{"id":13773,"date":"2017-08-28T01:28:20","date_gmt":"2017-08-27T23:28:20","guid":{"rendered":"http:\/\/manipogo.de\/?p=13773"},"modified":"2017-08-13T23:30:32","modified_gmt":"2017-08-13T21:30:32","slug":"goethe-und-riekchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/manipogo.de\/?p=13773","title":{"rendered":"Goethe und Riekchen"},"content":{"rendered":"<p>Beim <a href=\"https:\/\/manipogo.de\/?p=13386\" target=\"_blank\">Anflug auf Karlsruhe<\/a> war ich durch Seesenheim gekommen und hatte die kleine S\u00e4ulenhalle f\u00fcr Goethe bewundert. Als er dort Friedrike Brion traf, als Strassburger Student, war er 22 Jahre alt, war noch nicht Goethe, sondern noch Johann Wolfgang. Heute ist sein Geburtstag, der 268. Alles Gute, Johnny!<!--more--><\/p>\n<p>Ich nahm mir also das Elfte Buch von <em>Dichtung und Wahrheit<\/em> vor, das ausgedehnt die Geschichte mit Friedrike behandelt. Es war eine veritable Liebesgeschichte mit allen Verwirrungen, die es sich denken l\u00e4sst, mit einem Liebesgest\u00e4ndnis und einer Entfremdung, die er nicht richtig thematisiert. Friedrike soll danach keine M\u00e4nner mehr gehabt haben, hei\u00dft es auf einer Tafel in Seesenheim, und man denkt: Kein Wunder, die Aura des Meisters als junger Mann war wohl umwerfend. Doch man wei\u00df nat\u00fcrlich nicht, ob das stimmt. Sie starb mit 45 Jahren.<\/p>\n<div id=\"attachment_13774\" style=\"width: 550px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/goethe.jpg\" rel=\"attachment wp-att-13774\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13774\" class=\"size-full wp-image-13774\" src=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/goethe.jpg\" alt=\"So zeichnete Goethe das Pfarrhaus in Seesenheim. Er h\u00e4tte besser Friedriken gezeichnet\" width=\"540\" height=\"373\" srcset=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/goethe.jpg 540w, https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/goethe-300x207.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-13774\" class=\"wp-caption-text\">So zeichnete Goethe das Pfarrhaus in Seesenheim. Er h\u00e4tte besser Friedriken gezeichnet<\/p><\/div>\n<p>Alles eingehend zu lesen, fehlte mir die Konzentration. Weyland, ein Freund Goethes, kannte den Pastor Brion und seine h\u00fcbschen T\u00f6chter, und sie ritten hin. Goethe zog sich absichtlich \u00e4rmliche Kleider an. Weyland versprach sich von der Verkleidung einen ordentlichen Spa\u00df. Das war damals vielleicht so Mode. Wenn man an die Werke von Cholderlos de Laclos oder Sir Walter Scott denkt, die in jener Zeit lebten, dann fallen einem die vielen Verwechslungen und Vertauschungen auf.<\/p>\n<p>Goethe sch\u00e4mt sich und erwirbt die Kleider eines Bauern, der George hei\u00dft. Er schreibt: \u00bbEr war von meiner Gestalt und hatte mich fl\u00fcchtig an mich selbst erinnert.\u00ab Goethe verbirgt sein Gesicht und wird nun f\u00fcr George gehalten, was dann verwunderlich wirkt, als er mit Friedrikens Hand in der seinen angetroffen wird. Irgendwie sch\u00e4mt er sich wieder und gesteht alles, aber sie verzeiht ihm.<\/p>\n<p>Friedrike muss \u00e4u\u00dferst charmant gewesen sein, und Goethe beschreibt sie eingehend und innig. Sie verzauberte alle, war aber ein Gesch\u00f6pf der Natur, wie der scharfe Beobachter erkannte, das Jungfrau-Sternzeichen Goethe. Sp\u00e4ter besucht sie ihn mit Familie in Strassburg, und da f\u00fchlt sie sich sichtlich unwohl. Ist ja auch schrecklich, Kommoden, Teppiche, Spiegel, W\u00e4nde und Kutschen unten in den Gassen. Da Goethe promovieren wollte und viel zu tun hatte, schlief ihre Beziehung wohl langsam ein. Auch <a href=\"https:\/\/manipogo.de\/?p=13470\" target=\"_blank\">seine sp\u00e4tere Frau Christiane lie\u00df Goethe viel alleine<\/a>; er musste arbeiten, und weg war er.<\/p>\n<p>Den Abschied gab es, begleitet von einem \u00fcbernat\u00fcrliches Begebnis:<\/p>\n<p><em>In solchem Drang und Verwirrung konnte ich doch nicht unterlassen, Friedriken noch einmal zu sehn. Es waren peinliche Tage, deren Erinnerung mir nicht geblieben ist. Als ich ihr die Hand noch vom Pferde reichte, standen ihr die Tr\u00e4nen in den Augen, und mir war sehr \u00fcbel zumute. Nun ritt ich auf dem Fu\u00dfpfade gegen Drusenheim, und da \u00fcberfiel mich eine der sonderbarsten Ahndungen. Ich sah n\u00e4mlich, nicht mit den Augen des Leibes, sondern des Geistes, mich mir selbst denselben Weg zu Pferde wieder entgegenkommen, und zwar in einem Kleide, wie ich es nie getragen: es war hechtgrau mit etwas Gold. Sobald ich mich aus diesem Traum aufsch\u00fcttelte, war die Gestalt ganz hinweg. Sonderbar ist es jedoch, dass ich nach acht Jahren in dem Kleide, das mir getr\u00e4umt hatte und das ich nicht aus Wahl, sondern aus Zufall gerade trug, mich auf demselben Wege fand, um Friedriken noch einmal zu besuchen. Es mag sich \u00fcbrigens mit diesen Dingen wie es will verhalten, das wunderliche Trugbild gab mir in jene Augenblicken des Scheidens einige Beruhigung. Der Schmerz, das herrliche Elsass, mit allem, was ich darin erworben, auf immer zu verlassen, war gemildert, und ich fand mich, dem Taumel des Lebewohls endlich entflohn, auf einer friedlichen und erheiternden Reise so ziemlich wieder. <\/em><\/p>\n<p>Er fand sich also wieder. Der Bauer, der ihn an sich selbst erinnert, war schon merkw\u00fcrdig; nun auch noch ein Blick in die Zukunft, was erst die Zukunft erwies. Mit den Augen des Geistes. Beim Reiten ist man (wie beim Radfahren manchmal) etwas abwesend, fast in Trance, und da treten Bilder aus dem Untergrund ins Bewusstsein. Andere erleben das im Traum. Man hat geh\u00f6rt, dass Menschen einen schrecklichen Traum hatten, der erst nach zwanzig Jahren wahr wurde. Da f\u00e4llt mir auf, dass die Zukunft immer wieder hier thematisiert wird; sie ist schon hier, in groben Z\u00fcgen angelegt (wenngleich noch ver\u00e4nderbar), und das k\u00f6nnen wir ruhig glauben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim Anflug auf Karlsruhe war ich durch Seesenheim gekommen und hatte die kleine S\u00e4ulenhalle f\u00fcr Goethe bewundert. Als er dort Friedrike Brion traf, als Strassburger Student, war er 22 Jahre alt, war noch nicht Goethe, sondern noch Johann Wolfgang. Heute ist sein Geburtstag, der 268. 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