{"id":20637,"date":"2021-02-21T00:41:35","date_gmt":"2021-02-20T23:41:35","guid":{"rendered":"http:\/\/manipogo.de\/?p=20637"},"modified":"2021-01-18T21:06:36","modified_gmt":"2021-01-18T20:06:36","slug":"giacomo-casanova","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/manipogo.de\/?p=20637","title":{"rendered":"Giacomo Casanova"},"content":{"rendered":"<p>12 B\u00e4nde mit insgesamt 4000 Seiten \u2014 das ist die <em>Geschichte meines Lebens<\/em> von Giacomo Casanova, die 1825 zum ersten Mal erschienen. Das Gesamtwerk ist immer nur verk\u00fcrzt ver\u00f6ffentlicht worden; vier F\u00fcnftel davon besch\u00f6ftigt sich mit Diplomatie,\u00a0 dem Geldverleihen, den Sitten, dem Alltag. Man wollte aber Casanova und die Frauen lesen. Meine Ausgabe ist 250 Seiten lang und aus dem Jahr 1984. Viele Aff\u00e4ren, da schwindelt es einem.<!--more--><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/Casanova_ritratto.jpg\" rel=\"attachment wp-att-20647\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-20647\" src=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/Casanova_ritratto-300x294.jpg\" alt=\"Casanova_ritratto\" width=\"240\" height=\"236\" srcset=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/Casanova_ritratto-300x294.jpg 300w, https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/Casanova_ritratto.jpg 540w\" sizes=\"auto, (max-width: 240px) 100vw, 240px\" \/><\/a>Es macht einen schwindlig: Was f\u00fcr eine Folge von Ereignissen, welche Jagd durch L\u00e4nder und F\u00fcrstent\u00fcmer, Jobs hier und dort, nach dem Spiel verarmt, von einem G\u00f6nner gerettet, und immerzu verliebt. Es gibt viele junge M\u00e4dchen, die Casanova ewige Liebe schworen, zwei Dutzend h\u00e4tten ihm ALLES gegeben; wie kann man wissen, welche die Richtige ist? Der Gedanke an die wahre Liebe kam aber in Casanovas System nicht vor. Er in den H\u00e4nden einer einzigen Frau, jahrelang: undenkbar. Wenn wir die Memoiren lesen, haben wir keinen Grund zu glauben, dass der junge Springinsfeld (oder \u00e4ltere Herzensbrecher) nicht jedes Mal in Wallung geriet, unsterblich verliebt, wahnsinnig entz\u00fcckt war, doch dann war immer eine n\u00e4chste, auf die sein Blick fiel. Die Herzen flogen ihm zu. Ein Satz macht ihn uns sympathisch:<\/p>\n<p><em>&#8230; ich habe immer die Schw\u00e4che gehabt, vier F\u00fcnftel meiner eigenen Gen\u00fcsse in denen zu finden, welche ich dem reizenden Wesen verschaffte, das mir dieselben gew\u00e4hrte.<\/em><\/p>\n<p>Dieser Mensch hat wahrhaft gelebt! Und schon mit 15 hatte er das Selbstbewusstsein eines Gro\u00dfen. Er hatte die niederen Weihen erhalten, kam in die Dienste eines Bischofs, und wie er es anstellte, in den 30 Jahren darauf von K\u00f6nigen und Herz\u00f6gen empfangen zu werden, bleibt sein Geheimnis. Casanova war ein Spieler: alles oder nichts. Er fegte durchs Leben, und schwebte in seinen Aff\u00e4ren mit Frauen immer zwischen Erregung und Verzweiflung; so f\u00fchlte er sich lebendig. Federico Fellini verfilmte sein Leben 1976 mit Donald Sutherland, schrill wie immer.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/ImJob-1.jpg\" rel=\"attachment wp-att-20621\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-20621\" src=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/ImJob-1-300x300.jpg\" alt=\"ImJob\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/ImJob-1-300x300.jpg 300w, https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/ImJob-1-150x150.jpg 150w, https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/ImJob-1.jpg 540w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Als Beispiel soll nur eine Vierer-Beziehung geschildert werden. 