{"id":29568,"date":"2023-03-14T00:37:11","date_gmt":"2023-03-13T23:37:11","guid":{"rendered":"http:\/\/manipogo.de\/?p=29568"},"modified":"2024-10-11T21:54:18","modified_gmt":"2024-10-11T19:54:18","slug":"monk-der-moench","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/manipogo.de\/?p=29568","title":{"rendered":"Monk, der M\u00f6nch"},"content":{"rendered":"<p>Ich war 16 Jahre alt, schon eingeweiht in die Rockmusik, und trieb mich gern im Schallplattenladen von F\u00fcrstenfeldbruck herum, nur um zu schauen; 19,90 Mark f\u00fcr eine Platte war viel Geld. Ich wollte Jethro Tull oder Deep Purple oder Genesis, aber magisch zogen mich die spartanischen H\u00fcllen der Jazz-Platten an. Auf einer stand ein r\u00e4tselhafter Name: Thelonious Monk. <!--more--><\/p>\n<p>Jazz kaufte ich nie, aber damals schon, vor 50 Jahren, ging von diesem Namen auf den Platten-Covers eine eigent\u00fcmliche Faszination aus. Erst jetzt wird mir bewusst, dass ich irgendwie vermutete, dahinter m\u00fcsse sich ein Geheimnis verbergen. Der US-Pianist <strong>Thelonious Sphere Monk<\/strong>, der von 1917 bis 1982 lebte, war ein Solit\u00e4r, eine Art M\u00f6nch, wie sein Name sagt. Der Franzose Peter Szendy (geboren 1966) hat in seinem Buch <em>Membres Fant\u00f4mes<\/em> (2002) auch \u00fcber Monk geschrieben, und das m\u00fcssen wir erst wissen.<\/p>\n<p>Monk war ein r\u00e4tselhafter Mensch, vergraben in seine Musik, schwerm\u00fctig und isoliert. Er lebte lange bei seiner Mutter und konnte sich ungest\u00f6rt aufs Komponieren und Spielen konzentrieren. Zwar heiratete er, und seine Frau Nellie gebar sogar einen Sohn, aber der Vater war abwesend, blieb manchmal tagelang unauffindbar, und seine Frau k\u00fcmmerte sich immer gut um ihn, weil er in der Welt so hilflos war. Sp\u00e4ter, ab 1970, verstummte Monk, versank in Depressionen und r\u00fchrte sein Instrument nicht mehr an. Leben ist schwer. Man sollte im <em>Wikipedia<\/em>-Artikel \u00fcber ihn (in der zweiten H\u00e4lfte) das Kapitel <span style=\"text-decoration: underline;\"><em>Der Mensch Thelonious Monk<\/em> <\/span>lesen, das ist gro\u00dfartig geschildert, da versteht man mehr. (<em>Endlich mal ein Lob f\u00fcr Wikipedia, auf das wir nicht verzichten k\u00f6nnen, ehrlich. Ich seh&#8217;s ja ein<\/em>.)<\/p>\n<p>Peter Szendy schreibt \u00fcber die Legende Monk, sie (er) habe die Erfahrung der Distanz gemacht, der Distanz von sich zu sich, was er immer wieder mit einem Instrument ausgedr\u00fcckt habe.<\/p>\n<p><em>Das ist es, was man h\u00f6rt, wenn er solo spielt. Seine linke Hand bewegt sich unbeirrt im alten Stil \u00bbstride\u00ab: eine Bass-Note auf dem ersten Tempus, einen Akkord auf dem zweiten, und so weiter, ins Unendliche, unerm\u00fcdlich. (&#8230;) W\u00e4hrend seine rechte Hand um so agiler auftritt, anrempelnd, dissonant, launenhaft, insistierend, sich wiederholend, eckig, machmal gewollt linkisch, ja, \u00bblinks\u00ab. &#8230; Immer unvorhersehbar agierend, scheint sie die andere Hand zu ignorieren, die linke da dr\u00fcben, die so regelhaft bleibt und streng und rechthaberisch, fast gleichg\u00fcltig.<\/em><br \/>\n<em> Zwischen ihnen liegt mehr als nur eine Dissonanz im Stil: eine Welt liegt zwischen ihnen. Ein aufmerksamer Zeuge \u2014 ein Pianist, der ihm oft zugeh\u00f6rt hat\u00a0\u2014 konnte schreiben: \u00bbLinks die Klassik, rechts die Moderne. Man zieht die linke Hand zur\u00fcck, und man h\u00f6rt Monk zwanzig Jahre sp\u00e4ter. Ohne die rechte Hand ist es der Jazz von vor zwanzig Jahren.\u00ab Wenn ich richtig rechne, liegen also zwischen seinen beiden H\u00e4nden vierzig Jahre. (&#8230;)<\/em><br \/>\n<em>Manchmal bin ich versucht, mir zu denken, dass zwischen den beiden H\u00e4nden von Monk auch Jahrhunderte liegen k\u00f6nnten. Vielleicht auch Jahrtausende, zwischen seiner rechten Hand, die manchmal so links wirkt und der linken, die immer rechtschaffen unterwegs ist.<\/em><\/p>\n<p>Vielleicht k\u00f6nnen dies nur Pianisten und Pianistinnen voll und ganz w\u00fcrdigen. Thelonious Monk stand manchmal sogar auf, wenn er im Ensemble spielte, und tat ein paar t\u00e4ppische Tanzschritte, sichtlich au\u00dfer sich. Oder er tappte mit den F\u00fc\u00dfen in der Luft, spielte auch da den Bass. \u2014 Das mit den H\u00e4nden ist etwas \u00c4u\u00dferliches. Monk spielte tats\u00e4chlich auch anders. Wenn wir gleich von ihm <em>Caravan<\/em> h\u00f6ren, erkennen wir die Melodie kaum: Sie ist zerst\u00fcckelt, dekonstruiert, als vages Motiv unter den B\u00e4ssen ahnbar, doch es schwingt und treibt sich voran; das war eben das ureigenste Verst\u00e4ndnis des M\u00f6nchs von Jazz.<\/p>\n<p>Doch nun sehen wir uns einen 20 Minuten dauernden <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ZzWjR6xO-BE\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mitschnitt von Monk bei den Berliner Jazztagen 1969<\/a> an, wobei die Kamera eingehend seine H\u00e4nde und Finger zeigt, und wir sehen vielleicht, was Szendy uns erl\u00e4uterte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich war 16 Jahre alt, schon eingeweiht in die Rockmusik, und trieb mich gern im Schallplattenladen von F\u00fcrstenfeldbruck herum, nur um zu schauen; 19,90 Mark f\u00fcr eine Platte war viel Geld. 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