{"id":13237,"date":"2017-05-25T01:08:36","date_gmt":"2017-05-25T00:08:36","guid":{"rendered":"http:\/\/manipogo.de\/?p=13237"},"modified":"2024-11-11T22:04:50","modified_gmt":"2024-11-11T21:04:50","slug":"das-jahrhundertrennen-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/manipogo.de\/?p=13237","title":{"rendered":"Das Jahrhundertrennen (8)"},"content":{"rendered":"<p>Zum ersten Mal wird von Geistern gesprochen. Und am Ende dieses Abschnitts gehen Rudi und Sue noch gemeinsam zum Hauptfriedhof, darum ist das ganz sch\u00f6n lang. Die Gespr\u00e4che zwischen beiden sind immer lehrreich und unterhaltsam. Schauen wir weiter. <!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Geister<\/em><\/p>\n<p>Die B\u00fcrgermeisterin geht ab. Von links kommt eine neue Stimme, laut.<br \/>\n\u201eK\u00f6nnt bitte ihr noch einmal stehenbleiben, zehn Minuten?\u201c<br \/>\nRudi ist es, muss was tun, die Truppe hat das von vorhin noch nicht verdaut.<br \/>\nEr sagt: \u201eDas wollten wir doch nicht, ihr k\u00f6nnt es schon vermuten.<br \/>\nIch wei\u00df, diese Skelett-Aff\u00e4re hat euch nicht erfreut.<br \/>\nDie Sache ist nun ausgestanden, und wir haben sie bereut.<br \/>\nDie Sache ist aber auch die: Hier neben mir ist die Miranda, kommt aus Portugal.<br \/>\nSie ist medial begabt, kann Geister sehn, und was sie sieht, ist ihr ne Qual.\u201c<br \/>\nDa steht sie neben Rudi, wei\u00df gekleidet, d\u00fcnn und mit verwirrtem Blick.<br \/>\nSie tut gleich allen leid, und Geister, hier, in ihrer Mitte,<br \/>\ndas wirkt verquer, doch neugierig sind alle, und ein Trick<br \/>\nwird es nicht sein, was sollt\u2018 es auch, soll sie doch schauen, bitte!<br \/>\n\u201eEin neues Defil\u00e9e\u201c, wirbt Rudi, \u201edanach geht es bestimmt zum Essen.<br \/>\nMiranda geht mit mir, und man kann wohl ermessen,<br \/>\nwas es bedeutet, wenn ein b\u00f6ser Geist sich h\u00e4ngt an so ein altes Rad,<br \/>\nvon dem er sich nicht trennen kann, nicht mal, wenn man ihn nett drum bat.\u201c<\/p>\n<p>Er legt den Arm um Miranda Graciosa de Campos, f\u00fchrt sie den Halbkreis entlang.<br \/>\nEs folgen ihnen Blicke aller Radler, bitterb\u00f6se aber ist der Blick von Sue,<br \/>\ndie findet, Rudi sei mit der Kollegin allzu freundlich, \u201eniemand zwang<br \/>\nihn, seinen Arm um sie zu legen. Ich wei\u00df nicht, was ich mit ihm tu!\u201c<br \/>\nDie beiden gehen, Miranda nimmt die Radler ins Visier,<br \/>\nschaut scheu, doch auch genau, und dann hebt sie die Hand<br \/>\nund deutet auf die zweite Reihe: \u201eJa, ich sehe hier,<br \/>\neine Gestalt, am Rahmen\u201c, fl\u00fcstert sie, \u201edorthin gebannt.\u201c<br \/>\nDer H\u00fcne Leszek mit dem alten Ogar-Rad wird sichtlich rot.<br \/>\n\u201eIch? Hier? An meinem Rad? Das w\u00e4r mir neu.<br \/>\nDer Vorbesitzer starb im Lager, armer Kerl, bei meiner Treu.<br \/>\nEr war Ukrainer, starb im Krieg, ist schon sehr lange tot.\u201c<br \/>\nSie gehen einfach weiter. Wieder bleibt sie stehn, wie angewurzelt.<br \/>\nDie erste Reihe: das alte G\u00f6ricke vom fast gleich alten Ernstl Wunder,<br \/>\ndem in dem ersten Schreck die M\u00fctze runterpurzelt.<br \/>\n\u201eIch h\u00f6r manchmal Ger\u00e4usche\u201c, sagt er, \u201eder alte Plunder,<br \/>\ner hat sein Eigenleben, denk ich, doch was \u2026 soll man tun?\u201c<br \/>\nDas n\u00e4chste Rad, das die Miranda zeigt, ist das von Cranston Loggle,<br \/>\ndem Hochradfahrer, der sie einfach ignoriert und nun<br \/>\nbreit und sp\u00f6ttisch lacht, der stolze unger\u00fchrte Gockel.<\/p>\n<p>Rudi ist mit seiner Seherin nun an der Truppe fast vorbei.<br \/>\nSie bleibt noch einmal stehn, sie deutet auf ein altes Rad, Peugeot,<br \/>\ndas der Kanadier Jock Hiller f\u00e4hrt; er stutzt und sagt \u201eOh my,<br \/>\nwie oft bin ich gest\u00fcrzt, ich wurde nicht mehr froh.