{"id":3125,"date":"2013-04-28T00:32:33","date_gmt":"2013-04-27T22:32:33","guid":{"rendered":"http:\/\/manipogo.de\/?p=3125"},"modified":"2016-03-22T17:32:35","modified_gmt":"2016-03-22T16:32:35","slug":"psi-experimente-ii-die-parapsychologie-im-labor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/manipogo.de\/?p=3125","title":{"rendered":"Psi-Experimente (II): Die Parapsychologie im Labor"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: small;\">Hier Folge II des dritten Essays. Wir begeben uns wieder einmal ins Labor und schauen uns an, wie der Amerikaner Joseph Banks Rhine arbeitete, der zun\u00e4chst Jenseitsforschung betreiben wollte. Die W\u00fcrfelexperimente hatten wir schon einmal, dieses Mal geht es um die Karten;<\/span><span style=\"font-size: small;\"> eigentlich kann man das selbst ausprobieren. Die Farbe jeder Karte raten (Karo usw.) lassen. 25 Prozent ist das Zufallsergebnis, 30 Prozent w\u00e4re sensationell.\u00a0\u00a0<!--more--> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Nach dem Ersten Weltkrieg schlief der \u00bbmoderne Spiritualismus\u00ab langsam ein. Es hatte auch gen\u00fcgend Betr\u00fcger gegeben und Sensationshascher, und die Welt war technischer und rationaler geworden. Schon 1884 dachte Charles Richet dar\u00fcber nach, wie man die Wahrscheinlichkeitstheorie in der Psychologie einsetzen k\u00f6nne, doch der mathematische Apparat wurde erst sp\u00e4ter, in den 1920-er Jahren entwickelt. 1927 zog Joseph Banks Rhine (1895-1980) mit seiner Frau Louisa in Durham ein und gr\u00fcndete das Duke University Laboratory, und dieses Ereignis gilt allgemein als der Beginn der experimentellen Laborphase in der Parapsychologie.<\/span><span style=\"font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Auch hier gab es Vorl\u00e4ufer, etwa den Franzosen Ren\u00e9 Warcollier, der lange Jahre Telepathie-Versuche angestellt hatte sowie den amerikanischen Literaten Upton Sinclair, dessen Buch <em>Mental Radio<\/em> 1929 gro\u00dfen Erfolg hatte. Seine Frau Mary Craig (ein begabtes Medium) zeichnete in Long Beach (Kalifornien) ihre Impressionen auf, w\u00e4hrend ihr Schwager Bob in Pasadena sich auf ein Bild konzentrierte, 290 Mal in einem Jahr und h\u00f6chst erfolgreich. Rhine, den man gern \u00bbJ. B. Rhine\u00ab nannte, lie\u00df den Psychologen Karl Zener ein Kartenspiel entwickeln, das genial einfach war: f\u00fcnf Symbole (Kreis, Viereck, Stern, Kreuz, Wellenlinien), die je f\u00fcnf Mal vertreten waren. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Nun war es m\u00f6glich, Telepathie zu testen, indem ein Teilnehmer vom Stapel eine Karte nahm und sich auf sie konzentrierte, w\u00e4hrend \u2013 weit entfernt \u2013 ein anderer zu raten versuchte, um welches Symbol es sich handelte. F\u00fcr Hellsehen gen\u00fcgte es, die Karte aufzunehmen und wegzulegen: Der \u00bbSeher\u00ab w\u00fcrde seinen Eindruck sich nicht vom Partner holen, sondern direkt vom Objekt. Der Film <em>Ghostbusters<\/em> von Ivan Reitman (1984) beginnt mit einer Persiflage derartiger Versuche, wenn Dr. Peter Wenkman (<em>Bill Murray<\/em>) zwei Versuchspersonen traktiert. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Dann wird nachgez\u00e4hlt, und man w\u00fcrde, regierte der Zufall, auf 20 Prozent kommen. Doch bei den ersten 800 Versuchen ergaben sich schon 26 Prozent! So ging das weiter. Unglaublich begabte Versuchspersonen stellten sich ein, und die \u00fcberzuf\u00e4lligen Ergebnisse konnten sich halten. Berechnet wird das mit der <em>Mean Chance Expectation<\/em> (MCE): Anzahl der Trials geteilt durch die Anzahl der m\u00f6glichen Alternativen. Diese Zufalls-Erwartung wird vom z-Wert ausgedr\u00fcckt, der je kleiner ist, desto weniger der Zufall mitspielt. Ein z-Wert von unter 0,05 ist das Ziel. 1934 ver\u00f6ffentlichte Rhine sein Buch <em>Extra-sensory Perception<\/em> (Au\u00dfersinnliche Wahrnehmung), ein unerh\u00f6rt einflussreiches Buch. War das nun, fragte sich der Historiker John Beloff, der definitive Beweis? <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Sch\u00f6n w\u00e4re es gewesen. Jedoch stellten sich, hinterher betrachtet, zwei Ph\u00e4nomene ein, die nicht aufgeh\u00f6rt haben, die Parapsychologen zu beunruhigen. Erstens der \u00bbExperimenter effect\u00ab. Wer seine Leute zu motivieren versteht, erh\u00e4lt gute Ergebnisse. 