{"id":24794,"date":"2022-02-19T00:12:06","date_gmt":"2022-02-18T23:12:06","guid":{"rendered":"http:\/\/manipogo.de\/?p=24794"},"modified":"2022-02-12T23:15:48","modified_gmt":"2022-02-12T22:15:48","slug":"gespenster-aus-schweden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/manipogo.de\/?p=24794","title":{"rendered":"Gespenster aus Schweden"},"content":{"rendered":"<p>\u00bbG\u00e4nsehaut\u00ab w\u00fcnschte die schwedische Krimi-Autorin Helene Tursten (geboren 1954) ihren Lesern zum Einstieg in den Band <em>Die Frau im Fahrstuhl<\/em> (2004). Ich erz\u00e4hlte eine davon einer Kollegin, und sie sagte: \u00bbDa krieg&#8216; ich G\u00e4nsehaut.\u00ab Frau Tursten schrieb, sie habe lang in einem Krankenhaus gearbeitet und erz\u00e4hle die Episoden so, wie sie ihr erz\u00e4hlt worden seien. Ich nehme ihr das ab, hundertprozentig.\u00a0 <!--more--><\/p>\n<p>In der Literatur ist die Zeit der Geistergeschichten leider vorbei. Unsere Mitb\u00fcrger sind heute realistisch und bodenst\u00e4ndig, kaum jemand glaubt noch an Geister. Doch wenn ich mit Bewohnerinnen im Altenheim rede, erz\u00e4hlt zuweilen eine, der Schemen ihres Mannes sei neben ihr am Bett gewesen und verschwunden, als sie ihn angesprochen habe; oder eine andere, der Verstorbene sei ganz dicht bei ihr gewesen, sie habe ihn \u00bbschnaufen\u00ab geh\u00f6rt, und er habe deutlich gesagt: \u00bbSollst aufh\u00f6ren zu weinen, mir geht&#8217;s gut.\u00ab<\/p>\n<p>Ich will von den elf Geschichten in dem Tursten-Erz\u00e4hlband vier wiedergeben. Daf\u00fcr muss ich leider die Pointe verraten, doch das Buch ist ja schon 18 Jahre alt, es sei mir verziehen. Manche Geschichten kenne ich aus anderen Epochen; da gibt es ein Muster. Zum Beispiel die Sache mit <em>Brennender<\/em> <em>Hass<\/em>. Die Erz\u00e4hlerin und ihr Mann fahren mit dem Auto durch Schottland, sehen in einem abgelegenen Cottage eine Frau, die sei herwinkt, aber seltsam unbeteiligt bleibt. Sie schlafen, ersch\u00f6pft wie sie sind, im Bett ein, als pl\u00f6tzlich in der Nacht Flammen um sie z\u00fcngeln. Feuer! Sie fl\u00fcchten und fahren weg, und da stutzt der Mann: Es sei nicht hei\u00df gewesen, das Feuer, und Rauch habe es auch keinen gegeben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/036-11.jpg\" rel=\"attachment wp-att-24795\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-24795\" src=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/036-11-300x225.jpg\" alt=\"036\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/036-11-300x225.jpg 300w, https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/036-11.jpg 540w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Die beiden suchen eine Polizeistation auf, lassen sich von dem Kommissar zum n\u00e4mlichen Ort begleiten\u00a0\u2014 doch da steht kein Cottage, nur eine Ruine. Dahinter verbarg sich eine Trag\u00f6die: Annie hatte heiraten wollen, ihr Geliebter allerdings entschwand und heiratete eine andere. Als das Paar zuf\u00e4llig nach einem Schiffbruch im Cottage \u00fcbernachtete, setzte Annie das Haus in Brand, und alle kamen um. Das gibt es bisweilen, dass man durch eine \u00bbZeitfalte\u00ab in ein vergangenes Jahrhundert ger\u00e4t (dazu haben wir auf <em>manipogo<\/em> <a href=\"https:\/\/manipogo.de\/?p=17330\" target=\"_blank\">zwei Gedichte<\/a>, die auf wahren Begebenheiten beruhen) und das betreffende Haus ap\u00e4ter nie mehr wiederfindet. Und Fanny Moser, die ein Buch \u00fcber Spuk recherchiert hat, wusste von den Mimikry-Ger\u00e4uschen: Eine T\u00fcr schl\u00e4gt zu, aber es ist nur fiktiv, und Feuer bricht aus, doch es ist nur Theater.