<br \/>\nDer Vorbesitzer wurd nach einem Mord exekutiert.<br \/>\nIch h\u00f6rte manchmal Stimmen, hat mich doch sehr irritiert.\u201c<br \/>\nEs ist vor\u00fcber. Rudi sagt nun laut: \u201eMiranda meint, es w\u00e4re zu bedenken,<br \/>\nwie man die Geister exorziert, sie kann in andre Welten lenken.<br \/>\nEs ist ja ein Besuch am Grab von dem Erfinder Drais geplant,<br \/>\ndas w\u00e4re der perfekte Ort f\u00fcr die Zeremonie, wie man ja ahnt.\u201c<br \/>\nDer Monsignore hat sich auf dem Dreirad hergerollt.<br \/>\n\u201eDas ist ein Job f\u00fcr mich\u201c, sagt er ganz aufgeregt. \u201eRituale romanorum,<br \/>\ndas ist f\u00fcnfhundert Jahre alt, gemacht, dass jeder Geist sich trollt,<br \/>\num Mitternacht am Friedhof, ein paar Leute, ist das ideale Forum.\u201c<br \/>\nSue l\u00e4uft hinzu. \u201eDa muss ich sch\u00e4rfstens protestieren.<br \/>\nDas Ritual der Christen ist verfehlt und kann nicht imponieren.<br \/>\nWir auf Haiti kennen das Problem, wir k\u00f6nnen das beheben<br \/>\nMit bestem Resultat f\u00fcr dieses und das andre Leben.\u201c<br \/>\nRudi lacht. \u201eWir haben pl\u00f6tzlich eine Konkurrenz,<br \/>\nwie weiland zwischen Fahrrad und Mercedes-Benz!<br \/>\nEs bleibt noch Zeit, wir kl\u00e4ren das, die Leute wollen speisen,<br \/>\nund wie das mit den Geistern kommt, das wird sich bald erweisen!\u201c<\/p>\n<p>Da sind nun alle froh. Die R\u00e4der werden aneinander angelehnt,<br \/>\nund sieben Polizisten passen auf, dass sie dort unbehelligt bleiben.<br \/>\nDie Menge unsrer Radler str\u00f6mt, nein tr\u00f6pfelt hin zum Schloss, sie sehnt<br \/>\nsich nach dem Essen, das \u00fcbersinnliche und fremde Treiben<br \/>\nhat sie ersch\u00f6pft, und nach dem vielen Stehn und Lauschen will man Ruhe mal.<br \/>\nGrad hoch die Dutzend Stufen einer Treppe, wo h\u00e4ngt ein Schild:<br \/>\n\u201eRadfahrverein, zum Essen rechts, zum Speisesaal.\u201c<br \/>\nDie Glast\u00fcren, sie stehen offen, dahinter Spiegel, L\u00fcster, sch\u00f6nes Bild.<\/p>\n<p>Miranda sieht den Rudi an und h\u00e4lt sich an ihm fest.<br \/>\n\u201eDas war anstrengend, und eins gab mir ja fast den Rest.<br \/>\nW\u00e4hrend ich die Geister sah, fuhr auf dem Rennrad ein Pirat,<br \/>\nmit Haube und auch Schwert herum; dass ihr ihn gar nicht saht?<br \/>\nHin und her fuhr er und sagte in mir drin, als h\u00e4tt ich es gedacht,<br \/>\ndie Worte: Bald sehn wir uns, am Friedhof und um Mitternacht \u2015<br \/>\nIch bringe alle meine Freunde mit \u2015<br \/>\nEs wird uns eine H\u00f6llenfahrt, ein Teufelsritt \u2015<br \/>\nWir r\u00fcsten bald zur Geisterschlacht.\u2018<br \/>\nDazu hat er jedoch recht laut gelacht.<br \/>\nEr nennt sich Marco, meint, dass ihr ihn kennt.<br \/>\nDass niemand seinen Namen ohne gro\u00dfe Achtung nennt.\u201c<\/p>\n<p>Steisbein geht grad vorbei, l\u00e4sst ein paar Worte fallen.<br \/>\n\u201eRudi, ich h\u00f6re grade \u201aMarco\u2018 \u2026 stimmt: dort hinten, hinter allen,<br \/>\nda fuhr er auf und ab; schon gestern war er mir sehr nah.<br \/>\nEr hilft euch, da ist Kraft, ruft ihn nur an, dann ist er da!\u201c<br \/>\nWieder treffen von Vorbeigehenden b\u00f6se Blicke Rudi,<br \/>\nein Deutscher sagt ihm hart \u201eMorgen beim Rennen wirst du nie<br \/>\ndabeisein, denn daf\u00fcr sorge ich, bei der Versammlung im Verein.<br \/>\nDu bist dann unerw\u00fcnscht, wir machen dich schon klein!\u201c<br \/>\nRudi l\u00e4chelt. \u201eAch, verpiss dich doch; ich schei\u00df auf den Verein.<br \/>\nWer klein ist, der bist du: Wie kann man nur so kleinlich sein?\u201c<br \/>\nZwei starke Appenzeller treten auf und f\u00fchrn den Deutschen ab.<br \/>\nNur und Bellaire gehn mit Miranda weg, Sue dr\u00e4ngt den Rudi ab.