{"id":23667,"date":"2021-11-12T00:18:09","date_gmt":"2021-11-11T22:18:09","guid":{"rendered":"http:\/\/manipogo.de\/?p=23667"},"modified":"2021-11-11T23:09:55","modified_gmt":"2021-11-11T22:09:55","slug":"sklavenhandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/manipogo.de\/?p=23667","title":{"rendered":"Sklavenhandel"},"content":{"rendered":"<p>Auf einer Expedition einer Gruppe Bambara in Mali verschwindet spurlos ein kleiner Junge, Naba. Damals, im Jahr 1808, wussten es alle: das Werk von Sklavenh\u00e4ndlern. Was Maryse Cond\u00e9 in ihrem gro\u00dfen Roman <em>Segu<\/em> (1984) erz\u00e4hlt, verweist uns auf <em><a href=\"https:\/\/manipogo.de\/?p=22989\" target=\"_blank\">Ein Goldfisch<\/a><\/em>. Auch La\u00efla war geraubt worden, als kleines M\u00e4dchen in Marokko. Pl\u00f6tzlich m\u00fcssen wir uns mit der Sklaverei auseinandersetzen.<!--more--><\/p>\n<p>Naba wurde von einem Dutzend\u00a0\u00bbtollw\u00fctiger Hunde im Busch\u00ab geraubt, wie man damals in Mali die Kinderdiebe nannte. Sie fassten kleine Kinder, die sich m\u00fchelos in einem Sack forttragen lie\u00dfen, und die Fahrt ging zu einem der Sklavenm\u00e4rkte, wo es gutes Geld f\u00fcr das Kind gab. Naba war indessen ein starker Halbw\u00fcchsiger; er wurde eingeschl\u00e4fert, gefesselt und in einer Decke eingeh\u00fcllt auf einem Pferd transportiert. Das Gewicht seines Fleisches wurde gesch\u00e4tzt, sein Penis gemessen, seine Z\u00e4hne wurden gesch\u00e4tzt und seine Muskeln bef\u00fchlt. Naba war nun zur Ware geworden. F\u00fcr einen kr\u00e4ftigen Sklaven konnte man 25 bis 30 Gewehre und als Dreingabe eine oder zwei holl\u00e4ndische Tabakspfeifen bekommen. Maryse Cond\u00e9 erkl\u00e4rt uns (\u00fcbersetzt von Uli Wittmann):<\/p>\n<p><em>Seit mehreren Jahrhunderten hatten die europ\u00e4ischen H\u00e4ndler Festungen an den K\u00fcsten errichtet, an der Pfefferk\u00fcste, der Elfenbeink\u00fcste, der Goldk\u00fcste, der Sklavenk\u00fcste, von der Insel Arguin bis hinter die Bucht von Benin. &#8230; Nach der Entdeckung der Neuen Welt und der Ausdehnung der Zuckerplantagen wurden der Sklavenhandel und die\u00a0\u00bbMenschenjagd\u00ab zum einzig lohnenden Unternehmen. Zwischen Engl\u00e4ndern und Franzosen entbrannte ein erbitterter Kampf um die Vorherrschaft &#8230;<\/em><\/p>\n<p>Die Sklaven mussten warten, bis ein Schiff kam und die H\u00e4ndler auftauchten. Naba blickt um sich.<\/p>\n<p><em>Der Raum, in dem die Sklaven untergebracht waren, starrte vor Dreck. Sobald man hineinkam, fiiel einen der dort herrschende Geruch an. Ein Geruch von Leiden, Todeskampf und Tod. Nicht wenigen M\u00e4nnern und Frauen war es gelungen, sich das Leben zu nehmen, indem sie das ungenie\u00dfbare Essen, das man ihnen vorsetzte, verweigert hatten, und ihr Leichnam blieb dann dort liegen, mitten unter den Lebenden, bis einer der W\u00e4rter es bemerkte. Dann wurden alle ausgepeitscht, weil sie die Schuldigen nicht verraten hatten. In das gro\u00dfe Saalgew\u00f6lbe, dessen Boden mit Steinplatten gepflastert und mit Stroh ausgelegt war, drang Licht nur durch ein paar schmale, mit dicken Eisenstangen vergitterte Fenster. <\/em><\/p>\n<p><em>Die M\u00e4nner waren am Kn\u00f6chel an die Trennw\u00e4nde gekettet, und denen, die man f\u00fcr aufs\u00e4ssig hielt, wurden au\u00dferdem noch die Arme auf dem R\u00fccken gefesselt. Sie wurden nur zweimal am Tag zu den Mahlzeiten losgebunden, wenn es einen fl\u00fcssigen und klebrigen Hirsebrei gab, der derart schlecht zubereitet war, dass er oft \u00dcbelkeit und Durchfall verursachte. So vermischten sich Kot und Erbrochenes mit dem verfaulten Stroh, in dem es bereits von Insekten wimmelte. Wenn ein Sklavenschiff auf der Reede ankerte, scheuchte man M\u00e4nner und Frauen hastig hoch und \u00fcbergoss sie eimerweise mit kaltem Wasser, um sie vom Ungeziefer zu befreien. Dann schor man den M\u00e4nnern den Sch\u00e4del kahl und rieb ihren K\u00f6rper mit \u00d6l ein, um ihre Muskeln hervorzuheben, und f\u00fchrte sie in den Nebensaal, wo der Sklavenmarkt stattfand. Dort trafen die Menschenh\u00e4ndler, nachdem sie das Schiff verlassen hatten, ihre Wahl.\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Dann stellt sich Naba vor, wie es aussehen wird, wenn das Sklavenschiff mit den erworbenen Arbeitskr\u00e4ften in der Nacht auslaufen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><em>M\u00e4nner in Lader\u00e4ume eingepfercht; mit der Peitsche auf dem Oberdeck zum Tanzen gebracht. Frauen von Seeleuten vergewaltigt; Kranke und Sterbende \u00fcber Bord geworfen. Schmerzensschreie. Schreie der Auflehnung und der Angst.<\/em><\/p>\n<p>Schlie\u00dflich w\u00fcrde ein furchtbares St\u00f6hnen h\u00f6rbar werden, eine \u00bbMischung aus Schmerz und Aufruhr\u00ab, das die Sklaven ausstie\u00dfen, wenn das Schiff f\u00fcr immer die K\u00fcsten Afrikas hinter sich lie\u00df. Und dann \u00bbw\u00fcrde sich eines Tages ein Land des Exils und der Trauer am Horizont abzeichnen\u00ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weitere Artikel zum Thema:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/manipogo.de\/?p=17527\" target=\"_blank\"><em>Die Hochzeit von Haiti<\/em> <\/a>\u2014 <em><a href=\"https:\/\/manipogo.de\/?p=11251\" target=\"_blank\">Victor Schoelcher<\/a>\u00a0 \u2014 <a href=\"https:\/\/manipogo.de\/?p=17502\" target=\"_blank\">Zehn k\u00e4mpferische Frauen<\/a><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf einer Expedition einer Gruppe Bambara in Mali verschwindet spurlos ein kleiner Junge, Naba. 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