{"id":4055,"date":"2013-08-30T00:46:10","date_gmt":"2013-08-29T22:46:10","guid":{"rendered":"http:\/\/manipogo.de\/?p=4055"},"modified":"2016-03-21T21:47:53","modified_gmt":"2016-03-21T20:47:53","slug":"das-dichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/manipogo.de\/?p=4055","title":{"rendered":"Das Dichten"},"content":{"rendered":"<p>Lessing hat mich wieder an das Dichten erinnert. 2011 habe ich ein Versepos angefangen, das so gro\u00df werden sollte wie der Parsifal, 200 Seiten, aber es gibt\u00a0erst 30. Ich wollte in Reimen eine Geschichte erz\u00e4hlen, und wenn man sich einmal daran gew\u00f6hnt hat, denke ich, klingt es ganz normal \u2013 wie im 12. und 13. Jahrhundert, als es nur Verse gab bei\u00a0Dante und Wolfram von Eschenbach.<!--more--><\/p>\n<p>Ich wei\u00df noch, dass ich einmal im Februar in der N\u00e4he des Rheins war, auf der Ebene, und da gibt es auf dem Gewerbegebiet einen Flughafen, die Sonne schien, eine Maschine landete, und dann der Vers ist gut gelungen. (<em>Unten habe ich die erste Zeile etwas verk\u00fcrzt<\/em>.)\u00a0Jemand h\u00f6rt ein<\/p>\n<p><em>Ger\u00e4usch, das er nicht deuten kann, es scheint ganz<\/em><br \/>\n<em>oben angesiedelt; ein Kleinflugzeug kommt von links heran<\/em><br \/>\n<em>fliegt \u00fcber sie hinweg und setzt zur Landung an.<\/em><br \/>\n<em>Setzt auf, entfernt sich und verschwindet \/ in einer Wand aus Sonnenglanz<\/em>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/DSCN46641.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4061\" title=\"DSCN4664\" src=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/DSCN46641.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/DSCN46641.jpg 540w, https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/DSCN46641-300x110.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><\/p>\n<p>In der Geschichte f\u00e4hrt Rudi, der Held, mit dem Rad und trifft am Kreisel einen alten Bekannten, der im Auto unterwegs ist.<\/p>\n<p><em>Der Wind von vorn,\u00a0es geht nach Norden<\/em><br \/>\n<em>Wo wir ihn jedoch lassen, da wir fliegen\u00a0weiter<\/em><br \/>\n<em>Wo grad ein Auto kommt von der A5, und\u00a0heiter<\/em><br \/>\n<em>sagt Beat, der Fahrer, zu Jacques, dem Mann an seiner Seite:<\/em><br \/>\n<em>Sch\u00f6n ist diese Fahrt geworden.<\/em><br \/>\n<em>Schau an, wie toll das,\u00a0dort der Schwarzwald sanft am Horizont.<\/em><br \/>\n<em>Sie biegen mit dem alten wei\u00dfen Volvo in den Kreisel ein,<\/em><br \/>\n<em>zweihundertsiebzig Grad<\/em><br \/>\n<em>Betr\u00e4gt die Runde, bevor sie Richtung Hartheim diesen Kreisel lassen und ein Radler hat<\/em><br \/>\n<em>Sich auf dem Radweg neben sie gesetzt, man sieht ihn gut, denn alles ist besonnt.<\/em><br \/>\n<em>Jacques, unser Beifahrer, kurbelt spontan die Scheibe runter und ruft Den kenn ich doch!<\/em><br \/>\n<em>Sie fahren parallel, er schreit: He Ritter, Held, bleibt stehn! und Rudi noch<\/em><br \/>\n<em>Begreift es nicht, dann schaut er endlich hin und stutzt, und beide halten an.<\/em><br \/>\n<em>Und Jacques steigt aus, und Rudi runter von dem Ross, er ruft Oh Mann,<\/em><br \/>\n<em>Jacques Knechtle, ach, ich fass es nicht, in Freiburg bei der Zeitung waren wir<\/em><br \/>\n<em>Vor drei\u00dfig Jahren, was machst du denn hier?<\/em><\/p>\n<p><em>So sinken sich die beiden in die Arme. Beat ist ger\u00fchrt<\/em><br \/>\n<em>Und steigt auch aus. Zwei alte Freunde, und der Zufall hat zusammen sie gef\u00fchrt.<\/em><br \/>\n<em>Gut siehst du aus, mein Rudi, lobt der Schweizer ihn.<\/em><br \/>\n<em>Ich dachte, du w\u00e4rst noch in Rom. Und jetzt&#8230; Er lacht.<\/em><br \/>\n<em>Rudi schaut lang. Denk dir, ich war lange in der Schweiz. Das<\/em><br \/>\n<em>h\u00e4ttest du wohl nicht gedacht.<\/em><br \/>\n<em>Doch jetzt &#8211; da hinten. Er deutet mit der Hand. Und du \u2013 in Wien<\/em><br \/>\n<em>beim \u201aStandard\u2019, dachte ich. \u2013 Schnell rausgeflogen, dann<\/em><br \/>\n<em>die Wirtschaft, Geld, PR, und nun schon lang in dem Konzern,<\/em><br \/>\n<em>der hundert Superm\u00e4rkte hat, und manchmal schlie\u00dft man<\/em><br \/>\n<em>welche gern,<\/em><br \/>\n<em>und deshalb, leider, bin ich hier, das gehen wir ab morgen an.<\/em><\/p>\n<p><em>Ein Abwickler! staunt Rudi. Ach, so ist das Leben. Wo bleibt ihr \u00fcber Nacht?<\/em><br \/>\n<em>In Buggingen, Hotel nah an der Halde, mischt sich Beat nun ein.<\/em><br \/>\n<em>Das kenn ich, sehr romantisch, das ist fein<\/em><br \/>\n<em>Sagt Rudi.\u00a0Jacques fragt: Kommst du zum Essen? So um<\/em><br \/>\n<em>acht?<\/em><br \/>\n<em>Rudi stimmt zu. Sie trennen sich. Der Volvo r\u00f6hrt<\/em><br \/>\n<em>\u00dcber die Ebene, der Radler tritt in die Pedale.<\/em><br \/>\n<em>Der Himmel blau. Schon viele Male<\/em><br \/>\n<em>Hat er des guten Jacques gedacht. Den st\u00f6rt<\/em><br \/>\n<em>nun\u00a0ein Ger\u00e4usch, ein Brummen, und\u00a0es scheint <\/em><em>ganz<\/em><br \/>\n<em>oben angesiedelt; ein Kleinflugzeug kommt von links heran<\/em><br \/>\n<em>fliegt \u00fcber sie hinweg und setzt zur Landung an.<\/em><br \/>\n<em>Setzt auf, entfernt sich und verschwindet \/ in einer Wand aus Sonnenglanz.<\/em><\/p>\n<p><em>Auch Rudi sieht das Flugzeug sachte niederschweben,<\/em><br \/>\n<em>denkt an die Fernreisen mit Chiara, dieses abgetrennte Leben<\/em><br \/>\n<em>auf fernen Kontinenten, in der Hitze, im Monsun;<\/em><br \/>\n<em>er tr\u00e4umt nun etwas, l\u00e4sst die Beine ihre Arbeit tun.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lessing hat mich wieder an das Dichten erinnert. 2011 habe ich ein Versepos angefangen, das so gro\u00df werden sollte wie der Parsifal, 200 Seiten, aber es gibt\u00a0erst 30. 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