<br \/>\n\u201eHast dich ja r\u00fchrend der Miranda angenommen,<br \/>\nwie ein Papa, wie einer von den p\u00e4pstlich Frommen.<br \/>\nIch h\u00e4tte Lust, sogleich dich in ein Schweinchen zu verwandeln.<br \/>\nWie f\u00e4hrst du dann das Rennen \u2015 oder willst du nun verhandeln?\u201c<br \/>\n\u201eAch Sue, Miranda ist doch traurig, und sie leidet sehr.<br \/>\nEin Kunde, dem der Tod droht, und die Geister machen ihr das Leben schwer.<br \/>\nVerzeih, ich wollt ihr St\u00fctze sein, ihr Kraft verleihn.<br \/>\nHilflose sch\u00f6ne Fraun, du wei\u00dft, die machen uns stets klein.<br \/>\nIch will doch keine Portugiesin, keine Russin, keine Britin,<br \/>\ndu, die Zauberin, die Sch\u00f6nste aller, bist doch meine Favoritin!\u201c<br \/>\n\u201eCharmeur!\u201c grollt Sue. \u201eIch glaube dir und bin vers\u00f6hnt.<br \/>\nAch, bin ich dumm. Von Liebe leider nicht verw\u00f6hnt.<br \/>\nH\u00e4tt diesen blonden Radler mit den gro\u00dfen Worten ich doch nicht getroffen!<br \/>\nDann k\u00f6nnt ich diese Nacht gut schlafen, friedlich und besoffen.\u201c<br \/>\nSie k\u00fcssen sich. Und wie! Vers\u00f6hnung ist der Sinn von Streit<br \/>\nUnd heizt eine Beziehung an. Es flackert auf die Wut,<br \/>\ndie Auseinandersetzung, t\u00e4tlich, ist nicht weit,<br \/>\nund doch wird manche Wut, wenn beide sich noch lieben, auch zu Liebesglut,<br \/>\ndie nun jedoch verdr\u00e4ngt muss werden, denn es ist Essenszeit.<\/p>\n<p>Erst nimmt ein Polizist den Rudi noch beiseite und erkl\u00e4rt:<br \/>\n\u201eWir pr\u00fcfen das erst nach, ein Wagen ist grad unterwegs zum See.<br \/>\nWir nehmen Aussagen von Zeugen auf, und je nachdem, was die Streife erf\u00e4hrt,<br \/>\nkann wohl ein Verh\u00f6r n\u00f6tig werden, Sie halten sich bereit, okay?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Radlerspeisung<\/em><\/p>\n<p>Dann hoch zum Schloss. Es erklingt fr\u00f6hlich ein Akkordeon.<br \/>\nGottlieb Stellmach steht dort auf der Treppe und spielt unverdrossen<br \/>\ndeutsches Liedgut, Polon\u00e4sen, Walzer, stets mit hellem Ton<br \/>\nund sich leicht wiegend, hat die Augen hingebend geschlossen.<br \/>\nAls Sue und Rudi ihn passieren, murmelt er, sehr gut verst\u00e4ndlich:<br \/>\n\u201eDies indische Geklimper war ja nicht mehr zu ertragen.<br \/>\nWir sind doch nicht in Bombay, begreift das endlich!\u201c<br \/>\nRudi lacht. \u201eWir sind wohl auch nicht in Kalkutta,<br \/>\nsondern in Karlsruhe, nah bei Mutta.\u201c<\/p>\n<p>Die Tische sind in Wei\u00df gedeckt, umzingelt von graubraunen St\u00fchlen.<br \/>\nEs biegt sich das Buffet, die L\u00fcster glitzern, Spiegel gl\u00e4nzen.<br \/>\nDie Radfahrer ergie\u00dfen sich in diesen Saal, den k\u00fchlen,<br \/>\nund junge Frauen ihnen den Willkommensdrink kredenzen.<\/p>\n<p>Ein Summen h\u00e4ngt \u00fcber dem Saal. \u201eZu Ehren unsres stolzen Drais\u201c,<br \/>\nsagt Steisbein bald an einem Ecktisch, mit Bellaire und Nur.<br \/>\n\u201eUnd auch zu Ehren Marcos\u201c, f\u00fcgt der Rudi an, holt sich nen Stuhl und setzt sich leis<br \/>\nmit Sue an deren Tisch. \u201eWie gro\u00dfartig!\u201c sagt Steisbein. \u201eZur Natur<br \/>\ngeh\u00f6ren unsichtbare Reiche auch, wie ich in meinem langen Leben oft erfuhr.<br \/>\nIch m\u00f6chte euch begleiten heute Nacht<br \/>\nZu eurer legend\u00e4ren Geisterschlacht.\u201c<br \/>\nAm Tische nebenan, da tafeln Leszek, Loggle, Hiller, Wunder,<br \/>\ndie r\u00fchrend k\u00fcmmern sich um Frau Miranda, die zwar<br \/>\nfranz\u00f6sisch spricht, doch etwas englisch kann, ein Wunder,<br \/>\nund dann erschreckt, als sie Teagarden sieht, der wartet an der Bar.<br \/>\nKarl-Heinz Steisbein hat mittlerweile eine Flasche roten Wein<br \/>\ngebracht, entkorkt sie, und gie\u00dft nun den Inhalt aus<br \/>\nbei ihnen und auch in die Gl\u00e4ser dort am Nebentisch. \u201eStimmt ein<br \/>\nMit mir,\u201c sagt er, im Steh\u2018n, \u201edie Flasche geht aufs Haus!