{"id":17237,"date":"2020-01-14T00:18:24","date_gmt":"2020-01-13T23:18:24","guid":{"rendered":"http:\/\/manipogo.de\/?p=17237"},"modified":"2020-01-08T21:18:38","modified_gmt":"2020-01-08T20:18:38","slug":"lied-der-zulima","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/manipogo.de\/?p=17237","title":{"rendered":"Lied der Zulima"},"content":{"rendered":"<p>Ich bl\u00e4tterte die zerlesenen Bl\u00e4tter mit ein paar Novalis-Gedichten durch und fand eines, das gut an den Beitrag von gestern anschlie\u00dft. Heimweh nach dem Osten, Leid im fernen Land, Untergangsw\u00fcnsche. Um die Wende zum 19. Jahrhundert blickten die Dichter \u00fcber die Grenzen und tr\u00e4umten von Indien und vom Orient. M\u00e4rchen und Liebesgedichte wurden \u00fcbersetzt.<!--more--><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/018-19.jpg\" rel=\"attachment wp-att-17238\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-17238\" src=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/018-19-300x209.jpg\" alt=\"018\" width=\"300\" height=\"209\" srcset=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/018-19-300x209.jpg 300w, https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/018-19.jpg 540w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Komisch, dass ich auf <em>manipogo<\/em> nie viel \u00fcber Novalis geschrieben habe. Der Friedrich von Hardenberg wurde in der N\u00e4he von Halle an der Saale auf einem Schloss geboren, studierte in Jena Jura und lernte Schiller, Goethe, Fichte, Jean Paul und die Schlegel-Br\u00fcder kennen. Er verlobte sich mit 23 Jahren mit der 13-j\u00e4hrigen Sophie von K\u00fchn, die schon zwei Jahre sp\u00e4ter starb, von ihm sehr betrauert. Dann studierte der junge Freiherr an der Bergakademie in Freiberg (da kam ich unl\u00e4ngst mit dem Rad vorbei), wurde mit 28 Jahren zum Amthausptmann ernannt, starb aber 4 Monate danach an der Schwindsucht. Unter dem Namen Novalis hatte er nur die Ver\u00f6ffentlichung von ein paar Fragmenten erlebt. Sein Ruhm trat nach dem fr\u00fchen Tod ein. (<em>Bild: der Marktplatz von Freiberg<\/em>)<\/p>\n<p>Der Heinrich von Ofterdingen kam erst sp\u00e4ter heraus. Er sucht die blaue Blume und erlebt allerhand Abenteuer, und die Geschichte ist im 15. Jahrhundert angesiedelt, weil nach Ansicht der Romantiker damals mehr Romantik herrschte als um 1800. Der Auszug ist aus dem vierten Kapitel des charmanten Romans, in den alle bekannten Gedichte des Novalis eingearbeitet sind; damals streute man gern Gedichte in Romane ein. Ich wollte erst nur das Lied der Zulima bringen, doch danach wird im Roman erz\u00e4hlt, wer es singt und was ihr widerfahren ist. Und es ist so sch\u00f6n klassische Prosa.<\/p>\n<p>\u2660 \u2663 \u2665 \u2666<\/p>\n<p>Er schweifte durch das wilde Geb\u00fcsch und kletterte \u00fcber bemooste Felsenst\u00fccke, als auf einmal aus einer nahen Tiefe ein zarter eindringender Gesang einer weiblichen Stimme von wunderbaren T\u00f6nen begleitet, erwachte. Es war ihm gewi\u00df, da\u00df es eine Laute sei; er blieb verwunderungsvoll stehen, und h\u00f6rte in gebrochner deutscher Aussprache folgendes Lied:<\/p>\n<p><em>Bricht das matte Herz noch immer unter fremdem Himmel nicht?<\/em><br \/>\n<em> Kommt der Hoffnung bleicher Schimmer<\/em><br \/>\n<em> Immer mir noch zu Gesicht?<\/em><br \/>\n<em> Kann ich wohl noch R\u00fcckkehr w\u00e4hnen?<\/em><br \/>\n<em> Stromweis st\u00fcrzen meine Tr\u00e4nen,<\/em><br \/>\n<em> Bis mein Herz in Kummer bricht.<\/em><br \/>\n<em> K\u00f6nnt ich dir die Myrten zeigen<\/em><br \/>\n<em> Und der Zeder dunkles Haar!<\/em><br \/>\n<em> F\u00fchren dich zum frohen Reigen<\/em><br \/>\n<em> Der geschwisterlichen Schar!