{"id":5246,"date":"2014-01-09T00:55:32","date_gmt":"2014-01-08T23:55:32","guid":{"rendered":"http:\/\/manipogo.de\/?p=5246"},"modified":"2016-03-21T21:11:35","modified_gmt":"2016-03-21T20:11:35","slug":"alfred-und-gisela-andersch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/manipogo.de\/?p=5246","title":{"rendered":"Alfred und Gisela Andersch"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: small;\">Ausstellungen zur Literatur sind selten &#8211; und auch schwierig zu gestalten. Das <a href=\"http:\/\/www.stadt-zuerich.ch\/kultur\/de\/index\/institutionen\/museum_strauhof.secure.html\" target=\"_blank\">Museum Strauhof <\/a>in Z\u00fcrich schafft es seit 25 Jahren, Autoren, Autorinnen und ihre Werke plastisch werden zu lassen. Bis 2. M\u00e4rz noch stellt das Museum in der zentral gelegenen Augustinergasse 9 Alfred und Gisela Andersch vor. <!--more--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Nat\u00fcrlich sind die beiden heute vergessen, und Anlass ist der 100. Geburtstag beider. Ich hatte das Buch <em>Die Rote<\/em> von Alfred Andersch Mitte der 1970-er Jahre noch als Schullekt\u00fcre, und sein Autor z\u00e4hlte innerhalb der Generation der Nachkriegsautoren zu den beachtetsten. Er wurde 1914 in M\u00fcnchen geboren, als der Erste Weltkrieg anfing, und seine Frau Gisela, die Malerin, 1913. Beide blieben w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs in Deutschland, zogen 1958 (ein Jahr nach meiner Geburt) in das 80-Seelen-Dorf Berzona im Tessin und arbeiteten dort.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/DSCN5393.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-5247\" title=\"DSCN5393\" src=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/DSCN5393.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"366\" srcset=\"https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/DSCN5393.jpg 540w, https:\/\/manipogo.de\/wp-content\/uploads\/DSCN5393-300x203.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><\/p>\n<address class=\"wp-caption-dd\">Das Museum Strauhof<\/address>\n<\/div>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Bei Ausstellungen geht es ja meist um vergangene Werke und verschwundene Menschen, und es fragt sich: Was sagt das einem noch? Ich fand Andersch ja recht gut und habe ihn <a href=\"https:\/\/manipogo.de\/?p=2349\" target=\"_blank\">hier schon einmal <\/a>vorgestellt, und in einem Kolumnenbeitrag der <em>Kritischen Ausgabe plus<\/em> <a href=\"http:\/\/www.kritische-ausgabe.de\/artikel\/ostseeliteratur\" target=\"_blank\">\u00fcber eine Ostseereise <\/a>kam er auch vor.\u00a0<\/span><span style=\"font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Aber dann ver\u00e4ndert sich etwas. Ich sagte mir auf dem Weg zur Ausstellung: Wie selten sind doch herausragende, zeitlose Werke! Und als ich dann vor den Vitrinen stand mit den Briefen, die Canetti oder Frisch oder die Bachmann dem Andersch schrieben (mit der Schreibmaschine) und mit Fotos (Andersch und Frisch auf der Terrasse) und Ausz\u00fcgen aus Interviews, da dachte ich mir: Wie fern das doch wirkt!<\/span><span style=\"font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Andersch, der hagere Mann mit seiner Brille, gab sich nat\u00fcrlich als der \u00bbGro\u00dfschriftsteller\u00ab, wie das Robert Musil genannt hat. G\u00f6nnerhaft und leicht arrogant trat er auf, wenn Journalisten kamen in seine \u00bbselbstgew\u00e4hlte Einsamkeit\u00ab, und ein Berichterstatter durfte ihn auch beim Baumschnitt im Garten beobachten und machte einen \u00f6den Film daraus. Ja, diese Welt der 1960-er und 1970-er Jahre mit der Olivetti-Reiseschreibmaschine und politischem Engagement, Wein und Lasagne und Gespr\u00e4che unter Intellektuellen \u00fcber wahre Kunst und Lebenskunst!<\/span><span style=\"font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Nat\u00fcrlich wollte ich fr\u00fcher auch so ein Schriftsteller sein, aber heute scheint das irreal und nat\u00fcrlich auch romantisch. Man m\u00f6chte ja als junger Mensch ein ganz wichtiger Zeitgenosse sein. Gisela malte, Alfred (genannt Fred) schrieb. Er schrieb ja auch kritische Gedichte \u00fcber Mitl\u00e4ufer und die damals noch von Altnazis durchsetzte Gesellschaft (sein Kollege W. G. Sebald hielt ihn jedoch selber f\u00fcr einen Mitl\u00e4ufer), und in seinem letzten Interview vor seinem Tod im Februar 1980 appellierte er wie die Linken damals: \u00bbStoppt Strau\u00df!\u00ab Wer war Strau\u00df? Davon ein andermal.\u00a0<\/span><span style=\"font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Eine etwas karge Ausstellung ist es, verglichen etwa mit der opulenten \u00fcber Nelly Sachs vor vielleicht zwei Jahren in unserem Museum Strauhof. Leider hat die Stadt Z\u00fcrich beschlossen, das Museum schlie\u00dfen zu wollen (hier <a href=\"http:\/\/www.stadt-zuerich.ch\/content\/prd\/de\/index\/ueber_das_departement\/medien\/medienmitteilungen\/2013\/november\/131106a.html\" target=\"_blank\">die Pressemitteilung dazu<\/a>). Das James-Joyce-Archiv soll ausgelagert werden, und seinem Leiter, Fritz Senn, hat man gerade noch einen Kulturpreis verpasst, gewisserma\u00dfen als Entsch\u00e4digung. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Die Stadt will im Strauhof Literaturkurse f\u00fcr Jugendliche abhalten, seltsam, und freut sich auf eine Einsparung von einer halben Million Franken j\u00e4hrlich. Aber es gibt starke Proteste, das Museum ist einzigartig; im Februar sind Wahlen in der Stadt, und es ist denkbar, dass das Haus nach 100 Ausstellungen und 25 Jahren doch am alten Ort weitermachen darf. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausstellungen zur Literatur sind selten &#8211; und auch schwierig zu gestalten. Das Museum Strauhof in Z\u00fcrich schafft es seit 25 Jahren, Autoren, Autorinnen und ihre Werke plastisch werden zu lassen. Bis 2. 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