<br \/>\nDie Geister sind nicht b\u00f6se, sind blo\u00df arme, unzufriedne Seelen.<br \/>\nEs macht ihnen nicht Spa\u00df, die Menschen hier zu qu\u00e4len.<br \/>\nSie haben ihren Weg ins Licht vers\u00e4umt; sie reinzuschicken, ist nur gut.<br \/>\nWir retten sie und uns, und damit \u2015Prost und ruhig Blut!\u201c<\/p>\n<p>Weit hinten in einer entfernten Ecke, verdoppelt von zwei Spiegeln<br \/>\nIst es bunt und auch bewegt. Nur steht auf und winkt hin\u00fcber.<br \/>\nDie Helden ferner Kontinente wirken dort wie abgeriegelt<br \/>\nVon hundert andern Essern, drum stehn sie auf und stehen dr\u00fcber.<br \/>\nAn einem Tisch die Raga-Meister Ram, Sapad und Har<br \/>\nneben Mahmud und Steve, flankiert vom Russen Wladimir,<br \/>\nMahindi, Hassan und Chatur, und offenbar<br \/>\nvermissen sie Bellaire und Nur und woll\u2019n sie hier.<br \/>\nNur sch\u00fcttelt ihren Kopf, Bellaire macht eine Geste mit der Hand.<br \/>\nHei\u00dft: sp\u00e4ter, erst wir hier sind; essen, habt Geduld.<br \/>\nDann geht sie los, durchquert das ganze Speiseland<br \/>\nUnd plaudert dort, schenkt andern M\u00e4nnern ihre Huld.<\/p>\n<p>Rudi und Karl-Heinz gehn zum Bufett, um Essen beizubringen.<br \/>\nDie Schlangen \u00fcberall sind lang. Die anderen machen beiden Platz.<br \/>\nDoch will manchem verbohrten Veteran es nicht gelingen,<br \/>\nSteisbein und Rudi zuzunicken, zuzul\u00e4cheln, ihnen sagen einen Satz.<br \/>\nDie Frauen, die sind anders! Elsbeth grinst und sagt: \u201eDie Geister<br \/>\nBei uns im Appenzellischen sind gleichfalls klebrig fast wie Kleister.<br \/>\nSie heften sich schon mal an H\u00e4user, oft an Leute,<br \/>\nEs ist mir neu, dass sie an R\u00e4dern kleben, wie wir erfuhren heute!\u201c<br \/>\nAlma von Blankenhorn erz\u00e4hlt, sie kenne wohl Geschichten<br \/>\naus englischen B\u00fcchern der Parapsychologie, und Jock<br \/>\naus Kanada wusste ihr letztes Jahr wohl zu berichten,<br \/>\ner habe an dem eignen Rad nen Geist gesehen, das war ein Schock!<br \/>\nAnne Savognin reiht sich ein, sie sieht das soziologisch.<br \/>\n\u201eDer Ahnenkult war immer gro\u00df, man sucht\u2018 im Unsichtbaren<br \/>\nErkl\u00e4rung f\u00fcr das, was man nicht begriff, das ist doch logisch.<br \/>\nDer Mensch ist doch irrational, Opfer des Wunderbaren.\u201c<\/p>\n<p>Dann sind sie vorgedrungen zu den Wundern der badischen K\u00fcche:<br \/>\nSch\u00e4ufele und Sauerkraut, mit Kn\u00f6pfle, Sp\u00e4tzle und Salaten;<br \/>\nes wabern appetit-treibend herum die artigsten Ger\u00fcche<br \/>\nnach rotem Kohl, Gr\u00fcnkohl, nach Brokkoli und Rinderbraten.<br \/>\nDa gibt es Wurst im Weck, Haxe vom Schwein und Schinken satt,<br \/>\nPommes frites, H\u00e4ufen von Gnocchi und Kartoffelstock,<br \/>\nPasta mit Pesto, \u201ePesce\u201c mit Polenta, Pizza mit Rucolablatt,<br \/>\nForelle M\u00fcllerin, Forelle blau, und W\u00fcrstchen im Schlafrock.<\/p>\n<p>P\u00e5l Janssens Augen leuchten, und er streicht sich den Wikingerbart.<br \/>\n\u201eDas ist was andres als der Geitost, Ziegenk\u00e4se, den ich t\u00e4glich kauf\u2018,<br \/>\nund den Norwegerlachs geb ich her f\u00fcr diese Speisen, o wie zart!\u201c<br \/>\n\u201eMacht Platz dem P\u00e5l!\u201c ruft Rudi, \u201esonst frisst er uns gleich auf!\u201c<br \/>\nDie Raga-Meister sind mit leerem Teller da vor Ort und fragen:<br \/>\n\u201eWo ist Reis? Und wo ist Huhn?\u201c Von Reis kein Korn,<br \/>\nvon Huhn kein Kn\u00f6chelchen, niemand kann ihnen sagen,<br \/>\nW\u00e4lti r\u00e4t: \u201eWar das nicht Kous-Kous rechts da vorn?