{"id":43398,"date":"2026-04-25T00:59:37","date_gmt":"2026-04-24T23:59:37","guid":{"rendered":"https:\/\/manipogo.de\/?p=43398"},"modified":"2026-04-22T23:04:17","modified_gmt":"2026-04-22T21:04:17","slug":"metaphysik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/manipogo.de\/?p=43398","title":{"rendered":"Die Metaphysik bei Vico und Adorno"},"content":{"rendered":"<p>Giambattista Vico lebte in Neapel und schrieb sein ganzes Leben, das von 1668 bis 1744 dauerte, an seinem Hauptwerk <em>La Scienza Nuova<\/em> (<em>Die neue Wissenschaft)<\/em>. Wieder so ein Einzelg\u00e4nger, der sich um seine Umwelt nicht k\u00fcmmerte und forschte und nachdachte und schrieb. Vico teilte die Menschheitsgeschichte in Phasen ein und untersuchte die Sprache. <!--more--><\/p>\n<p><em>La Scienza Nuova<\/em> erschien 1730 erstmals und erlebte 1744, im Todesjahr des Autors, eine Neuauflage. Vico selbst hatte Domenico Antonio Vaccaro mit einem allegorischen Bild beauftragt und die Ausf\u00fchrung auch \u00fcberwacht; Antonio Baldi stellte den Holzschnitt her. Damals, vor 300 Jahren, hatten solche Werke eine vielf\u00e4ltige Bedeutung; jedes Detail sagte etwas aus, und der Autor erl\u00e4utert uns das \u00fcber viele Seiten hinweg. Die Erl\u00e4uterung unten habe ich etwas verk\u00fcrzt dargestellt. Gezeigt ist die <strong>Metaphysik<\/strong>, also das Wissen von etwas jenseits und \u00fcber der Physik: all das, was man nur ahnen kann, also ferne Welten und Jenseits und das Himmelreich.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/2025-12-03-0002.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-43400 size-full\" src=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/2025-12-03-0002.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"953\" srcset=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/2025-12-03-0002.jpg 540w, https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/2025-12-03-0002-170x300.jpg 170w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Giambattista Vico schreibt etwa:<\/p>\n<p><em>Die Frau mit den gefl\u00fcgelten Schl\u00e4fen, die den Erdball und die Welt der Natur \u00fcberwacht, ist die <strong>Metaphysik<\/strong>.\u00a0 \u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Das leuchtende Dreieck mit dem Auge (links oben) ist <strong>Gott<\/strong> unter seinem Aspekt der Vorsehung.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Der Altar steht unter dem Erdball und st\u00fctzt ihn. Der Strahl der g\u00f6ttlichen Vorsehung dringt in die Brust der Metaphysik ein, die sich fernh\u00e4lt von \u00dcberheblichkeit und k\u00f6rperlichen L\u00fcsten.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Der Strahl setzt sich nach links fort zu Homer, dem ersten gro\u00dfen Autor der Menschheit, der anfing, uns Geschichten zu erz\u00e4hlen.\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Auf dem Altar finden wir Wasser und Feuer und ein Symbol des Ehebundes. Rechts au\u00dfen steht eine Urne, denn Menschen sind immer gestorben. An den Altar ist eine Egge gelehnt, die den Boden bearbeitet, und weiter links ein Ruder, denn die Menschen reisten \u00fcbers Wasser. Das Alphabet steht f\u00fcr die Kommunikation, und vorne sehen wir rechts ein Reisigb\u00fcndel, das fascio (daher kommt der Faschismus), das die r\u00f6mischen Herrscher vor sich hertragen lie\u00dfen, au\u00dferdem weiter links einen S\u00e4bel, eine Waage und den Merkur-Stab der Heiler. Und links vorne wieder Fl\u00fcgel, befestigt an einem Helm. Krieg und Kampf, hei\u00dft das. In K\u00fcrze: Was der Mensch ist und sein kann.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/2009-04-16-003-extremadura-4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-43427\" src=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/2009-04-16-003-extremadura-4.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"263\" srcset=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/2009-04-16-003-extremadura-4.jpg 540w, https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/2009-04-16-003-extremadura-4-300x146.