{"id":44357,"date":"2026-04-18T00:47:08","date_gmt":"2026-04-17T23:47:08","guid":{"rendered":"https:\/\/manipogo.de\/?p=44357"},"modified":"2026-04-18T00:09:38","modified_gmt":"2026-04-17T22:09:38","slug":"hoelderlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/manipogo.de\/?p=44357","title":{"rendered":"H\u00f6lderlins Lied der Liebe"},"content":{"rendered":"<p>Friedrich H\u00f6lderlin kam bei <em>manipogo<\/em> noch gar nicht richtig vor. Zu griechenlastig, zu schwerm\u00fctig, zu schw\u00e4rmerisch, dachte ich immer. Aber warum nicht sein Loblied auf die Liebe bringen, da geht es ab und wie! So hat man vor 200 Jahren gedichtet und gedacht. Heute sind wir so pragmatisch und vern\u00fcnftig geworden; zu vern\u00fcnftig. <!--more--><\/p>\n<p>Sagten nicht alle TestpilotInnen, in dieser Welt gehe es nur um eins: um die Liebe? Das wussten wir aber auch schon so, seit Buddha und seit Jesus Christus, eigentlich seit Anbeginn der Welt.<\/p>\n<p>H\u00f6lderlin, 1770 geboren, wurde als Theologe ausgebildet und arbeitete vorzugsweise als Hauslehrer, auch mal im Thurgau und in Bordeaux. Von dort kehrte er verwirrt nach Stuttgart zur\u00fcck und musste erfahren, dass Susette Gontard gestorben war, die Frau eines Freundes, in dessen Haushalt in Frankfurt er gearbeitet hatte. Sie hat er vermutlich geliebt. Es wird seine einzige Aff\u00e4re gewesen sein, die gewiss platonisch blieb.<\/p>\n<div id=\"attachment_44358\" style=\"width: 550px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/dbp-1993-1681-friedrich-holderlin-d9ebf1-640.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-44358\" class=\"wp-image-44358 size-full\" src=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/dbp-1993-1681-friedrich-holderlin-d9ebf1-640.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"630\" srcset=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/dbp-1993-1681-friedrich-holderlin-d9ebf1-640.jpg 540w, https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/dbp-1993-1681-friedrich-holderlin-d9ebf1-640-257x300.jpg 257w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-44358\" class=\"wp-caption-text\">Eine deutsche Briefmarke f\u00fcr H\u00f6lderlin!<\/p><\/div>\n<p>1807 brachte man wegen seines psychischen Zustands in die Universit\u00e4tsklinik T\u00fcbingen, wo er von Justinus Kerner behandelt wurde. Danach quartierte er sich f\u00fcr die zweite H\u00e4lfte seines Lebens in einem Turm am Neckar ein, der sp\u00e4ter als <em>H\u00f6lderlinturm<\/em> bekannt wurde (<em>ich war auch schon mal dort<\/em>). Dort dichtete er, zuweilen unter Fantasienamen. Wikipedia schreibt:<\/p>\n<p><em>H\u00f6lderlin starb am 7. Juni 1843 um Mitternacht bei weitgehender k\u00f6rperlicher Gesundheit.<\/em><\/p>\n<p>Was das nun hei\u00dfen soll, wei\u00df ich nicht. Er war ja 73 Jahre alt, und das war viel f\u00fcr die damalige Zeit. H\u00f6lderlin war einer der gr\u00f6\u00dften deutschen Lyriker, den man neben Heine und Goethe nennen kann.<\/p>\n<p><strong>Lied der Liebe\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><em>Engelfreuden ahnend, wallen<\/em><br \/>\n<em>Wir hinaus aus Gottes Flur,<\/em><br \/>\n<em>Wo die Jubel widerhallen<\/em><br \/>\n<em>In dem Tempel der Natur;\u00a0<\/em><br \/>\n<em>Heute soll kein Auge tr\u00fcbe,<\/em><br \/>\n<em>Sorge nicht hienieden sein.<\/em><br \/>\n<em>Jedes Wesen soll der Liebe<\/em><br \/>\n<em>Wonniglich, wie wir, sich freun.