1753 kehrt Casanova, 28 Jahre alt, nach Venedig zur\u00fcck. Er verliebt sich in ein 14-j\u00e4hriges M\u00e4dchen, das er C.C. nennt, und sie versprechen sich die Ehe. Er ist gl\u00fchend verliebt. Doch der Vater des M\u00e4dchens will bis zur Hochzeit noch vier Jahre warten und steckt sie ins Kloster. Dort f\u00e4llt das Auge der Nonne M.M. auf Casanova. Sie ist so alt wie Giacomo, kommt aus dem Adel und hat auch einen Geliebten, den franz\u00f6sischen Gesandten de Bernis (40 Jahre alt), der ihre Leidenschaft f\u00fcr Casanova duldet. Manchmal beobachtet er die beiden beim Rendezvous aus einem geheimen Zimmer heraus.<\/p>\n<p>Es kommt auch zu Treffen der beiden Frauen mit Casanova, und dann ziehen sich alle drei aus. Oft tragen sie Masken und legen diese erst am Treffpunkt ab. Bei einem Souper zu viert verliebt sich anscheinend de Bernis in C.C., und M.M. und Casanova verschwinden, um die beiden alleine zu lassen. Es gibt geheime Treffen. Eine Gondel trifft ein, Casanova soll sagen <em>zum Kasino<\/em>, und wird hingefahren. Aber dann, nach einem Jahr, endet die dramatische Geschichte. Der Gesandte muss nach Paris, M.M. wird krank, Giacomo Casanova in die Bleikammern gesteckt, w\u00e4hrend C.C. auf ihn wartet, dann aber einen Advokaten heiratet. (Es ist immer traurig, wenn die Angebeteten das b\u00fcrgerliche Leben ereilt.)<\/p>\n<p>Nach seiner Flucht 1755 hat er wieder 20 abenteuerliche Jahre vor sich; wie h\u00e4lt man das alles aus? Doch es war die Zeit bis zum 50. Mannesjahr und\u00a0 Casanova in voller Kraft. Seine Memoiren brechen ab, als er 1774 nach Venedig zur\u00fcck darf. Er beschlie\u00dft das gro\u00dfe Werk so:<\/p>\n<p><em>Um jene Zeit, und vielleicht zum ersten Male in meinem Leben, hielt ich eine traurige Einkehr in mich selbst, beklagte meine vergangene Auff\u00fchrung, verw\u00fcnschte das f\u00fcnfzigste Jahr, dem ich mit vollen Segeln zusteuerte, wiegte mich in keine Illusionen mehr ein und verzweifelte dar\u00fcber, keine andere Aussicht zu haben als den Ekel des Alters, ohne Anstellung und Verm\u00f6gen, mit einem zweideutigen Rufe und einem Herzen voll Reue. Um diesen schmerzlichen Betrachtungen eine andere Richtung zu geben und auch zu einem moralischen Zwecke habe ich diese Memoiren niedergeschrieben, das vielleicht allzu aufrichtige Bild meines Lebens; man wird sie ver\u00f6ffentlichen, wenn man will, und das k\u00fcmmert mich wenig, denn ich bin von allem entt\u00e4uscht.<\/em><\/p>\n<p>Alles endet irgendwie. Der Tiefpunkt war 1776 erreicht, als er sich als Geheimagent f\u00fcr die venezianische Inquisition anwerben lie\u00df, ein IM (Informeller Mitarbeiter) des Dogen. 1780 gr\u00fcndet er noch eine Theatergruppe und l\u00e4sst sich in Wien als Sekret\u00e4r des Gesandten Venedigs anstellen. 1785 ging er auf das Angebot ein, Bibliothekar auf Schloss Dux zu werden. Viel kann er da nicht zu tun gehabt haben; er war oft schlecht gelaunt und stritt sich mit allen herum und feilte an seinen Memoiren, die ihn unsterblich machten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>12 B\u00e4nde mit insgesamt 4000 Seiten \u2014 das ist die Geschichte meines Lebens von Giacomo Casanova, die 1825 zum ersten Mal erschienen. Das Gesamtwerk ist immer nur verk\u00fcrzt ver\u00f6ffentlicht worden; vier F\u00fcnftel davon besch\u00f6ftigt sich mit Diplomatie,\u00a0 dem Geldverleihen, den Sitten, dem Alltag. Man wollte aber Casanova und die Frauen lesen. 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