{"id":3172,"date":"2013-05-30T01:21:02","date_gmt":"2013-05-29T23:21:02","guid":{"rendered":"http:\/\/manipogo.de\/?p=3172"},"modified":"2016-03-22T17:26:49","modified_gmt":"2016-03-22T16:26:49","slug":"psi-experimente-v-psi-und-die-quanten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/manipogo.de\/?p=3172","title":{"rendered":"Psi-Experimente (V): Psi und die Quanten"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: small;\">Man kann sagen, dass ich seit 20 Jahren mit der Quantentheorie umgehe und sie auch einigerma\u00dfen begreife. Sie ist faszinierend und so anders als der Alltag, was auch das Problem ist: Denn im Alltag spielt sie keine Rolle, es ist eine Theorie f\u00fcr die kleinsten Teilchen des Universums, und so kann man sie leicht ignorieren. Dies ist der letzte Teil des Essays \u00fcber Psi-Experimente. <!--more--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">In den 1980-er Jahren hatten B\u00fccher wie <em>Das Tao der Physik<\/em> von Fritjof Capra und <em>Der Quantensprung ist keine Hexerei<\/em> von Fred Alan Wolf gro\u00dfen Erfolg. Die Quantentheorie, die Ende der 1920-er Jahre ausgereift dastand, schien von der \u00d6ffentlichkeit bemerkt zu werden \u2013 nicht zur Freude der Physiker, denn die Popularisierung verzerrte das, was man wei\u00df; und man wei\u00df, dass man wenig wei\u00df.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Was wir jedoch wissen, ist, dass im Bereich der kleinsten Teilchen, die wir mit blo\u00dfem Auge nicht sehen k\u00f6nnen, andere Gesetze regieren als in der klassischen Physik. Es sind zwei Welten. Die Quantenwelt ist objektiv, aber objektlos; man kann die Spur von Elektronen sehen, aber nichts \u00fcber sie aussagen; die Bewegungen derTeilchen sind diskontinuierlich und folgen der Wahrscheinlichkeit; Licht kann als Welle oder Teilchen auftreten. Und: <em>Die Beobachtung ist alles<\/em>: Sie entscheidet. Das Bewusstsein ist also der gro\u00dfe \u00bbPlayer\u00ab. Bei uns steht im Brief <em>ja<\/em> oder <em>nein<\/em>, bevor wir ihn \u00f6ffnen; in der Quantenwelt herrscht nur eine Wellenfunktion, eine \u00dcberlagerung der M\u00f6glichkeiten, ein <em>janein<\/em>.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Albert Einstein gefiel das nicht. Er meinte: \u00bbIch kann mir nicht vorstellen, dass eine Maus das Universum nur dadurch, dass sie es betrachtet, ver\u00e4ndern k\u00f6nnte.\u00ab Tiere k\u00f6nnen aber tats\u00e4chlich Beobachter sein, selbst Apparate sind es, da von Menschen gemacht, und Wissenschaftler meinen, dass die dauernde Beobachtung, verst\u00e4rkt durch R\u00fcckkopplung, f\u00fcr die Gestalt des Universums verantwortlich ist.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Einstein hielt Elektronen f\u00fcr eine Art Gewehrkugeln, w\u00e4hrend der D\u00e4ne Niels Bohr behauptete: Sie sind keine Objekte, bleiben nach dem Abschuss unsichtbar und tauchen am Ziel wieder auf, plopp! Einstein stellte also mit seinen Kollegen Podolsky und Rosen ein Gedankenexperiment mit zwei verkoppelten Elektronen an, die in entfernte Weltgegenden geschossen werden. Wir stellen uns daf\u00fcr ein Ehepaar vor. Wenn der Mann ein rotes T-Shirt tr\u00e4gt, hat die Frau ein gr\u00fcnes an und umgekehrt. Die Frau fliegt nach Helsinki, der Mann nach Hawaii.