\nsch\u00f6n gekleidet sind, es sind nur drei\u00dfig von so vielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Zum Schloss<\/em><\/p>\n<p>Es dr\u00e4ngt die Zeit, es muss gefahren werden.<br \/>\nDie Rotte schiebt sich langsam hoch zu dem Hotel,<br \/>\nSibylle sieht&#8217;s, als seien es Insekten, die kommen aus der Erden,<br \/>\nvom nicht zu fernen See; sie k\u00e4men, sagt ihr Peter, aus dem Quell,<br \/>\ndem Ursprung, hoch ans Licht. Die alten R\u00e4der mit<br \/>\nden sch\u00f6nen (auch recht alten) Menschen, die sie lenken,<br \/>\ndie fr\u00f6hlich sind und Spa\u00df vermitteln mit ein jedem Tritt:<br \/>\nWie sehr sie uns begl\u00fccken und beschenken!<\/p>\n<p>Schon unterwegs ist unsre zweite Rotte,<br \/>\nund auch die dritte Gruppe l\u00f6st sich schweren Herzens von der Camping-Rezeption<br \/>\ndort unten, w\u00e4hrend oben steht ein Polizist, gleich einem Gotte,<br \/>\nund mit der Hand zum Radweg weist, und hundert Meter weiter steht da schon<br \/>\nder n\u00e4chste Mann in Uniform. Die Masse macht sich d\u00fcnn und zieht sich lang<br \/>\nund f\u00e4hrt in Zweierreihen, notgedrungen; weg ist die Magie.<br \/>\nEntlang der Bundesstra\u00dfe sechsunddrei\u00dfig, die geht unten durch<br \/>\nunter der Stra\u00dfe Nummer zehn, und Alma sagt, tut uns nicht weh,<br \/>\nsind f\u00fcnf Kilometer nur zum Schloss. Die Schlange oder auch \u201eder Lurch\u201c<br \/>\nder Radler schiebt sich hin, schon sind sie auf der Kaiserallee.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich sind da ihre sch\u00f6nen R\u00e4der eine Reihe alter ungepflegter Kisten,<br \/>\nsie selber unansehnlich, gesehen von den Leuten in den wei\u00dfen Limousinen,<br \/>\ndie gro\u00df und dick beanspruchen die breiten Pisten<br \/>\nund deren Insassen nicht einmal gro\u00df Notiz nehmen von ihnen.<br \/>\nSie sitzen in ihrem Geh\u00e4use fast wie festgel\u00f6tet,<br \/>\nund wie Metallfiguren eines Spiels, so gleiten sie voran,<br \/>\nund drehen automatisch nur den Kopf: wie abget\u00f6tet<br \/>\nscheint da der Lebenswille, doch es gibt den Plan,<br \/>\nschnell anzukommen irgendwo, und jede St\u00f6rung st\u00f6rt,<br \/>\nder vorn f\u00e4hrt bl\u00f6d, die Ampelschaltung ist verzerrt,<br \/>\nso viele Radler, ist das Veteranentreffen, wie man h\u00f6rt,<br \/>\nzum Gl\u00fcck hat man die Stra\u00dfe ihnen nicht gesperrt.<\/p>\n<p>\u201eDie Autos d\u00fcrfen immer fahren, um die Uhr,<br \/>\nda vorn geht\u2019s Richtung Bahnhof, und rechts l\u00e4uft die Spur!\u201c<br \/>\nClaude ist begeistert, hinter ihm sind hundert Radler,<br \/>\nund einer nach dem andern biegt nun keck ums Eck,<br \/>\nst\u00f6\u00dft und st\u00fcrzt sich in die Gasse, als w\u00e4ren alle Adler,<br \/>\ndie Beute jagen, nur nicht die Dreir\u00e4der, die kommen kaum vom Fleck.<\/p>\n<p>Nun schlie\u00dfen alle wieder auf, da die ersten auf die Bremse treten.<br \/>\nDie Bahnhofstra\u00dfe ist zwar klein, doch v\u00f6llig frei, bis auf geparkte Wagen.<br \/>\n\u201eDas kommt ja gut\u201c, so freut sich Claude, \u201ewir m\u00fcssen nicht mehr beten.\u201c<br \/>\nVon hinten klappert\u2019s, pfeifts, man h\u00f6rt viel Stimmen und auch manche fragen,<br \/>\nob denn der Weg auch stimmt. Rechts schlagen V\u00f6gel an und keckern,<br \/>\nda ist ein Zaun mit Dickicht, und dahinter sieht man doch \u2026 Flamingos!<br \/>\n\u201eMein Arsch tut weh!\u201c h\u00f6rt man Louis Dreher meckern,<br \/>\ndoch keiner reagiert, denn alle schauen rechts, und manche sehen Dingos,<br \/>\nund K\u00e4nguruhs und Antilopen und auch Krokodile,<br \/>\nvielleicht Restalkohol? \u201eDer Zoo\u201c, sagt W\u00e4lti, \u201ehurensch\u00f6n!\u201c<br \/>\n\u201eWir sind ja auch ein Zoo, bewegt, mit einem Schloss als Ziele\u201c,<br \/>\nbemerkt die Anne Savognin, \u201ebegleitet von dem Tiergest\u00f6hn.