\u201c<\/p>\n<p>Man zieht dann ab, den Teller t\u00fcchtig aufgeh\u00e4uft,<br \/>\ndass man ihn achtsam vor den andern wegbalancieren muss<br \/>\nbis hin zum Platz. Und dann tritt Stille ein, niemand mehr l\u00e4uft.<br \/>\nDas Klappern von Bestecken. Kauen, Schmatzen. Der Genuss.<\/p>\n<p>Der irgendwann mal enden muss.<br \/>\nDer Sturm nun zum Dessert. Eisbombe, Apfelkuchen,<br \/>\nTiramisu, Cr\u00e8me Caramel, F\u00fcrst P\u00fcckler, Mousse<br \/>\nau Chocolat, Schwarzw\u00e4lder Kirsch kann man versuchen.<br \/>\nKaffee? Nat\u00fcrlich, einen kleinen Espresso,<br \/>\ner m\u00f6glich auch mit einem Schuss.<br \/>\nUnd immer m\u00f6glich ist der Sahne-Cappuccino<br \/>\nOder gleich Grappa? Einen Kirsch? Mit einem Negerkuss?<\/p>\n<p>Mahindi, dessen Haut sehr dunkel ist, bekommt die Leckerei.<br \/>\nBellaire setzt sie ihm hin. Und er verschlingt das schaumige Geb\u00e4ck,<br \/>\nund rei\u00dft die Augen auf: \u201eDelicious, like a Mumbai pie!\u201c<br \/>\nDas war\u2019s mit seinem Kuss, denn Bellaire ist schon wieder weg.<br \/>\nSie legt auch Karl-Heinz Steisbein einen hin, sie findet ihn charmant,<br \/>\nihn, der nach Kr\u00e4ften um die junge Frau sich hat bem\u00fcht,<br \/>\nnun seinen s\u00fc\u00dfen Kuss verschlingt und sagt: \u201eEin Unterpfand<br \/>\nf\u00fcr einen echten Negerkuss!\u201c Er kriegt ihn. Auf den Mund. Ergl\u00fcht.<br \/>\nGewandt zu Rudi, sagt er: \u201eAch, dass ich sowas darf erleben.<br \/>\nMan sieht sie mir nicht an, meine zweihundertnochwas Jahre Leben,<br \/>\nMehr als ein Jahrhundert hab ich sowas nicht gef\u00fchlt.<br \/>\nNur wird\u2019s mit der Potenz allm\u00e4hlich schwierig, ist leicht abgek\u00fchlt.\u201c<br \/>\n\u201eMaestro\u201c, erwidert Rudi, \u201eSie wirken wie mein gr\u00f6\u00dfrer Bruder.<br \/>\nErwarten wir die Nacht, und mancher steht dann auf, l\u00e4uft aus dem Ruder.<br \/>\nDie Leistungen, die wir uns abverlangen, k\u00f6nnen rasch erwachen,<br \/>\ndenn zwei Glas Badenwein k\u00f6nnen viel Glut entfachen.\u201c<br \/>\nSie sto\u00dfen an. \u201eJean Paul, der h\u00e4tte dir gefallen\u201c,<br \/>\nsagt Steisbein, neigt sich zu Bellaire. \u201eNoch einen letzten, hier, vor allen!\u201c<br \/>\nEr kriegt den Kuss. Und k\u00fcsst zur\u00fcck, um sich recht artig zu bedanken.<br \/>\n\u201eAch ja, Jean Paul. Trank aber Bier, das literweis: das gute Bier aus Franken.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Pause <\/em><\/p>\n<p>Die Stimmen im dem Saal werden allm\u00e4hlich schw\u00e4cher.<br \/>\nDie Teller sind fast alle leer, die Radler haben sich zur\u00fcckgelehnt.<br \/>\nDen letzten Schnaps leeren die letzten Mittagszecher.<br \/>\nNun w\u00e4r ein Schl\u00e4fchen recht, im Schlosspark, gern auch ausgedehnt.<br \/>\nDer Pr\u00e4sident steht auf und sagt: \u201eDank an die Organisatoren<br \/>\nF\u00fcr dieses Mahl. Pomp\u00f6s! Grandios! Wir haben auserkoren<br \/>\naus all den Musentempeln dieser Stadt grad vier Museen.<br \/>\nWelche sie sind, k\u00f6nnt aus den Listen ihr ersehen,<br \/>\ndie liegen am Bankett. Tragt euch doch bitte sorgsam ein.<br \/>\nDann ruht gern eine Weile. Zu der Bildung Schrein<br \/>\ngeht es erst sp\u00e4ter, in dann vier Gruppen und exakt um vier.<br \/>\nAuf jede Liste passen vierzig, tragt euch ein, allhier!<br \/>\nMuseum eins, das Zet-Ka-Emm f\u00fcr Medientechnologie,<br \/>\nMuseum zwei ist hier, die badische Geschichte, sie veraltet nie.<br \/>\nDie drei entf\u00e4llt auf das Verkehrsmuseum, unsre Sparte,<br \/>\nin der man Autos und auch R\u00e4der sieht und wo ich auch erwarte<br \/>\ndie leitenden Mitglieder unsres Vereins. Wer Tote gerne ehrt,<br \/>\nkann auch zum Hauptfriedhof . Ich f\u00e4nd es nicht verkehrt,<br \/>\nwenn eine Abordnung von uns sich neigte vor Herrn Drais,<br \/>\ndem Laufger\u00e4t-Erfinder, ihm schenkte Achtung und auch Preis.