{"id":25202,"date":"2022-03-08T01:15:39","date_gmt":"2022-03-08T00:15:39","guid":{"rendered":"http:\/\/manipogo.de\/?p=25202"},"modified":"2026-05-26T22:41:57","modified_gmt":"2026-05-26T20:41:57","slug":"die-schlauen-frauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/manipogo.de\/?p=25202","title":{"rendered":"Die schlauen Frauen"},"content":{"rendered":"<p>Gegen diesen Titel konnte ich mich nicht wehren. Erst hatte ich <em>Die wissenden Frauen<\/em> schreiben wollen, was den Titel <em>Les femmes savantes<\/em> von Moli\u00e8res Lustspiel besser wiedergibt, doch der Effekt hat gesiegt. Das Theaterst\u00fcck wurde vor 350 Jahren zum ersten Mal in Paris aufgef\u00fchrt (genau am 11. M\u00e4rz 1672), und das passt perfekt f\u00fcr heute, den Internationalen Frauentag. <!--more--><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/Ch\u00e2teau_de_Chantilly_Pierre_Mignard_portrait_of_Moli\u00e8re.jpg\" rel=\"attachment wp-att-25203\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-25203\" src=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/Ch\u00e2teau_de_Chantilly_Pierre_Mignard_portrait_of_Moli\u00e8re-268x300.jpg\" alt=\"Ch\u00e2teau_de_Chantilly,_Pierre_Mignard,_portrait_of_Moli\u00e8re\" width=\"248\" height=\"277\" srcset=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/Ch\u00e2teau_de_Chantilly_Pierre_Mignard_portrait_of_Moli\u00e8re-268x300.jpg 268w, https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/Ch\u00e2teau_de_Chantilly_Pierre_Mignard_portrait_of_Moli\u00e8re.jpg 330w\" sizes=\"auto, (max-width: 248px) 100vw, 248px\" \/><\/a>Ich erinnere mich, dass ich vor 5 Jahren am Frauentag in Frankreich war und heimfahren wollte. In einer Tankstelle \u2014 nach dem Auftanken vor der Autobahn \u2014 sah ich das Buch und nahm es gegen eine kleine Geb\u00fchr mit. Das passte!<\/p>\n<p>Am 1. und am 9. M\u00e4rz 1672 hatte Moli\u00e8re aus dem St\u00fcck bei einem Verleger und einem Bischof \u00f6ffentlich vorgelesen, und am Tag nach der Urauff\u00fchrung wurde es im <em>Mercure galant<\/em> annonciert als <em>une pi\u00e8ce achev\u00e9e<\/em>, ein Meisterwerk. Daran ist nicht zu zweifeln. <em>Les femmes savantes<\/em> ist eines der am h\u00e4ufigsten gespielten St\u00fccke Moli\u00e8res und hatte auch noch im 20. Jahrhundert Erfolg. F\u00fcr den Meister selbst war es das vorletzte St\u00fcck aus seiner Feder; er verfasste noch <em>Der eingebildete<\/em> <em>Kranke<\/em>, den er selber spielte, und nach wenigen Auff\u00fchrungen brach er zusammen und starb, erst 52 Jahre alt. Am 15. Januar vor 400 Jahren war Moli\u00e8re als Jean-Baptiste Poquelin in Paris zur Welt gekommen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/2022-02-15-0004.jpg\" rel=\"attachment wp-att-25212\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-25212\" src=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/2022-02-15-0004-185x300.jpg\" alt=\"2022-02-15-0004\" width=\"185\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/2022-02-15-0004-185x300.jpg 185w, https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/2022-02-15-0004.jpg 540w\" sizes=\"auto, (max-width: 185px) 100vw, 185px\" \/><\/a>Moli\u00e8re macht sich nat\u00fcrlich \u00fcber klug sein wollende Frauen lustig, doch so war die Einstellung damals. Man musste den Geschmack des K\u00f6nigshofs und der Salons treffen, in denen die sich trafen, die etwas zu sagen hatten. Moli\u00e8re musste sogar die Erlaubnis des K\u00f6nigs einholen, um das St\u00fcck produzieren zu k\u00f6nnen, und die erhielt er am 13. M\u00e4rz 1670. In zwei Jahren schaffte er es. Der Theaterautor schloss einen ironischen Pakt mit seinem Publikum, der in jedem Akt bekr\u00e4ftigt wird. Gesprochen wird in Reimen, und das gef\u00e4llt mir besonders gut. Wieder hat es mir Spa\u00df gemacht, einige Stellen ins Deutsche zu \u00fcbertragen. Zum Inhalt:<\/p>\n<p>Der brave B\u00fcrger Chrysalis ist mit der gestrengen Philaminte verheiratet, die er f\u00fcrchtet. Ihre T\u00f6chter hei\u00dfen Armande (die \u00e4ltere) und Henriette. Chrysalis hat einen Bruder, Ariste, und eine Schwester, B\u00e9lise. Dann gibt es noch Clitandre, einen aufrechten jungen Mann, und Trissotin, einen miserablen Dichter und abgrundtiefen Schw\u00e4tzer, die beide Henriette f\u00fcr sich gewinnen wollen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/2022-02-15-0005.jpg\" rel=\"attachment