<\/em><br \/>\n<em> S\u00e4hst du im gestickten Kleide,<\/em><br \/>\n<em> Stolz im k\u00f6stlichen Geschmeide<\/em><br \/>\n<em> Deine Freundin, wie sie war.<\/em><\/p>\n<p class=\"left\"><em>Edle J\u00fcnglinge verneigen<\/em><br \/>\n<em> Sich mit hei\u00dfem Blick vor ihr;<\/em><br \/>\n<em> Z\u00e4rtliche Ges\u00e4nge steigen<\/em><br \/>\n<em> Mit dem Abendstern zu mir.<\/em><br \/>\n<em> Dem Geliebten darf man trauen;<\/em><br \/>\n<em> Ewge Lieb&#8216; und Treu den Frauen,<\/em><br \/>\n<em> Ist der M\u00e4nner Losung hier.<\/em><\/p>\n<p class=\"left\"><em>Hier, wo um kristallne Quellen<\/em><br \/>\n<em> Liebend sich der Himmel legt,<\/em><br \/>\n<em> Und mit hei\u00dfen Balsamwellen<\/em><br \/>\n<em> Um den Hain zusammenschl\u00e4gt,<\/em><br \/>\n<em> Der in seinen Lustgebieten<\/em><br \/>\n<em> Unter Fr\u00fcchten, unter Bl\u00fcten<\/em><br \/>\n<em> Tausend bunte S\u00e4nger hegt.<\/em><\/p>\n<p class=\"left\"><em>Fern sind jene Jugendtr\u00e4ume!<\/em><br \/>\n<em> Abw\u00e4rts liegt das Vaterland!<\/em><br \/>\n<em> L\u00e4ngst gef\u00e4llt sind jene B\u00e4ume,<\/em><br \/>\n<em> Und das alte Schlo\u00df verbrannt.<\/em><br \/>\n<em> F\u00fcrchterlich, wie Meereswogen<\/em><br \/>\n<em> Kam ein rauhes Heer gezogen,<\/em><br \/>\n<em> Und das Paradies verschwand.<\/em><\/p>\n<p class=\"left\"><em>F\u00fcrchterliche Gluten flossen<\/em><br \/>\n<em> In die blaue Luft empor,<\/em><br \/>\n<em> Und es drang auf stolzen Rossen<\/em><br \/>\n<em> Eine wilde Schar ins Tor.<\/em><br \/>\n<em> S\u00e4bel klirrten, unsre Br\u00fcder,<\/em><br \/>\n<em> Unser Vater kam nicht wieder,<\/em><br \/>\n<em> Und man ri\u00df uns wild hervor.<\/em><\/p>\n<p class=\"left\"><em>Meine Augen wurden tr\u00fcbe;<\/em><br \/>\n<em> Fernes, m\u00fctterliches Land,<\/em><br \/>\n<em> Ach, sie blieben dir voll Liebe<\/em><br \/>\n<em> Und voll Sehnsucht zugewandt!<\/em><br \/>\n<em> W\u00e4re nicht dies Kind vorhanden,<\/em><br \/>\n<em> L\u00e4ngst h\u00e4tt&#8216; ich des Lebens Banden<\/em><br \/>\n<em> Aufgel\u00f6st mit k\u00fchner Hand.<\/em><\/p>\n<table class=\"poem\" summary=\"\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Er h\u00f6rte das Schluchzen eines Kindes und eine tr\u00f6stende Stimme. Er stieg tiefer durch das Geb\u00fcsch hinab, und fand ein bleiches, abgeh\u00e4rmtes M\u00e4dchen unter einer alten Eiche sitzen. Ein sch\u00f6nes Kind hing weinend an ihrem Halse, auch ihre Tr\u00e4nen flossen, und eine Laute lag neben ihr auf dem Rasen. Sie erschrak ein wenig, als sie den fremden J\u00fcngling erblickte, der mit wehm\u00fctigem Gesicht sich ihr n\u00e4herte.<\/p>\n<p>\u00bbIhr habt wohl meinen Gesang geh\u00f6rt\u00ab, sagte sie freundlich. \u00bbEuer Gesicht d\u00fcnkt mir bekannt, la\u00dft mich besinnen \u2013 Mein Ged\u00e4chtnis ist schwach geworden, aber Euer Anblick erweckt in mir eine sonderbare Erinnerung aus frohen Zeiten. O! mir ist, als glicht Ihr einem meiner Br\u00fcder, der noch vor unserm Ungl\u00fcck von uns schied, und nach Persien zu einem ber\u00fchmten Dichter zog. Vielleicht lebt er noch, und besingt traurig das Schicksal seiner Geschwister. W\u00fcsst ich nur noch einige seiner herrlichen Lieder, die er uns hinterlie\u00df! Er war edel und z\u00e4rtlich, und kannte kein gr\u00f6\u00dferes Gl\u00fcck als seine Laute.\u00ab Das Kind war ein M\u00e4dchen von zehn bis zw\u00f6lf Jahren, das den fremden J\u00fcngling aufmerksam betrachtete und sich fest an den Busen der ungl\u00fccklichen Zulima schmiegte.