<br \/>\nDer Friedhof d\u00fcrfte offen sein, denk ich, bis Sonnenuntergang,<br \/>\nWer ein Museum aufsucht, hat drum hinterher noch Zeit, sehr lang,<br \/>\nvorm Abendessen unserm Drais einen Besuch dort abzustatten,<br \/>\nda nun, im Juni, unser Sonnenuntergang geht sp\u00e4t vonstatten.\u201c<\/p>\n<p>Er setzt sich. Und wieder bilden sich \u2013 leicht schl\u00e4frig \u2013 Schlangen,<br \/>\nvor den vier Listen am Bankett, man schreibt hin seinen Namen,<br \/>\ndas dauert seine Zeit, bis alle, sachte trottend, hingelangen<br \/>\nund sich entscheiden, doch vergessen sind nun alle Dramen.<br \/>\nDie Teilnehmer am bunten Tisch, die Fahrer fremder Kontinente, sie sind ratlos:<br \/>\nGeh\u00f6ren sie dazu? Wie werden diesen Nachmittag verbringen sie?<br \/>\nSue geht zu ihnen, sagt: \u201eIhr bindet wie die anderen um vier Uhr euer Rad los<br \/>\nUnd folgt dem Schild mit \u201eFriedhof\u201c, da gibt\u2018s eine Zeremonie,<br \/>\nda d\u00fcrft ihr doch nicht fehlen. Die Sammlungen in den Museen<br \/>\nsind deutsch erkl\u00e4rt, darum nicht einfach zu verstehen.<br \/>\nWir bleiben doch im Freien, lassen diese Welt uns etwas lehren,<br \/>\nund widmen unsre Zeit dem Friedhof, Carl Freiherr von Drais zu Ehren.\u201c<\/p>\n<p>Der Pr\u00e4sident verk\u00fcndet bald: \u201eDie Eintragung ist nun geschlossen.<br \/>\nEs merkt sich jeder das Museum, f\u00fcr das er sich entschlossen<br \/>\nund geht um vier zum jeweiligen Schild. Ein F\u00fchrer bringt euch hin.<br \/>\nIch sehe mit Freude: Disziplin. Die Zahlen stimmen. Es hat alles Sinn.\u201c<br \/>\nZerstreuter Beifall. Die satten Radler trotten schl\u00e4frig raus<br \/>\nUnd gehen die Treppe runter, suchen sich gleich einen netten Platz<br \/>\nIm Schlosspark, und im Schatten, und schlafen sich erst einmal aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Rudi und Sue<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und Rudi sagt zu Sue nur einen Satz:<br \/>\n\u201eDu wusstest gleich: der Friedhof, wir k\u00f6nnen uns ja dort hinlegen.\u201c<br \/>\nW\u00e4hrend nun alle sorgsam sich zur vorl\u00e4ufigen Mittags-Ruhe betten,<br \/>\nsucht Rudi auf dem Stadtplan, wo man die, die ihrer letzten Ruhe pflegen,<br \/>\nfindet, und sieht: Im Osten liegen ihre steinernen geschm\u00fcckten Ruhebetten.<br \/>\nDen Sarg l\u00e4sst Sue einfach stehen, begn\u00fcgt sich mit ihrem rosa Damenrad.<br \/>\nRudi besteigt die Stella Veneta, die Gute, und f\u00e4hrt Sue voran.<br \/>\nSie radeln um den Park herum, folgen der Engesserstra\u00dfe Pfad<br \/>\nzum Adenauerring, ein Kilometer. Rechts, und sofort links dann,<br \/>\nKarl-Wilhelm-Stra\u00dfe, Haid-und-Neu-Stra\u00dfe , nur noch ein kleiner Rest<br \/>\nvon einem knappen Kilometer. Links Bauten, eine Mauer, ein Portal:<br \/>\nder Hauptfriedhof. Am gro\u00dfen Eingang machen sie die R\u00e4der fest.<br \/>\n\u201eDa w\u00e4ren wir, mein Schatz. Die Toten ruhn. Wir tun es auch, zwei Stunden mal.<br \/>\nAch, halt, wir fragen noch, wo steht die Draissche Stele,<br \/>\ndamit man nicht den Weg verfehle.\u201c<\/p>\n<p>Da ist schon die \u201eFriedhofsverwaltung\u201c, da ist leicht einzutreten.<br \/>\nDavor ein eleganter schwarzer oberbequemer Cruiser lehnt,<br \/>\nmit einem schwarzen Helm auf seinem Sattel. Totenk\u00f6pfe aller Art<br \/>\nh\u00e4ngen am Lenker. \u201eScheint mir ein Kollege\u201c, sagt Sue leicht gedehnt.<br \/>\nSie treten ein. Ein Tresen. Und ein Mann, mit wei\u00dfem Vollbart.<br \/>\n\u201eEntschuldigung, die Statue f\u00fcr Drais, wo ist die denn zu finden?\u201c<br \/>\nDer Mann im schwarzen Anzug meint: \u201eAh, viele suchen das.<br \/>\nHier ist ein Plan mit Kreuzchen, auf den Weg, viel Spa\u00df.<br \/>\nDie Stele auf Quadrat f\u00fcnf A wird nicht so schnell verschwinden.