{"id":20002,"date":"2020-12-11T00:34:58","date_gmt":"2020-12-10T23:34:58","guid":{"rendered":"http:\/\/manipogo.de\/?p=20002"},"modified":"2020-12-10T23:28:22","modified_gmt":"2020-12-10T22:28:22","slug":"unsagbares","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/manipogo.de\/?p=20002","title":{"rendered":"Unsagbares"},"content":{"rendered":"<p>Im Oktober \u00fcberfiel mich pl\u00f6tzlich die Lust, wieder einmal \u00fcber Quantenmechanik zu lesen. Ich studierte also das Interview der US-Zeitschrift <em>Omni<\/em> aus dem Jahr 1988 mit dem irischen Physiker John Stewart Bell (1932-1990), in dem mir eine Aussage aufgefallen war \u00fcber das Unsagbare. Die Materie ist schwierig und greift in die Philosophie \u00fcber; und ich bin ja nur ein interessierter und faszinierter Laie, aber vielleicht gelingt es mir, etwas &#8218;r\u00fcberzubringen.\u00a0 <!--more--><\/p>\n<p>John Stewart Bell, der beim Elektronenbeschleuniger CERN in Genf arbeitete, war ein rothaariger, b\u00e4rtiger Ire, gut gelaunt und auf dem Boden der Tatsachen stehend, die im Fall der Quantenmechanik abenteuerlich genug sind. 1925 lag sie in ihren Grundz\u00fcgen vor, mittlerweile ist sie das am besten best\u00e4tigte Theoriegeb\u00e4ude der Physik, und die gute alte klassische Physik ist nunmehr nur mehr eins ihrer Teilgebiete. Die Erkenntnisse der Quantenphysik seien nicht nur f\u00fcr die Physiker interessant, man m\u00fcsse <em>the big world<\/em> miteinbeziehen, forderte Bell. Was bedeuten die Erkenntnisse f\u00fcr unsere Welt?<\/p>\n<p>Nun: das Unsagbare. Es geht um die kleinsten Teilchen, die zu klein f\u00fcr unsere Messinstrumente sind. Elektronen k\u00f6nnen \u00fcberall und nirgends sein; erst die Messung h\u00e4lt sie fest. Vorher waren sie unsichtbar. Wenn man zu \u00bbdiesen Dingen hinunterkomme\u00ab, so Bell, h\u00e4tte es keinen Sinn mehr zu sagen, etwas sei \u00bbda drau\u00dfen\u00ab oder \u00bbwirklich da\u00ab. Reden k\u00f6nnte man \u00fcber experimentelle Ausr\u00fcstung &#8230;<\/p>\n<p><em>Aber die Elektronen und so weiter\u00a0\u2014 \u00fcber sie darfst du nicht sprechen. Du kannst nicht \u00fcber sie reden. (Im Original: But the electrons and so on \u2014 these you are not allowed to speak about. You can&#8217;t talk of them.)<\/em><\/p>\n<p>Die Mini-Teilchen, die um den Atomkern jagen, sind keine Dinge, wie wir sie kennen; sie haben geringste Masse und keine Ausdehnung. Atome sind innen ziemlich leer, weshalb der Physiker Hans-Peter D\u00fcrr sagen konnte: \u00bbDie Materie gibt es nicht.\u00ab Und was sagen wir vom masselosen Photon, einem einzelnen Lichtteilchen? Nichts. Niels Bohr ging in seiner Kopenhagener Interpretation so weit zu sagen, Elektronen g\u00e4be es nicht, sie seien virtuell; erst wenn der Mensch hinschaue, seien sie pl\u00f6tzlich da.<\/p>\n<p>Das Buch, das John Stewart Bell ein Jahr vor dem Interview ver\u00f6ffentlichte, hie\u00df: <em>Speakable and Unspeakable in Quantum Mechanics<\/em>. Etwa: Das Sagbare und das Unsagbare in der Quantenmechanik. Darin steht:<\/p>\n<p><em>Das Problem ist folgendes: Wie genau w\u00e4re die Welt aufzuschl\u00fcsseln in sagbaren Apparat &#8230; \u00fcber den wir reden k\u00f6nnen &#8230; und das unsagbare Quantensystem, \u00fcber das wir nicht reden k\u00f6nnen? Wieviele Elektronen oder Atome oder Molek\u00fcle machen einen Apparat aus?\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Wir haben einen Messapparat und ein Quantensystem, und der Apparat ist aus denselben Mini-Teilchen gebildet, kann also klassisch beschrieben werden. Wo ist der \u00dcbergang zwischen der geheimnisvollen Quantenwelt, in der die Begriffe <em>real<\/em> und <em>v\u00f6llig wahr<\/em> Fiktionen sind, und der klassisch beschreibbaren Welt?<\/p>\n<p>John Stewart Bell lieferte einen entscheidenden Beitrag zur Quantenphysik, der heute noch R\u00e4tsel aufgibt. Einstein, Podolsky und Rosen hatten 1935 in einem Gedankenexperiment herausgefunden, dass zwei \u00bbverschr\u00e4nkte\u00ab (<em>sozusagen verheiratete<\/em>) Teilchen, in entfernte Weltgegenden geschossen, aufeinander reagieren: Wenn man etwa die Polarisation des einen misst, hat das andere sofort den komplement\u00e4ren Wert, als w\u00fcsste es, welchen sein Geschwisterteilchen hatte \u2014 auch viele Lichtjahre entfernt. Das ist so. Woher wusste das zweite Teilchen, was wir messen wollten?<\/p>\n<p>Bell m\u00fchte sich ab, verborgene Variablen zu pr\u00fcfen, die daf\u00fcr verantwortlich sein k\u00f6nnten, aber: keine eignete sich. Es ging nicht. Im Interview sagte der irische Physiker:<\/p>\n<p><em>Die Theorie sagt dir, dass da vielleicht etwas abl\u00e4uft, das schneller als das Licht sein muss, obwohl es mich schmerzt, das sagen zu m\u00fcssen. &#8230; Aber dann: Zu sagen, dass etwas schneller als das Licht unterwegs ist, das bedeutet, mehr zu sagen als ich wei\u00df.<\/em><\/p>\n<p>Ja, das Sagbare und das Unsagbare qu\u00e4lten John Stewart Bell immer. Bei einer Ausfahrt mit dem Rad Anfang November dachte ich an Sir James Jeans und seinen Spruch, das Universum komme ihm immer weniger als eine Maschine vor, sondern immer mehr als ein gro\u00dfer Gedanke. Und ich dachte mir: Vielleicht sind \u00bbElektronen und so weiter\u00ab am ehesten mit Gedanken zu vergleichen: immateriell und schneller als schnell unterwegs. Gedankensysteme greifen wie Quantensysteme auf die Welt \u00fcber und ver\u00e4ndern sie, es gibt Telepathie, und belegt sind auch telekinetische Ph\u00e4nomene: Bewegung von Gegenst\u00e4nden durch Gedankenkraft. Die Quantenwelt funktioniert wie die Welt unseres Bewusstseins. Halten wir diesen Gedanken fest.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Oktober \u00fcberfiel mich pl\u00f6tzlich die Lust, wieder einmal \u00fcber Quantenmechanik zu lesen. Ich studierte also das Interview der US-Zeitschrift Omni aus dem Jahr 1988 mit dem irischen Physiker John Stewart Bell (1932-1990), in dem mir eine Aussage aufgefallen war \u00fcber das Unsagbare. 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