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/gypten1994-1-2.jpg\" rel=\"attachment wp-att-17240\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-17240\" src=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/gypten1994-1-2-200x300.jpg\" alt=\"gypten1994-1\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/gypten1994-1-2-200x300.jpg 200w, https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/gypten1994-1-2.jpg 540w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a>Heinrichs Herz war von Mitleid durchdrungen; er tr\u00f6stete die S\u00e4ngerin mit freundlichen Worten, und bat sie, ihm umst\u00e4ndlicher ihre Geschichte zu erz\u00e4hlen. Sie schien es nicht ungern zu tun. Heinrich setzte sich ihr gegen\u00fcber und vernahm ihre von h\u00e4ufigen Tr\u00e4nen unterbrochne Erz\u00e4hlung. Vorz\u00fcglich hielt sie sich bei dem Lobe ihrer Landsleute und ihres Vaterlandes auf. Sie schilderte den Edelmut derselben, und ihre reine starke Empf\u00e4nglichkeit f\u00fcr die Poesie des Lebens und die wunderbare, geheimnisvolle Anmut der Natur. Sie beschrieb die romantischen Sch\u00f6nheiten der fruchtbaren arabischen Gegenden, die wie gl\u00fcckliche Inseln in unwegsamen Sandw\u00fcsteneien l\u00e4gen, wie Zufluchtsst\u00e4tte der Bedr\u00e4ngten und Ruhebed\u00fcrftigen, wie Kolonien des Paradieses, voll frischer Quellen, die \u00fcber dichten Rasen und funkelnde Steine durch alte, ehrw\u00fcrdige Haine rieselten, voll bunter V\u00f6gel mit melodischen Kehlen und anziehend durch mannigfaltige \u00dcberbleibsel ehemaliger denkw\u00fcrdiger Zeiten.<\/p>\n<p>\u00bbIhr w\u00fcrdet mit Verwunderung\u00ab, sagte sie, \u00bbdie buntfarbigen, hellen, seltsamen Z\u00fcge und Bilder auf den alten Steinplatten sehn. Sie scheinen so bekannt und nicht ohne Ursach so wohl erhalten zu sein. Man sinnt und sinnt, einzelne Bedeutungen ahnet man, und wird um so begieriger, den tiefsinnigen Zusammenhang dieser uralten Schrift zu erraten. Der unbekannte Geist derselben erregt ein ungew\u00f6hnliches Nachdenken, und wenn man auch ohne den gew\u00fcnschten Fund von dannen geht, so hat man doch tausend merkw\u00fcrdige Entdeckungen in sich selbst gemacht, die dem Leben einen neuen Glanz und dem Gem\u00fct eine lange, belohnende Besch\u00e4ftigung geben. Das Leben auf einem l\u00e4ngst bewohnten und ehemals schon durch Flei\u00df, T\u00e4tigkeit und Neigung verherrlichten Boden hat einen besondern Reiz. Die Natur scheint dort menschlicher und verst\u00e4ndlicher geworden, eine dunkle Erinnerung unter der durchsichtigen Gegenwart wirft die Bilder der Welt mit scharfen Umrissen zur\u00fcck, und so genie\u00dft man eine doppelte Welt, die eben dadurch das Schwere und Gewaltsame verliert und die zauberische Dichtung und Fabel unserer Sinne wird. Wer wei\u00df, ob nicht auch ein unbegreiflicher Einfluss der ehemaligen, jetzt unsichtbaren Bewohner mit ins Spiel kommt, und vielleicht ist es dieser dunkle Zug, der die Menschen aus neuen Gegenden, sobald eine gewisse Zeit ihres Erwachens k\u00f6mmt, mit so zerst\u00f6render Ungeduld nach der alten Heimat ihres Geschlechts treibt, und sie Gut und Blut an den Besitz dieser L\u00e4nder zu wagen anregt.\u00ab<\/p>\n<p>Nach einer Pause fuhr sie fort: \u00bbGlaubt ja nicht, was man euch von den Grausamkeiten meiner Landsleute erz\u00e4hlt hat. Nirgends wurden Gefangene gro\u00dfm\u00fctiger behandelt, und auch eure Pilger nach Jerusalem wurden mit Gastfreundschaft aufgenommen, nur da\u00df sie selten derselben wert waren. Die meisten waren nichtsnutzige, b\u00f6se Menschen, die ihre Wallfahrten mit Bubenst\u00fccken bezeichneten, und dadurch freilich oft gerechter Rache in die H\u00e4nde fielen. Wie ruhig h\u00e4tten die Christen das Heilige Grab besuchen k\u00f6nnen, ohne n\u00f6tig zu haben, einen f\u00fcrchterlichen, unn\u00fctzen Krieg anzufangen, der alles erbittert, unendliches Elend verbreitet, und auf immer das Morgenland von Europa getrennt hat. Was lag an dem Namen des Besitzers? Unsere F\u00fcrsten ehrten andachtsvoll das Grab eures Heiligen, den auch wir f\u00fcr einen g\u00f6ttlichen Propheten halten; und wie sch\u00f6n h\u00e4tte sein heiliges Grab die Wiege eines gl\u00fccklichen Einverst\u00e4ndnisses, der Anla\u00df ewiger wohlt\u00e4tiger B\u00fcndnisse werden k\u00f6nnen!