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Theodor W. Adorno<\/strong> bot im Sommersemester 1965 an der Frankfurter Universit\u00e4t eine Vorlesung \u00fcber <strong>Metaphysik<\/strong> an. Jemand hat mitgeschrieben, das Buch erschien 1998 bei Suhrkamp. Ein paar Betrachtungen des Dozenten:<\/p>\n<p><em>Man kann wohl sagen, dass der Begriff der Metaphysik das \u00c4rgernis der Philosophie sei. Denn auf der einen Seite ist die Metaphysik das, um dessentwillen die Philosophie \u00fcberhaupt existiert; wenn ich einmal die philosophische Phrase \u00fcbernehmen soll (&#8230;), dann behandelt die Metaphysik ja jene sogenannten letzten Dinge, um derentwillen die Menschen zu philosophieren \u00fcberhaupt angefangen haben.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Bei Nietzsche begegnet der Begriff der Metaphysik h\u00e4ufig in Gestalt eines Witzes &#8230; er spricht da n\u00e4mlich von \u00bbHinterwelt\u00ab und nennt diejenigen, die sich mit Metaphysik besch\u00e4ftigen &#8230;, \u00bbHinterweltler\u00ab &#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>Es liegt darin, dass die Metaphysik eine Lehre sei, die eine Welt annimmt, die hinter der Welt liegt, die wir kennen und kennen k\u00f6nnen, dass &#8230; hinter der Welt der Erscheinungen &#8230; eine Welt von Wesenheiten verborgen sei, die zu entr\u00e4tseln und zu enth\u00fcllen die Aufgabe der Philosophie sein soll.\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Historisch hat die Metaphysik &#8230; nichts mit dem Okkultismus zu tun &#8230;\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Metaphysik ist diejenige Form der Philosophie, deren Objekte Begriffe sind &#8230;\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Metaphysik wird vielfach &#8230; von dem popul\u00e4ren Bewusstsein mit Theologie verbunden &#8230;\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Jedenfalls ist zun\u00e4chst einmal zu sagen, dass keine philosophische Metaphysik es jemals mit Geistern zu tun hat, als ob diese Geister seiende Wesen w\u00e4ren und zwar deshalb, weil die Metaphysik von Anfang an, also von Platon oder Aristoteles an, &#8230; gegen die Vorstellung eines Seienden im Sinne der kruden Faktizit\u00e4t (war) &#8230;\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n<p>(Theodor W. Adorno, Metaphysik. Begriffe und Probleme, Suhrkamp Frankfurt, S. 9-20.)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/2024-08-04-0003.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-43428\" src=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/2024-08-04-0003.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"405\" srcset=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/2024-08-04-0003.jpg 540w, https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/2024-08-04-0003-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Jetzt wissen wir (vielleicht) mehr. Ein wenig vage klingt das. Die Welt jenseits der Welt, die jedoch nicht richtig existieren soll, die betrachtet wird wie hinter Milchglas. Nat\u00fcrlich haben die Verstorbenen keinen realen K\u00f6rper mehr, eher einen geistigen, transparenten, aber wer w\u00fcrde ihnen ihre Existenz absprechen wollen? Ontologie ist ja auch ein schwieriges Thema. Was existiert? Auch ein Begriff existiert, man kann ihn halt nicht ber\u00fchren. Und die jenseitige Welt ist geistiger Natur, da werden Gedanken zu Objekten, die wir dort f\u00fcr real halten. Da muss der Philosoph eben seine Vorstellung von Sein erweitern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Giambattista Vico lebte in Neapel und schrieb sein ganzes Leben, das von 1668 bis 1744 dauerte, an seinem Hauptwerk La Scienza Nuova (Die neue Wissenschaft). Wieder so ein Einzelg\u00e4nger, der sich um seine Umwelt nicht k\u00fcmmerte und forschte und nachdachte und schrieb. 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