\u201c<\/p>\n<p>Er schiebt den Zettel r\u00fcber, fasst Sue in den Blick<br \/>\nund z\u00f6gert leicht. Er sagt: \u201cNun seh ich euch, ich wei\u00df.<br \/>\nIhr seid erw\u00e4hlt, euch sandte das Geschick,<br \/>\ndas mit nem Flash mir gab den \u00dcberblick.<br \/>\nIhr habt Bedeutung f\u00fcr Karlsruhe und f\u00fcr Drais.\u201c<br \/>\nEr sagt zu Sue: \u201eMan nennt mich Pluto, Kenner der Mythologie<br \/>\nSind nicht erstaunt. Ein Pseudonym. Der Chef der Unterwelt,<br \/>\nvon Zeus \u2015 wie von der Stadtverwaltung ich \u2015 bestellt.<br \/>\nIch wuchs hier auf und hab mich fortbeweget nie<br \/>\nvon hier. Mein Vater tat den Job, und ich bereits in jungen<br \/>\nJahren beschloss, ihm eines Tags es gleichzutun.<br \/>\nEin Job mit Zukunft! Ich werde hier auch einmal ruhn,<br \/>\nhab mir ein sch\u00f6nes Grab am H\u00fcgel ausbedungen.\u201c<\/p>\n<p>Rudi nickt. \u201eWir danken sehr. Froh, Sie gekannt zu haben.\u201c<br \/>\nSue erg\u00e4nzt: \u201eMit Ihnen sei die Kraft. Baron Simitj\u00e9 wird Sie sch\u00e4tzen.\u201c<br \/>\nPluto erstarrt. Sein Blick wird leer. \u201eIch wei\u00df euer Vorhaben.\u201c<br \/>\nDie Stimme klingt nun anders. \u201eJedoch braucht ihr vom Jenseits gute Gaben.<br \/>\nEs ist sehr wichtig, keinen Geist je zu verletzen.<br \/>\nIch neige mich, kommt gegen acht zur Innenstadt, zum Club Caribic.<br \/>\nSimitj\u00e9 sagt mir, dass die hohe Ordnung euer Planen unterst\u00fctzt.<br \/>\nIhr werdet Hilfe haben\u201c, sagt er und verneigt sich. \u201eWas ihr tut, das n\u00fctzt.<br \/>\nPluto gibt euch Zugang, ihr seid frei, k\u00f6nnt handeln, ganz beliebig.\u201c<\/p>\n<p>Rudi und Sue verlassen leicht verst\u00f6rt die R\u00e4ume.<br \/>\nMan wei\u00df es h\u00f6hern Orts, Sue dr\u00fcckt ihm leicht die Hand.<br \/>\n\u201eWir suchen uns ein Mausoleum, haben da sch\u00f6ne Tr\u00e4ume.<br \/>\nUnd dann um Mitternacht betreten wir das Geisterland.\u201c<\/p>\n<p>Erst jedoch betreten sie die Totenzone, auf breiten, ebnen Wegen.<br \/>\nDer Hauptfriedhof ist gro\u00df. Die Welt der Toten hat scheinbar kein Ende.<br \/>\nMan geht nach rechts, nach links, sieht hier ein Grabmal, dort, entlegen,<br \/>\ndie Ecke mit den Weltkriegsgr\u00e4bern, ferner Kindergr\u00e4ber, Urnenw\u00e4nde,<br \/>\nniedriges Geh\u00f6lz vor leeren Wiesenfl\u00e4chen, da und dort erglimmt<br \/>\nein rotes Lichtlein, das jemand auf dem Grab f\u00fcr eine arme Seele hat entz\u00fcndet,<br \/>\nund diese Treue einen traurig und gleichzeitig fr\u00f6hlich stimmt,<br \/>\nda es von Andenken und Hoffung auf die Auferstehung k\u00fcndet.<br \/>\n\u201eDen Glauben an das ewige Leben haben wir ja auch\u201c,<br \/>\nsagt Sue, \u201eund dann Anfang November ist das Totenfest, ein sch\u00f6ner Brauch.\u201c<br \/>\nSie gehen Arm in Arm so planlos weiter, suchen eine Ruhest\u00e4tte<br \/>\nnicht f\u00fcr die Ewigkeit, nur f\u00fcr ein paar Stunden.<br \/>\n\u201eWenn man ein schickes Mausoleum h\u00e4tte\u201c,<br \/>\nsagt Rudi, \u201ek\u00f6nnten wir schlafen\u201c, sagt er unumwunden.<br \/>\nEine alte Frau im grauen Mantel kommt ihnen entgegen.<br \/>\nSie l\u00fcftet ihren schwarzen Hut und l\u00e4chelt unergr\u00fcndlich.<br \/>\n\u201eEntschuldigung\u201c, sagt Rudi, und verwegen<br \/>\nfragt er: \u201eWo kann man sich denn ausruhn, nicht so gr\u00fcndlich<br \/>\nwie die Verstorbenen, nur f\u00fcr eine kurze Zeit?\u201c<br \/>\n\u201eIch habe euch erwartet\u201c, sagt sie, \u201eund ihr seid genehm.<br \/>\nIhr ruht euch aus, ich kenne einen Ort, der ist bequem.<br \/>\nDas dritte Mausoleum hinter mir steht euch bereit.\u201c<br \/>\nDie beiden sind verbl\u00fcfft und folgen ihrem Vorschlag bald.