\u00ab<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/DSCN2988.jpg\" rel=\"attachment wp-att-17241\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-17241\" src=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/DSCN2988-300x208.jpg\" alt=\"DSCN2988\" width=\"300\" height=\"208\" srcset=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/DSCN2988-300x208.jpg 300w, https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/DSCN2988-768x533.jpg 768w, https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/DSCN2988.jpg 776w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Der Abend war unter ihren Gespr\u00e4chen herbeigekommen. Es fing an Nacht zu werden, und der Mond hob sich aus dem feuchten Walde mit beruhigendem Glanz herauf. Sie stiegen langsam nach dem Schlosse; Heinrich war voll Gedanken, die kriegerische Begeisterung war g\u00e4nzlich verschwunden. Er merkte eine wunderliche Verwirrung in der Welt; der Mond zeigte ihm das Bild eines tr\u00f6stenden Zuschauers und erhob ihn \u00fcber die Unebenheiten der Erdoberfl\u00e4che, die in der H\u00f6he so unbetr\u00e4chtlich erschienen, so wild und unersteiglich sie auch dem Wanderer vorkamen. Zulima ging still neben ihm her, und f\u00fchrte das Kind. Heinrich trug die Laute. Er suchte die sinkende Hoffnung seiner Begleiterin, ihr Vaterland dereinst wiederzusehn, zu beleben, indem er innerlich einen heftigen Beruf f\u00fchlte, ihr Retter zu sein, ohne zu wissen, auf welche Art es geschehen k\u00f6nne. Eine besondere Kraft schien in seinen einfachen Worten zu liegen, denn Zulima empfand eine ungewohnte Beruhigung und dankte ihm f\u00fcr seine Zusprache auf die r\u00fchrendste Weise.<\/p>\n<p>Die Ritter waren noch bei ihren Bechern und die Mutter in h\u00e4uslichen Gespr\u00e4chen. Heinrich hatte keine Lust in den l\u00e4rmenden Saal zur\u00fcckzugehn. Er f\u00fchlte sich m\u00fcde, und begab sich bald mit seiner Mutter in das angewiesene Schlafgemach. Er erz\u00e4hlte ihr vor dem Schlafengehn, was ihm begegnet sei, und schlief bald zu unterhaltenden Tr\u00e4umen ein. Die Kaufleute hatten sich auch zeitig fortbegeben, und waren fr\u00fch wieder munter. Die Ritter lagen in tiefer Ruhe, als sie abreisten; die Hausfrau aber nahm z\u00e4rtlichen Abschied. Zulima hatte wenig geschlafen, eine innere Freude hatte sie wach erhalten; sie erschien beim Abschiede, und bediente die Reisenden dem\u00fctig und emsig. Als sie Abschied nahmen, brachte sie mit vielen Tr\u00e4nen ihre Laute zu Heinrich, und bat mit r\u00fchrender Stimme, sie zu Zulimas Andenken mitzunehmen. \u00bbEs war meines Bruders Laute\u00ab, sagte sie, \u00bbder sie mir beim Abschied schenkte; es ist das einzige Besitztum, was ich gerettet habe. Sie schien Euch gestern zu gefallen, und Ihr la\u00dft mir ein unsch\u00e4tzbares Geschenk zur\u00fcck, s\u00fc\u00dfe Hoffnung. Nehmt dieses geringe Zeichen meiner Dankbarkeit, und la\u00dft es ein Pfand Eures Andenkens an die arme Zulima sein. Wir werden uns gewi\u00df wiedersehn, und dann bin ich vielleicht gl\u00fccklicher.