1964 schrieb Rhine in einem Vorwort begeistert \u00fcber die fr\u00fchen Jahre in Duke: \u00bbWo hat es je ein solches Teamwork, einen vergleichbaren Teamgeist, eine vergleichbare Atmosph\u00e4re gegeben?\u00ab Die Leute mochten sich und sch\u00e4tzten ihren Versuchsleiter Rhine \u2013 und so kamen \u00fcberzuf\u00e4llige Ergebnisse heraus. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Der Student Hubert Pearce war fast drei Jahre der Star: Manchmal hatte er 10 Treffer hintereinander, und auch 25 hintereinander gab es. Bei Psi geht es um Menschen. Motivation und Freude spielen eine gro\u00dfe Rolle. Langeweile ist der Feind von Psi-Ph\u00e4nomenen. Die Forscher versuchten dabei immer wieder, die Randbedingungen zu variieren. Wie geht es mit Hypnose, wie mit Beruhigungsmitteln, wie mit anregenden Mitteln? <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">1964 jedenfalls waren die gro\u00dfen Talente aus Duke verschwunden, und die Zahlen waren geschrumpft. Das ist der bekannte \u00bbDecline effect\u00ab, der Absinkungseffekt. Auch wenn man frische Leute ins Spiel bringt und alles versucht: Nach einer gewissen Zeit stellen sich die ersten Erfolge nicht mehr ein, und das ist so frustrierend wie unvermeidlich. So ging es den Rhines (Louisa sammelte sch\u00f6ne Spontanph\u00e4nomene, der Mann stellte sich diszipliniert der Laborarbeit) auch bei ihren Versuchen \u00fcber Psychokinese und Pr\u00e4kognition. Und noch \u00e4rgerlicher: Je st\u00e4rker der Effekt zu Beginn, desto schneller verschwindet er. <\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-size: small;\">Tr\u00e4ume und Ganzfeld<\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">1964, als Joseph Banks Rhine vertr\u00e4umt zur\u00fcck blickte, fingen im <em>Maimonides Medical Center<\/em> in Brooklyn, New York, ein paar Forscher mit Traumexperimenten an. Das hie\u00df <em>Traumtelepathie<\/em> und erinnert an die Traum-Inkubation, die\u00a0in der griechischen Antike im \u00bbPsychomanteum\u00ab betrieben wurde. Ein Proband legte sich zum Schlafen hin, ein anderer in einem Nebenraum konzentrierte sich auf ein zuf\u00e4llig ausgew\u00e4hltes Bild und \u00bbschickte\u00ab es ihm telepathisch \u00bbzu\u00ab. Sobald die Traumphase mit dem Ph\u00e4nomen des REM (<em>Rapid Eye Movement<\/em>) begann, weckte man den Tr\u00e4umer und lie\u00df ihn den Traum aufschreiben und Zeichnungen beif\u00fcgen. Dann wurde verglichen, und eine Zahl zwischen 1 und 100 gab den Grad der \u00dcbereinstimmung an.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Das unterscheidet sich von den Rhine&#8217;schen Experimenten mit den <em>Forced-choice-tests<\/em> (erzwungene Wahl), bei denen man bequem z\u00e4hlen konnte. Hier nun ging es um <em>Free-Response-Versuche<\/em>, also detaillierte Angaben in Worten, die schwieriger statistisch zu behandeln sind. Stanley Krippner und zehn Jahre sp\u00e4ter Montague Ullman waren die Versuchsleiter, und dabei \u2013 es war die Pop-\u00c4ra \u2013 wurden die Forscher kreativ. Bei einem Konzert der Band <em>Grateful Dead<\/em> wurden \u00fcber Leinw\u00e4nde die Tausenden Besucher darum gebeten, sich auf einem Tr\u00e4umer zu konzentrieren und ihm eine Bildbotschaft zuzusenden. Im ganzen waren die Ergebnisse nicht \u00fcberw\u00e4ltigend, und 1978 musste das Maimonides-Center wegen Geldmangels schlie\u00dfen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Ganz ohne Erfolge blieben die Jahre nach Rhine nicht. 1969 war es der\u00a0 1957 \u00a0von ihm gegr\u00fcndeten \u00bbParapsychological Association\u00ab gelungen, von der Dachorganisation der US-Wissenschaften, der American Association for the Advancement of Science (AAAS), aufgenommen zu werden. Es war ein viel bejubelter Durchbruch. Zehn Jahre sp\u00e4ter, 1979, wollte sie der Physiker John Archibald Wheeler hinauswerfen lassen, und sein Schlachtruf \u00bbWerft die \u203aPseudos\u2039 hinaus aus der Werkstatt der Wissenschaften!\u00ab wurde legend\u00e4r. Doch die \u00bbPseudos\u00ab durften bleiben.\u00a0 <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier Folge II des dritten Essays. 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