Rom, Erinnerungen

Wie oft Ende Oktober war ich wieder in Rom. Warm war’s, brüllende Autohorden auf den Straßen und grübelnde Touristenhorden in den Gassen. Ich lieh mir ein Rad aus und fuhr hinunter zum Tiber, wo mein Roman spielt, auch weil da wenig Menschen sind und die Vegetation langsam alles überwuchert.

Das Haus, in dem mein alter ego Rudi lebt (er lebt da immer, auf alle Zeiten), ist weiterhin, seit 2009, eine von Linken besetzte Kommune. Sie haben Satellitenschüsseln, waschen ihre Klamotten und halten die alte Burg in Ordnung.

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Vom Radweg gegenüber sieht man ins Grüne, und vor dem Haus haben sie die pista ciclabile Tevere sud neu asphaltiert. Weiter draußen ist es wie immer.

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Anfang Oktober hat es in der Nähe der alten Schule Marco erwischt. Das weiße Rad steht als Mahnmal für ihn, der 47 Jahre alt wurde. Ein Wagen der Stadtreinigung kam von unten, vom Tiber, hochgeschossen (wie auf dem Bild zu sehen), er geriet in Panik, bremste und stürzte. Tod am Tiber, Via Pian due Torri.

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Ein paar schöne Bilder von Rom will man noch sehen. Die Stirnseite der Basilika San Paolo fuori le Mura, den Blick vom Gianicolo hinunter auf die Stadt, den Tiber bei der Engelsburg und den Garten der Villa Doria Pamphili.

013017023014Gute Kulisse. Aber die Stadt hat kein Geld mehr. Die Bewohner hetzen in ihren Automobilen hunderttausendfältig dahin, die Straßen werden immer schlechter, die Touristen immer mehr (es ist ein Heiliges Jahr, überstürzt vom Papst ausgerufen), und aus den Häusern dringt süßlicher Duft, etwas schlecht Gelüftetes steckt in ihnen und zudem der gedankliche Stillstand eines Landes, das sich wie stets in Selbstmitleid ergeht und sich darin auch noch gefällt. Rom (und Italien) ist das Gestern, das andauernd vom Morgen spricht und nicht merkt, wie alles an ihm vorbeizieht.

 

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