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Wenn die Frau in Helsinki ein rotes Hemd tr\u00e4gt, wird der Mann auf Hawaii ein rotes tragen \u2013 oder umgekehrt; und die \u00dcberpr\u00fcfung wird uns Recht geben. Als h\u00e4tten sie sich abgesprochen. Das h\u00e4tten sie nur mit einem \u00dcberlichtgeschwindigkeits-Signal tun k\u00f6nnen: unm\u00f6glich. Diese \u00bbgeisterhafte Fernwirkung\u00ab, wie Einstein sie nannte, ist eine <em>nicht-lokale Korrelation<\/em> \u2013 eine sofortige Verbindung, bei der Entfernung keine Rolle spielt \u2013 und paradox, darum hei\u00dft das Experiment <em>EPR-Paradoxon<\/em>. Doch konnte sich der Gelehrte damit tr\u00f6sten, die Entscheidung sei schon vor dem Abschuss gefallen wie beim Brief: Schon bei der Abreise h\u00e4tten sich die Eheleute geeinigt: du rot, ich gr\u00fcn. Aber: falsch.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">John Stewart Bell (1928\u20131990) wies 1965 mit der nach ihm benannten (Bellschen) Ungleichung nach, dass man bei der Abreise einfach nicht wissen kann, wer welches Hemd tr\u00e4gt; dies ist in der quantenphysikalischen Beschreibung nicht eingeschlossen. Solange man nicht hinschaut, herrscht eine \u00bbSuperposition\u00ab, die \u00dcberlagerung beider Zust\u00e4nde \u2013 also <em>gr\u00fcnrot<\/em>, vielleicht<em> gestreift <\/em>oder<em> kariert<\/em>. Die Beobachtung erst f\u00fchrt zum \u00bbZusammenbruch der Wellenfunktion\u00ab und zur Festlegung. Die Bellsche Ungleichung sagt also, dass die Welt im tiefsten Grunde nicht-lokal ist, nicht kausal, nicht festgelegt, \u00bbverschmiert\u00ab, verschwommen, in ihren M\u00f6glichkeiten zitternd. Alle M\u00f6glichkeiten sind gleichzeitig potenziell vorhanden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Wir k\u00f6nnten sogar sagen, diese Worte hier seien, bevor sie jemand liest, unklares, undefiniertes Material. Erst wenn eine Leserin oder ein Leser hinschaut, entscheidet sich ihr Sinn, fangen sie an zu leben. Oder: Quantenwellen sind wie literarische Charaktere, die au\u00dferhalb ihrer Beschreibung nicht existieren und dennoch leben. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Quantenphysik und Systemtheorie machen sich auch in der Parapsychologie geltend. Die alte Ansicht, dass es sich bei Telepathie und Psychokinese um \u00bbEinfl\u00fcsse\u00ab oder \u00bbSignale\u00ab handle, war unhaltbar geworden.<\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-size: small;\">Psi-Ph\u00e4nomene als nichtlokale Korrelationen<\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Ein neuer Ansatz fasst Mensch und Maschine zu einem System zusammen. Das Verhalten eines solchen \u00bbnichtklassischen\u00ab Systems h\u00e4ngt von der Beobachtung ab, und in diesem System kommt es zu erstaunlichen \u00bbZuf\u00e4llen\u00ab, den nichtlokalen Korrelationen: Psi-Ph\u00e4nomene. Dem Zufall kann man nachhelfen. Bei einem Freiburger Versuch konnten die Teilnehmer mit Knopfdruck den n\u00e4chsten Zufallsschub starten; sie konnten dies mit der linken oder rechten Hand tun. Aufgabe des ersten Zyklus war es, ein Band auf einer Grafik in die Mitte zu r\u00fccken, im zweiten, es in der Mitte zu halten, im dritten, es nach oben zu schieben. Bald merken die Versuchspersonen (durch das sofortige Feedback), was bei ihnen besser funktioniert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Eine Abweichung vom Erwartungswert hie\u00dfe, dass das Ergebnis nur durch Psi zustande gekommen sein konnte. Doch wie funktioniert dieses Psi, wie holen wir es heraus? Bei der neuen Korrelationstheorie ist das unm\u00f6glich. Das System ist dauernd in Bewegung und versucht, die Verschr\u00e4nkung oder Verbindung aufrecht zu erhalten. Wenn ein Kanal geschlossen ist, wird ein anderer ausprobiert. Joseph McMoneagle, ein begabter Hellseher, hat geschrieben, dass die Fernwahrnehmung alle Arten von Informationen benutzt, die verf\u00fcgbar sind. \u00bbWenn keine Informationslinie durch Telepathie verf\u00fcgbar ist, schaut sie woanders hin.