\u00ab<\/p>\n<p>Heinrich weinte; er weigerte sich, diese ihr so unentbehrliche Laute anzunehmen: \u00bbGebt mir\u00ab, sagte er, \u00bbdas goldene Band mit den unbekannten Buchstaben aus Euren Haaren, wenn es nicht ein Andenken Eurer Eltern oder Geschwister ist, und nehmt dagegen einen Schleier an, den mir meine Mutter gern abtreten wird.\u00ab Sie wich endlich dem Zureden und gab ihm das Band, indem sie sagte: \u00bbEs ist mein Name in den Buchstaben meiner Muttersprache, den ich in bessern Zeiten selbst in dieses Band gestickt habe. Betrachtet es gern, und denkt, da\u00df es eine lange, kummervolle Zeit meine Haare festgehalten hat, und mit seiner Besitzerin verbleicht ist.\u00ab Heinrichs Mutter zog den Schleier heraus, und reichte ihr ihn hin, indem sie sie an sich zog und weinend umarmte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Mehr zu Novalis:<\/span><br \/>\n<a href=\"https:\/\/manipogo.de\/?p=7739\" target=\"_blank\">Priester, Arzt, Dichter<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/manipogo.de\/?p=3531\" target=\"_blank\">Die Milchstra\u00dfe entlang<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bl\u00e4tterte die zerlesenen Bl\u00e4tter mit ein paar Novalis-Gedichten durch und fand eines, das gut an den Beitrag von gestern anschlie\u00dft. Heimweh nach dem Osten, Leid im fernen Land, Untergangsw\u00fcnsche. Um die Wende zum 19. Jahrhundert blickten die Dichter \u00fcber die Grenzen und tr\u00e4umten von Indien und vom Orient. M\u00e4rchen und Liebesgedichte wurden \u00fcbersetzt.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1224],"tags":[1705,1706],"class_list":["post-17237","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-literatur","tag-novalis","tag-ofterdingen"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.3 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Lied der Zulima - manipogo<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/manipogo.de\/?p=17237\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Lied der Zulima - manipogo\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Ich bl\u00e4tterte die zerlesenen Bl\u00e4tter mit ein paar Novalis-Gedichten durch und fand eines, das gut an den Beitrag von gestern anschlie\u00dft. Heimweh nach dem Osten, Leid im fernen Land, Untergangsw\u00fcnsche. Um die Wende zum 19. Jahrhundert blickten die Dichter \u00fcber die Grenzen und tr\u00e4umten von Indien und vom Orient. M\u00e4rchen und Liebesgedichte wurden \u00fcbersetzt.\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/manipogo.de\/?p=17237\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"manipogo\" \/>\n<meta property=\"article:published_time\" content=\"2020-01-13T23:18:24+00:00\" \/>\n<meta property=\"og:image\" content=\"http:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/018-19-300x209.jpg\" \/>\n<meta name=\"author\" content=\"web108\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Verfasst von\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"web108\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:label2\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data2\" content=\"9\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"Article\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/manipogo.de\\\/?p=17237#article\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/manipogo.de\\\/?p=17237\"},\"author\":{\"name\":\"web108\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/manipogo.de\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/991913de0e39267877f234553fd7f58d\"},\"headline\":\"Lied der Zulima\",\"datePublished\":\"2020-01-13T23:18:24+00:00\",\"mainEntityOfPage\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/manipogo.de\\\/?p=17237\"},\"wordCount\":1882,\"image\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/manipogo.de\\\/?p=17237#primaryimage\"},\"thumbnailUrl\":\"http:\\\/\\\/manipogo.