\u201c<br \/>\nEs riecht auch streng nach wilden Tieren, und ein L\u00f6we br\u00fcllt.<br \/>\nDie Kinder jubeln. Am liebsten w\u00fcrden sie abzweigen.<br \/>\nNichts da. Ein Polizist zeigt links, die n\u00e4chste Stra\u00dfe sich enth\u00fcllt<br \/>\nUnd weiter n\u00f6rdlich schleppt sich hin der Radlerreigen,<br \/>\nden auch Passanten mit genug Applaus bedenken.<\/p>\n<p>\u201eOh la la, c\u2019est le v\u00e9lo!\u201d ruft ganz begeistert ein Franzose,<br \/>\nein Russe keucht \u201ewelosip\u00e4d!\u201c, und Fahrer und Fahrerinnen lenken<br \/>\nund winken zu den Seiten, Elsbeth kriegt auch eine Rose<br \/>\nvon einem Karlsruher Rentner. Weiter auf der Ritterstra\u00dfe,<br \/>\n\u201enun noch ein Kilometer!\u201c ruft freudig ihnen nun ein Wachmann zu.<br \/>\n\u00dcber die Trasse der Stra\u00dfenbahn klappert und schleift die Fahrradblase,<br \/>\ndie Bibliothek des Landes, Sankt Stephan, und \u201ejuhuu!\u201c<br \/>\nentf\u00e4hrt es allen Appenzellern an der Spitze, das macht Spa\u00df,<br \/>\nBankhof und dann \u00fcber den Zirkel, hinter ihnen nichts als R\u00e4der<br \/>\nIn dieser Stadt, wo Drais das Fahrrad schuf, das ist doch was!<br \/>\nBegeisterung. Der Peter schleudert seinen Hut, und sp\u00e4ter,<br \/>\nhinter ihnen, treibt Vaclav Terezin, uniformiert, sein Laufrad an,<\/p>\n<p>P\u00e5l Janssen mit dem Minirad wird sehr belacht,<br \/>\nWunder, Teagarden, Wouters, Bykow stehen ihren Mann<br \/>\nUnd dann die Hochradtruppe: die beiden Bayern in der Tracht,<br \/>\nWanton und drei andere Kanadier, Loggle, dieser Feuerkopf,<br \/>\nSandor Derty, Pierre Latigue, wie edel sie da paradieren!<br \/>\nAlma von Blankenhorn tr\u00e4gt schrilles Blau und einen Zopf,<br \/>\ndie Leute klatschen laut, scheinen sich sehr zu am\u00fcsieren.<\/p>\n<p>Nun gilt es, eine Kurve zu vollf\u00fchren zwischen hohen Bauten<br \/>\nNach rechts, nur hundert Meter, und schon sieht man links das Schloss.<br \/>\nDoch nun ist eine L\u00fccke da, die Appenzeller sehen die gestauten<br \/>\nund die blockierten Hinterleute, leicht zerrissen ist der Tross.<br \/>\nSascha Karmann ist an Jacques Dutronc geraten, alles verkeilt,<br \/>\nder alte Wunder ist von hinten draufgeprallt, und Natalie Petit<br \/>\nmacht es ihm nach. Die Truppe rings herum macht Platz, verteilt<br \/>\nsich, kriecht vorbei an dem Salat, ganz langsam, wie im Schritt.<\/p>\n<p>\u201eDas ist wie das \u2015 nicht ganz gelungene \u2015 Man\u00f6ver einer Truppe!\u201c<br \/>\nStaunt eine Touristin aus Italien und macht viele Bilder.<br \/>\nDie Soldateska findet sich wieder zusammen und macht halt,<br \/>\nin der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone, Blick aufs Schloss; da sind auch Schilder,<br \/>\nmit Aufschriften von Philosophen, von K\u00fcnstlern draufgemalt.<br \/>\nNun k\u00f6nnen alle Atem sch\u00f6pfen, sich ein L\u00e4cheln schenken<br \/>\nund die Aufstellung verbessern. Doch, wo ist denn Gruppe drei?<br \/>\nMan schaut sich um. Sie werden gleich einschwenken.<br \/>\nVielleicht wei\u00df was der Mann da vorn, der von der Polizei?<br \/>\nEr holt sein Funkger\u00e4t und spricht sehr laut hinein.<br \/>\n\u201eKommen von Osten, sind noch nicht am Hauptbahnhof vorbei.\u201c<br \/>\nDer Pr\u00e4sident steht da: \u201eDie Nachz\u00fcgler, die Penner, nein,<br \/>\ndie B\u00fcrgermeisterin muss warten, geht nicht ohne die Gruppe drei.\u201c<br \/>\nZum Gl\u00fcck erscheint ein junger Pressereferent<br \/>\nUnd stellt sich vor und spricht ein wenig \u00fcber seine Stadt<br \/>\nauf deutsch, w\u00e4hrend sie warten, und man \u00fcbersetzt behend,<br \/>\nalles sind still, und das ist, was man erfahren tat.<\/p>\n<p><em>Das erfahren wir dann morgen in Teil sieben.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karlsruhe; der zweite Tag hebt an. Mit sechs neuen Folgen kommen wir durch bis Seite 80. 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