{"id":17257,"date":"2020-01-16T00:24:30","date_gmt":"2020-01-15T23:24:30","guid":{"rendered":"http:\/\/manipogo.de\/?p=17257"},"modified":"2020-01-11T00:24:40","modified_gmt":"2020-01-10T23:24:40","slug":"georg-heym","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/manipogo.de\/?p=17257","title":{"rendered":"Georg Heym"},"content":{"rendered":"<p>Aus einem Regal einen d\u00fcnnen Band \u00fcber Lyrik des Expressionismus gefischt. Ein Liebesgedicht darin fand ich bemerkenswert. Sein Autor, Georg Heym, wurde nur 25 Jahre alt. Er wurde 1887 in Hirschberg (Jelenia G\u00f3ra) geboren, studierte, schrieb 500 Gedichte und 7 Novellen, wollte zum Milit\u00e4r, wurde angenommen, starb aber nicht im Ersten Weltkrieg, sondern ertrank schon lang davor, am 16. Januar 1912 beim Eislaufen in Berlin. Er gilt als einer der wichtigsten deutschen Lyriker des Expressionismus.\u00a0<!--more--><\/p>\n<p><strong><em>Deine Wimpern, die langen &#8230;<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Deine Wimpern, die langen,<\/em><br \/>\n<em>Dieser Augen dunkele Wasser,<\/em><br \/>\n<em>Lass mich tauchen darein,<\/em><br \/>\n<em>Lass mich zur Tiefe gehn.<\/em><\/p>\n<p><em>Steigt der Bergmann zum Schacht<\/em><br \/>\n<em>Und schwankt seine tr\u00fcbe Lampe<\/em><br \/>\n<em>\u00dcber der Erze Tor,<\/em><br \/>\n<em>Hoch an der Schattenwand. <\/em><\/p>\n<p><em>Sieh, ich steige hinab, <\/em><br \/>\n<em>In deinem Scho\u00df zu vergessen,<\/em><br \/>\n<em>Fern, was von oben dr\u00f6hnt,<\/em><br \/>\n<em>Helle und Qual und Tag. <\/em><\/p>\n<p><em>An den Feldern verw\u00e4chst,<\/em><br \/>\n<em>Wo der Wind steht, trunken vom Korn,<\/em><br \/>\n<em>Hoher Dorn, hoch und krank<\/em><br \/>\n<em>Gegen das Himmelsblau. <\/em><\/p>\n<p><em>Gib mir die Hand, <\/em><br \/>\n<em>Wir wollen einander verwachsen,<\/em><br \/>\n<em>Einem Wind Beute, <\/em><br \/>\n<em>Einsamer Vogel Flug.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>H\u00f6ren im Sommer<\/em><br \/>\n<em>Die Orgel der matten Gewitter,<\/em><br \/>\n<em>Baden in Herbsteslicht,<\/em><br \/>\n<em>Am Ufer des blauen Tags<\/em>.<\/p>\n<p>Zweieinhalb Jahre bevor der Weltenbrand ausbrach, legte Heym los und malte die Zukunft. Was f\u00fcr eine Sprachgewalt!<\/p>\n<p><strong><em>Der Krieg<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Aufgestanden ist er, welcher lange schlief,<\/em><br \/>\n<em>Aufgestanden aus Gew\u00f6lben tief,<\/em><br \/>\n<em>In der D\u00e4mmrung steht er, gro\u00df und unerkannt,<\/em><br \/>\n<em>Und den Mond zerdr\u00fcckt er in der schwarzen Hand. <\/em><\/p>\n<p><em>In den Abendl\u00e4rm der St\u00e4dte f\u00e4llt es weit, <\/em><br \/>\n<em>Frost und Schatten einer fremden Dunkelheit.<\/em><br \/>\n<em>Und der M\u00e4rkte runder Wirbel stockt zu Eis.<\/em><br \/>\n<em>Es wird still. Sie sehn sich um. Und keiner wei\u00df. <\/em><\/p>\n<p><em>In den Gassen fasst es ihre Schulter leicht. <\/em><br \/>\n<em>Eine Frage. Keine Antwort. Ein Gesicht erbleicht. <\/em><br \/>\n<em>In der Ferne wimmert ein Gel\u00e4ute d\u00fcnn<\/em><br \/>\n<em>Und die B\u00e4rte zittern um ihr spitzes Kinn.<\/em><\/p>\n<p><em>Auf den Bergen hebt er schon zu tanzen an. <\/em><br \/>\n<em>Und er schreit: Ihr Krieger, alle, auf und an.<\/em><br \/>\n<em>Und es schallet, wenn das schwarze Haupt er schwenkt.<\/em><br \/>\n<em>Drum von tausend Sch\u00e4deln laute Kette h\u00e4ngt. <\/em><\/p>\n<p><em>Einem Turm gleich tritt er aus die letzte Glut,<\/em><br \/>\n<em>Wo der Tag flieht, sind die Str\u00f6me schon voll Blut.<\/em><br \/>\n<em>Zahllos sind die Leichen schon im Schilf gestreckt,<\/em><br \/>\n<em>Von des Todes starken V\u00f6geln wei\u00df bedeckt. <\/em><\/p>\n<p><em>\u00dcber runder Mauern blauem Flammenschwall<\/em><br \/>\n<em>Steht er, \u00fcber schwarzer Gassen Waffenschall.<\/em><br \/>\n<em>\u00dcber Toren, wo die W\u00e4chter liegen quer,<\/em><br \/>\n<em>\u00dcber Br\u00fccken, die von Bergen Toter schwer. <\/em><\/p>\n<p><em>In die Nacht er jagt das Feuer querfeldein<\/em><br \/>\n<em>Einen roten Hund mit wilder M\u00e4uler Schrein.<\/em><br \/>\n<em>Aus dem Dunkel springt der N\u00e4chte schwarze Welt,<\/em><br \/>\n<em>Von Vulkanen furchtbar ist ihr Rand erhellt. <\/em><\/p>\n<p><em>Und mit tausend Zipfelm\u00fctzen weit<\/em><br \/>\n<em>Sind die finstren Ebenen flackend \u00fcberstreut,<\/em><br \/>\n<em>Und was unten auf den Stra\u00dfen wimmelt hin und her,<\/em><br \/>\n<em>Fegt er in die Feuerhaufen, dass die Flamme brenne mehr. <\/em><\/p>\n<p><em>Und die Flammen fressen brennend Wald um Wald,<\/em><br \/>\n<em>Gelbe Flederm\u00e4use zackig in das Laub gekrallt.<\/em><br \/>\n<em>Seine Stange haut er wie ein K\u00f6hlerknecht<\/em><br \/>\n<em>In die B\u00e4ume, dass das Feuer brenne recht.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Eine gro\u00dfe Stadt versank in gelbem Rauch,<\/em><br \/>\n<em>Warf sich lautlos in des Abgrunds Bauch.<\/em><br \/>\n<em>Aber riesig \u00fcber gl\u00fchnden Tr\u00fcmmern steht<\/em><br \/>\n<em>Der in wilde Himmel dreimal seine Fackel dreht. <\/em><\/p>\n<p><em>\u00dcber sturmzerfetzter Wolken Widerschein,<\/em><br \/>\n<em>In des toten Dunkelns kalte W\u00fcstenein,<\/em><br \/>\n<em>Dass er mit dem Brande weit die Nacht verdorr,<\/em><br \/>\n<em>Pech und Feuer tr\u00e4ufet unten auf Gomorrh.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus einem Regal einen d\u00fcnnen Band \u00fcber Lyrik des Expressionismus gefischt. 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