\u00ab<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Walter von Lucadou r\u00e4t f\u00fcr k\u00fcnftige Experimente, die Verbindung zwischen Mensch und Maschine nicht durch zu auff\u00e4llige Beobachtung zu st\u00f6ren. Zudem sollte man viele Korrelationen untersuchen. Vielleicht kann man doch herausfinden, was \u00bberfolgreiche\u00ab Teilnehmer anders gemacht haben als weniger erfolgreiche?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Lucadou und seine Mitautoren definieren den Menschen als eines der kleinsten Systeme. Wenn er Kopfschmerzen bekommt, nachdem er \u00fcber den Kopfschmerz gelesen hat, w\u00e4re dies eine nichtlokale Korrelation. Das Poltergeist-Ph\u00e4nomen w\u00e4re die Verl\u00e4ngerung in die Au\u00dfenwelt.\u00a0 Gr\u00f6\u00dfere Systeme bestehen aus mehreren Menschen oder aus Mensch und Maschine, und das gr\u00f6sste anzunehmende System w\u00e4re die Menschheit. Nichtlokale Korrelationen k\u00f6nnten, meinen Lucadou, R\u00f6mer und Atmanspacher, f\u00fcr pl\u00f6tzlich an verschiedenen Orten auftauchende Erfindungen, neue Kunststile oder Massenbewegungen verantwortlich sein. \u00bbSynchronistische Verschr\u00e4nkungskorrelationen\u00ab k\u00f6nnten ziemlich spektakul\u00e4r sein und kausal wirken, doch dieser Effekt verschwinde, meinen die Autoren, \u00bbwenn man versucht, ihn zu best\u00e4tigen, um die Statistik zu verbessern und ihn wiederholt\u00ab. Das sei wiederum der Absinkungseffekt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Wir blicken zur\u00fcck. Was haben wir? Die amerikanische Autorin Stacy Horn fasst zusammen: \u00bbVor einem dreiviertel Jahrhundert bewiesen die Wissenschaftler der Duke-Universit\u00e4t wiederholt die Existenz einer Gruppe von Anomalien, die sie als \u203aAu\u00dfersinnliche Wahrnehmung\u2039 bezeichneten. Seit damals ist es der wissenschaftlichen \u203aCommunity\u2039 weder gelungen, sie \u00fcberzeugend zu widerlegen noch mit einer plausiblen alternativen Erkl\u00e4rung daf\u00fcr herauszur\u00fccken. Leider ist es der Parapsychologie auch nicht gelungen, eine entscheidende Erhellung zu bieten. Patt.\u00ab<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Sind nichtlokale Korrelationen wirklich eine bessere Erkl\u00e4rung als Telepathie oder Geister? Jede Epoche hat ihre Zauberformeln. Der amerikanische Forscher James H. Hyslop meinte 1919: \u00bbWir sollten lieber Telepathie durch Geister wegerkl\u00e4ren als Geister durch die Telepathie, wie es der popul\u00e4re Skeptizismus gerne tut.\u00ab Geister sind auch nur Menschen; sie haben ja einmal gelebt und melden sich vielleicht wieder, verst\u00e4ndnisvoll und durch die Schleier hindurch. Ihnen ist der allerletzte Essay vorbehalten: Da geht es um Jenseitsforschung.\u00a0\u00a0 <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man kann sagen, dass ich seit 20 Jahren mit der Quantentheorie umgehe und sie auch einigerma\u00dfen begreife. Sie ist faszinierend und so anders als der Alltag, was auch das Problem ist: Denn im Alltag spielt sie keine Rolle, es ist eine Theorie f\u00fcr die kleinsten Teilchen des Universums, und so kann man sie leicht ignorieren. 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