<br \/>\nEs ist die Grabst\u00e4tte einer Familie des Adels, Krauss-Contini<br \/>\nSteht mit gro\u00dfen Lettern oberhalb des Eingangs. Drinnen ist es kalt,<br \/>\nes geht vier Stufen runter, flache Ruheb\u00e4nke, Kissen, die nie<br \/>\nvielleicht H\u00e4upter fanden, die auf ihnen ruhten. Das ist perfekt.<br \/>\n\u201eIch h\u00e4tte mir das nie getraut\u201c, sagt Rudi, \u201eman hat Piet\u00e4t.\u201c<br \/>\nEr legt sich hin, Sue kuschelt sich ihm an. \u201eEntdeckt\u201c,<br \/>\nsagt sie, \u201ehat das wohl diese Frau, die, wie man wohl err\u00e4t,<br \/>\nnicht war von dieser Welt. Sie will, dass ich dir hier berichte,<br \/>\nwas ich in Wahrheit treibe und was Voodoo ist, dessen Geschichte<br \/>\nin Afrika beginnt, wo man, um Sklaven zu bekommen, Menschen fing,<br \/>\ndie man ins mittlere Amerika verschiffte, um Hals und Kn\u00f6chel einen Eisenring.<br \/>\nDer Zauberglaube, den die Yoruba in Dahomey befolgten, war tief in ihnen drin<br \/>\nKam nach Dominikanien, Haiti, auch nach Ghana und Benin.<br \/>\nDas Christentum verfolgte grausam deren Priester, lie\u00df sie oft ermorden,<br \/>\nso gr\u00fcndete im Untergrund man die geheimen Voodoo-Orden.<br \/>\nUnd die vermischten sich mit Lehren des Katholizismus;<br \/>\nDrum liest man aus dem Voodoo fast wie aus dem Katechismus.<br \/>\nWir glauben an Bondy\u00e8, das allerh\u00f6chste Wesen,<br \/>\nund unsre Engel, Lua, sind uns das, was eure Heiligen gewesen.<br \/>\nWir glauben an ein Leben nach dem Tod, das den beg\u00fcnstigt, der das Gute tut.<br \/>\nWir haben Rituale, spenden Opfer und verzehren Fleisch und Blut.<br \/>\nDer Glaube ist fast gleichbedeutend mit dem Heilen,<br \/>\nmit Hilfe f\u00fcreinander, mit dem Teilen<br \/>\nder G\u00fcter. Ist unser Dasein nicht ein schwerer Gang?<br \/>\nWir wollen es erleichtern durch den Glauben, unser Leben lang.<br \/>\nBondy\u00e8 hat uns geholfen, unsre Revolution der Sklaven<br \/>\ngelang, wir sind nun frei und k\u00f6nnen ruhig schlafen.<br \/>\nWir glauben auch an unsichtbare Geister und D\u00e4monen,<br \/>\ndie unerkannt in unsrer Mitte wohnen,<br \/>\nDambala kennen wir als Schlangengeist, Ogou Balanjo heilt,<br \/>\nYemanja ist der Wassergeist, rein weiblich, Erinle in den W\u00e4ldern weilt,<br \/>\nund Ezilie ist zust\u00e4ndig f\u00fcr Liebe, wieder ein weiblicher Geist,<br \/>\nder sich am liebsten durch die \u2026 Tat beweist.\u201c<br \/>\nUnd damit k\u00fcsst sie Rudi; inniglich. Umarmung; und sie wollen fast vergehn,<br \/>\ndoch bremst die Steinbank, weil sie hart und schmal ist, jedes weitere Vorgehn.<\/p>\n<p>\u201eEntschuldige\u201c, sagt Sue, \u201eund auch daf\u00fcr, dass ich hatte die unselige Idee,<br \/>\nin Schwarz hier aufzutreten, mit Skelett und Totenkopf, wie im Voodoo-Klischee.<br \/>\nDas sei mir fern! Ich hasse die schwarze Magie, diejenige der linken Hand,<br \/>\ndie B\u00f6ses will und B\u00f6ses zeugt, sie sei von unser Welt verbannt!<br \/>\nIn meinem Kreis gelt ich als Heilerin und als Schamanin,<br \/>\nals Nachfolgerin von meinem Urgro\u00dfvater, Papa Dibangwe Kalumanin.<br \/>\nIch bin wohl eine Mambo, der gute Zauberer ist ein Houngan.<br \/>\nUnd heilig ist uns alles, was da lebt, es steht in Bondy\u00e8s Plan.<br \/>\nRudi versetzt: \u201eIch habe nie als Schwarzmagierin dich betrachtet,<br \/>\nund schon nach eurem Rennen zu erobern dich getrachtet.\u201c<br \/>\n\u201eEs war noch nicht die Zeit\u201c, sagt Sue, \u201eich wusst\u2018 es jedoch sehr genau.<br \/>\nNun lass uns ruhn; und f\u00fcr die Nacht auf Hilfe meiner Luas ich vertrau.\u201c<\/p>\n<p><em>Das musste noch rein, und so haben wir in der n\u00e4chsten Ausgabe die Museumsbesuche und den Wahl des neuen Vorsitzenden.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum ersten Mal wird von Geistern gesprochen. 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