wp-att-25214\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-25214\" src=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/2022-02-15-0005-172x300.jpg\" alt=\"2022-02-15-0005\" width=\"172\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/2022-02-15-0005-172x300.jpg 172w, https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/2022-02-15-0005.jpg 496w\" sizes=\"auto, (max-width: 172px) 100vw, 172px\" \/><\/a>Armande ist zu Beginn des 1. Akts entsetzt, dass sich Henriette verheiraten will, doch nichts hilft. Clitandre macht klar, dass er Henriette liebt, doch B\u00e9lise, Chrysalis&#8216; Schwester, will davon nichts wissen. Sie h\u00f6rt nur, was sie h\u00f6ren will und glaubt, dass alle M\u00e4nner in sie verliebt sind; dahingehend deutet sie alle Zeichen, Henriette ist also f\u00fcr sie nur ein Vorwand. (<em>Links: Armande B\u00e9jart, die in der Urauff\u00fchrung Henriette spielte, nicht Armande<\/em>) B\u00e9lise:<\/p>\n<p><em>Ah, ein Umweg, wie geistreich, das muss man loben, <\/em><br \/>\n<em>ein ganz kluger Schachzug, inspiriert von oben.<\/em><br \/>\n<em>In allen Romanen, die mir kamen vor Augen,\u00a0<\/em><br \/>\n<em>konnte das wunderbar als Verf\u00fchrungstrick taugen.<\/em><\/p>\n<p>Im 2. Akt wendet sich Ariste an seinen Bruder Chysalis, um ihn f\u00fcr die Verbindung Clitandre\/Henriette g\u00fcnstig zu stimmen. Der Bewerber hat zwar erkl\u00e4rt, dass er nicht unbedingt eine schlaue Frau braucht, doch er liebt Henriette und wird wiedergeliebt. Chrysalis ist einverstanden. Ist er nicht der Herr des Hauses? Die Hochzeit wird stattfinden. Indessen hat Philaminte der treuen K\u00f6chin Martine gek\u00fcndigt, weil diese so schlampig spricht. Chrysalis:<\/p>\n<p><em>Wen st\u00f6rt&#8217;s, wenn sie die Grammatik verletzt?<\/em><br \/>\n<em>Es ist ihre Kochkunst, die man sehr sch\u00e4tzt.<\/em><\/p>\n<p>Dann h\u00e4lt er einen langen Monolog gegen schlaue Frauen und Schw\u00e4tzer und schlie\u00dft mit den Worten:<\/p>\n<p><em>Ich mag diese Leute nicht mit ihrem Latein.<\/em><br \/>\n<em>Und ihr fallt auf diesen Trissotin herein.<\/em><\/p>\n<p>K\u00f6stlich ist der 3. Akt. Atmande, B\u00e9lise und Philaminte beten Trissotin geradezu an und beknien ihn, ihnen sein neuestes Sonett vorzutragen, und er willigt ein, tr\u00e4gt vor, und alle sind hingerissen. Was f\u00fcr ein Stil! Genial! Ein Gast trifft ein, der gefeierte Dichter Vadius. Trissotin fragt ihn sch\u00fcchtern, ob er vielleicht ein neues Sonett kenne (das seine), k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p><em>Trissotin: Kennen Sie den Autor? Vadius: Nein, aber geehrt<\/em><br \/>\n<em>muss er sich nicht f\u00fchlen, denn das Sonett ist nichts wert. <\/em><\/p>\n<p><em>Tr: Viele Menschen es unendlich bewundern!<\/em><br \/>\n<em>V: Es ist miserabel, drum tut mich das wundern.<\/em><\/p>\n<p>Dann sagt Trissotin Vadius, dass er der Autor sei, und der gro\u00dfe Poet ist betroffen und meint, vielleicht habe er das etwas zerstreut wahrgenommen; dennoch bricht ein heftiger Streit zwischen den beiden aus. Im 4. Akt weist Philaminte Clitandre ab: Trissotin wird der Gemahl ihrer j\u00fcngsten Tochter werden, der Notar ist bestellt, gleich am Abend wird die Verm\u00e4hlung stattfinden. Clitandre und Trissotin beharken sich, und die Liebenden (Henriette und Clitandre) nehmen Abschied. Denn im 5. Akt trifft der Notar ein und beginnt die Unterhandlungen, als Ariste sie unterbricht:<\/p>\n<p><em>Ich bedaure, das frohe Geheimnis zu st\u00f6ren.\u00a0<\/em><br \/>\n<em>Ich bringe Kummer, den keiner will h\u00f6ren.<\/em><\/p>\n<p>Denn: der <em>coup de th\u00e9\u00e2tre<\/em>. Zwei Briefe sind zu verlesen. Ein Gerichtsverfahren wurde verloren, das Verm\u00f6gen der Familie ist sozusagen dahin, worauf Trissotin hastig seinen R\u00fcckzug ank\u00fcndigt:<\/p>\n<p><em>Madame, lassen Sie ab von diesem Projekt.<\/em><br \/>\n<em>Es gibt zuviel Widerstand, wie man jetzt entdeckt. <\/em><br \/>\n<em>Ich mag&#8217;s nicht, wenn ich gegen alle mich stell&#8216;.<\/em><br \/>\nPhilaminte:<br \/>\n<em> Sie \u00e4ndern Ihre Meinung aber schnell.<\/em><\/p>\n<p>Citandre springt ein und umarmt Henriette, wonach Ariste ganz cool verk\u00fcndet:<\/p>\n<p><em>Die Richtigen werden zur Ehe verbunden.<\/em><br \/>\n<em>Und ich sag euch nun, die Nachrichten waren erfunden.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gegen diesen Titel konnte ich mich nicht wehren. Erst hatte ich Die wissenden Frauen schreiben wollen, was den Titel Les femmes savantes von Moli\u00e8res Lustspiel besser wiedergibt, doch der Effekt hat gesiegt. 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