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/018-19-300x209.jpg\",\"keywords\":[\"Novalis\",\"Ofterdingen\"],\"articleSection\":[\"Literatur\"],\"inLanguage\":\"de\"},{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/manipogo.de\\\/?p=17237\",\"url\":\"https:\\\/\\\/manipogo.de\\\/?p=17237\",\"name\":\"Lied der Zulima - manipogo\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/manipogo.de\\\/#website\"},\"primaryImageOfPage\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/manipogo.de\\\/?p=17237#primaryimage\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/manipogo.de\\\/?p=17237#primaryimage\"},\"thumbnailUrl\":\"http:\\\/\\\/manipogo.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/018-19-300x209.jpg\",\"datePublished\":\"2020-01-13T23:18:24+00:00\",\"author\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/manipogo.de\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/991913de0e39267877f234553fd7f58d\"},\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/manipogo.de\\\/?p=17237#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"https:\\\/\\\/manipogo.de\\\/?p=17237\"]}]},{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"de\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/manipogo.de\\\/?p=17237#primaryimage\",\"url\":\"https:\\\/\\\/manipogo.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/018-19.jpg\",\"contentUrl\":\"https:\\\/\\\/manipogo.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/018-19.jpg\",\"width\":540,\"height\":377},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/manipogo.de\\\/?p=17237#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Startseite\",\"item\":\"https:\\\/\\\/manipogo.de\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"Lied der Zulima\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/manipogo.de\\\/#website\",\"url\":\"https:\\\/\\\/manipogo.de\\\/\",\"name\":\"manipogo\",\"description\":\"Gott und die Welt\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"https:\\\/\\\/manipogo.de\\\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":{\"@type\":\"PropertyValueSpecification\",\"valueRequired\":true,\"valueName\":\"search_term_string\"}}],\"inLanguage\":\"de\"},{\"@type\":\"Person\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/manipogo.de\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/991913de0e39267877f234553fd7f58d\",\"name\":\"web108\",\"url\":\"https:\\\/\\\/manipogo.de\\\/?author=1\"}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Lied der Zulima - manipogo","robots":{"index":"index","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"canonical":"https:\/\/manipogo.de\/?p=17237","og_locale":"de_DE","og_type":"article","og_title":"Lied der Zulima - manipogo","og_description":"Ich bl\u00e4tterte die zerlesenen Bl\u00e4tter mit ein paar Novalis-Gedichten durch und fand eines, das gut an den Beitrag von gestern anschlie\u00dft. Heimweh nach dem Osten, Leid im fernen Land, Untergangsw\u00fcnsche. Um die Wende zum 19. Jahrhundert blickten die Dichter \u00fcber die Grenzen und tr\u00e4umten von Indien und vom Orient. M\u00e4rchen und Liebesgedichte wurden \u00fcbersetzt.","og_url":"https:\/\/manipogo.de\/?p=17237","og_site_name":"manipogo","article_published_time":"2020-01-13T23:18:24+00:00","og_image":[{"url":"http:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/018-19-300x209.jpg","type":"","width":"","height":""}],"author":"web108","twitter_card":"summary_large_image","twitter_misc":{"Verfasst von":"web108","Gesch\u00e4tzte