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Singt den Jubel, Schwestern, Br\u00fcder!\u00a0<\/em><br \/>\n<em>Festgeschlungen! Hand in Hand!\u00a0<\/em><br \/>\n<em>Singt das heiligste der Lieder,<\/em><br \/>\n<em>Von dem hohen Weserband!<\/em><br \/>\n<em>Steigt hinauf am Rebenh\u00fcgel,<\/em><br \/>\n<em>Blickt hinab ins Schattental!<\/em><br \/>\n<em>\u00dcberall der Liebe Fl\u00fcgel,<\/em><br \/>\n<em>Wonnerauschend \u00fcberall!\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Liebe lehrt das L\u00fcftchen kosen<\/em><br \/>\n<em>Mit den Blumen auf der Au,<\/em><br \/>\n<em>Lockt zu jungen Fr\u00fchlingsrosen<\/em><br \/>\n<em>Aus der Wolke Morgentau;<\/em><br \/>\n<em>Liebe ziehet Well&#8216; an Welle<\/em><br \/>\n<em>Freundlich murmelnd n\u00e4her hin,<\/em><br \/>\n<em>Leitet aus der Kluft die Quelle<\/em><br \/>\n<em>Sanft hinab ins Wiesengr\u00fcn.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Berge kn\u00fcpft mit eh&#8217;rner Kette<\/em><br \/>\n<em>Liebe an das Firmament,<\/em><br \/>\n<em>Donner ruft sie an die St\u00e4tte,<\/em><br \/>\n<em>Wo der Sand die Pflanze brennt;\u00a0<\/em><br \/>\n<em>Um die hehre Sonne leitet<\/em><br \/>\n<em>Sie die treuen Sterne her,<\/em><br \/>\n<em>Folgsam ihrem Winke gleitet<\/em><br \/>\n<em>Jeder Strom ins weite Meer.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Liebe wallt in W\u00fcsteneien,<\/em><br \/>\n<em>H\u00f6hnt des Dursts im d\u00fcrren Sand,<\/em><br \/>\n<em>Sieget, wo Tyrannen dr\u00e4uen,<\/em><br \/>\n<em>Steigt hinab ins Totenland;<\/em><br \/>\n<em>Liebe tr\u00fcmmert Felsen nieder,\u00a0<\/em><br \/>\n<em>Zaubert Paradiese hin,<\/em><br \/>\n<em>Schaffet Erd&#8216; und Himmel wieder<\/em><br \/>\n<em>G\u00f6ttlich, wie im Anbeginn.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Liebe schwingt den Seraphfl\u00fcgel,<\/em><br \/>\n<em>Wo der Gott der G\u00f6tter wohnt,<\/em><br \/>\n<em>Lohnt den Schwei\u00df am Felsenh\u00fcgel,<\/em><br \/>\n<em>Wenn der Richter einst belohnt,<\/em><br \/>\n<em>Wenn die K\u00f6nigsst\u00fchle tr\u00fcmmern,<\/em><br \/>\n<em>Hin ist jede Scheidewand,<\/em><br \/>\n<em>Adeltaten heller schimmern,<\/em><br \/>\n<em>Reiner, denn der Krone Tand.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Mag uns jetzt die Stunde schlagen,<\/em><br \/>\n<em>Jetzt der letzte Odem wehn!<\/em><br \/>\n<em>Br\u00fcder! dr\u00fcben wird es tagen,<\/em><br \/>\n<em>Schwestern! dort ist Wiedersehn;\u00a0<\/em><br \/>\n<em>Jauchzt dem heiligsten der Triebe,<\/em><br \/>\n<em>Die der Gott der G\u00f6tter gab,<\/em><br \/>\n<em>Br\u00fcder! Schwestern! jauchzt der Liebe!<\/em><br \/>\n<em>Sie besieget Zeit und Grab!\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Das ist Leidenschaft! Und immer denkt der Dichter auch an die Schwestern, statt nur die Br\u00fcder hervorzuheben; das ist nicht selbstverst\u00e4ndlich. Und der letzte Absatz ist nat\u00fcrlich ein perfekter Abschluss: <em>Br\u00fcder! dr\u00fcben wird es tagen; Schwestern! dort ist Wiedersehn.\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Friedrich H\u00f6lderlin kam bei manipogo noch gar nicht richtig vor. Zu griechenlastig, zu schwerm\u00fctig, zu schw\u00e4rmerisch, dachte ich immer. Aber warum nicht sein Loblied auf die Liebe bringen, da geht es ab und wie! So hat man vor 200 Jahren gedichtet und gedacht. 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