<\/p>\n<p>In <em>Feuergef\u00e4hrliche Weihnacht<\/em> geht es wieder um einen Brand. Der Erz\u00e4hler hat ein anstrengendes Weihnachtsfest hinter sich und schl\u00e4ft rasch ein, und dann:<\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/2022-01-27-0001.jpg\" rel=\"attachment wp-att-24796\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-24796\" src=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/2022-01-27-0001-300x261.jpg\" alt=\"2022-01-27-0001\" width=\"300\" height=\"261\" srcset=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/2022-01-27-0001-300x261.jpg 300w, https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/2022-01-27-0001.jpg 540w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Ich erwachte davon, dass mir jemand hart auf die Brust schlug. Ich meine mich zu erinnern, drei Schl\u00e4ge gesp\u00fcrt zu haben. Als ich mich im Bett aufsetzte, um zu sehen, was los war, sah ich zu meiner \u00dcberraschung eine dunkle Gestalt am Fu\u00dfende meines Bettes stehen. Als ich etwas benommen fragte, was mich geweckt habe, streckte die schemenhafte schwarze Gestalt nur den Arm aus und deutete auf die offene Schlafzimmert\u00fcr. Die wei\u00dfen Schrankt\u00fcren in der Diele reflektierten einen schwachen Lichtschein. Mit einem Mal war ich hellwach. Es brannte!<\/em><\/p>\n<p>Sie hatten eine Kerze vergessen. Wer der Warner war, fanden sie nicht heraus. Vielleicht ein verstorbener Verwandter oder ein Engel.<\/p>\n<p><em>Jenseits von Cyberspace<\/em> ist am gelungensten. Sven wird pensioniert, da stirbt seine geliebte Frau Anna. Ein Jahr braucht er, um sich davon zu erholen. Er m\u00f6chte umziehen \u2014 nach Fridendamm. Ihm wird erkl\u00e4rt, dass er acht Jahre warten m\u00fcsse. Doch, o Wunder, nach acht Wochen kann er umziehen. Sven m\u00f6chte bei einer Reise zu Weinorten an der Loire dabeisein, doch: zwei Jahre Wartezeit. In der Woche darauf erh\u00e4lt er den Anruf: Sie k\u00f6nnen mitfahren. <a href=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/2022-01-27-0002.jpg\" rel=\"attachment wp-att-24797\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-24797\" src=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/2022-01-27-0002-217x300.jpg\" alt=\"2022-01-27-0002\" width=\"217\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/2022-01-27-0002-217x300.jpg 217w, https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/2022-01-27-0002.jpg 540w\" sizes=\"auto, (max-width: 217px) 100vw, 217px\" \/><\/a>Sven ist begl\u00fcckt und denkt sich nichts dabei. Dann stehen zwei Rettungssanit\u00e4ter vor der T\u00fcr. Sie sollten ihn in die Notaufnahme des Krankenhauses bringen, sagen sie, doch sie seien eine Stunde zu fr\u00fch. Sven sagt: Missverst\u00e4ndni. Er schickt die M\u00e4nner weg. Pl\u00f6tzlich bekommt er eine Mail und liest:<\/p>\n<p><em>\u00bbSven! Du h\u00e4ttest den Krankenwagen nicht wegschicken sollen!\u00a0\u2014 A.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>Sven hat nur zehn Sekunden, um sich zu wundern, dann schie\u00dft ihm ein wahnsinniger Schmerz in den linken Arm, sein Herz f\u00e4ngt an zu pochen, er st\u00fcrzt zu Boden und ist tot.<\/p>\n<p>Und was ist mit der <em>Frau am Fahrstuhl<\/em>, die immer um Mitternacht hochfuhr in die B\u00fcroetage und zur\u00fcckkam, im gr\u00fcnen Kost\u00fcm und eleganten Schuhen, eine junge Frau? Die Krankenschwestern verfolgen sie, doch sie gleitet irgendwie \u00fcber den Rasen und verschwindet in einem kleinen Geh\u00f6lz. Recherchen ergeben: Sie war mit dem alten Chefarzt verheiratet, hatte eine Aff\u00e4re mit einem jungen Arzt und verschwand mit ihm nach Amerika. So sagte man. Andere wollten wissen, der Chefarzt habe das Paar in sein B\u00fcro gelockt, es get\u00f6tet und in dem Geh\u00f6lz verscharrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbG\u00e4nsehaut\u00ab w\u00fcnschte die schwedische Krimi-Autorin Helene Tursten (geboren 1954) ihren Lesern zum Einstieg in den Band Die Frau im Fahrstuhl (2004). Ich erz\u00e4hlte eine davon einer Kollegin, und sie sagte: \u00bbDa krieg&#8216; ich G\u00e4nsehaut.\u00ab Frau Tursten schrieb, sie habe lang in einem Krankenhaus gearbeitet und erz\u00e4hle die Episoden so, wie sie ihr erz\u00e4hlt worden seien. 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