Lesezeit":"9\u00a0Minuten"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"Article","@id":"https:\/\/manipogo.de\/?p=17237#article","isPartOf":{"@id":"https:\/\/manipogo.de\/?p=17237"},"author":{"name":"web108","@id":"https:\/\/manipogo.de\/#\/schema\/person\/991913de0e39267877f234553fd7f58d"},"headline":"Lied der Zulima","datePublished":"2020-01-13T23:18:24+00:00","mainEntityOfPage":{"@id":"https:\/\/manipogo.de\/?p=17237"},"wordCount":1882,"image":{"@id":"https:\/\/manipogo.de\/?p=17237#primaryimage"},"thumbnailUrl":"http:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/018-19-300x209.jpg","keywords":["Novalis","Ofterdingen"],"articleSection":["Literatur"],"inLanguage":"de"},{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/manipogo.de\/?p=17237","url":"https:\/\/manipogo.de\/?p=17237","name":"Lied der Zulima - manipogo","isPartOf":{"@id":"https:\/\/manipogo.de\/#website"},"primaryImageOfPage":{"@id":"https:\/\/manipogo.de\/?p=17237#primaryimage"},"image":{"@id":"https:\/\/manipogo.de\/?p=17237#primaryimage"},"thumbnailUrl":"http:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/018-19-300x209.jpg","datePublished":"2020-01-13T23:18:24+00:00","author":{"@id":"https:\/\/manipogo.de\/#\/schema\/person\/991913de0e39267877f234553fd7f58d"},"breadcrumb":{"@id":"https:\/\/manipogo.de\/?p=17237#breadcrumb"},"inLanguage":"de","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/manipogo.de\/?p=17237"]}]},{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de","@id":"https:\/\/manipogo.de\/?p=17237#primaryimage","url":"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/018-19.jpg","contentUrl":"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/018-19.jpg","width":540,"height":377},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/manipogo.de\/?p=17237#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Startseite","item":"https:\/\/manipogo.de\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"Lied der Zulima"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/manipogo.de\/#website","url":"https:\/\/manipogo.de\/","name":"manipogo","description":"Gott und die Welt","potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/manipogo.de\/?s={search_term_string}"},"query-input":{"@type":"PropertyValueSpecification","valueRequired":true,"valueName":"search_term_string"}}],"inLanguage":"de"},{"@type":"Person","@id":"https:\/\/manipogo.de\/#\/schema\/person\/991913de0e39267877f234553fd7f58d","name":"web108","url":"https:\/\/manipogo.de\/?author=1"}]}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/manipogo.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17237","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/manipogo.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/manipogo.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/manipogo.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/manipogo.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=17237"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/manipogo.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17237\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17243,"href":"https:\/\/manipogo.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17237\/revisions\/17243"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/manipogo.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=17237"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/manipogo.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=17237"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/manipogo.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=17237"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}