Der Puder der Sympathie

Ein Kapitel aus der magnetischen Medizin schlägt das Buch La poudre de sympathie von Robert Amadou auf, das er 1953 veröffentlicht hat. Sympathie, das ist die Anziehung und das Heilen durch Ähnliches, und es ist heilbringender als die Allopathie – das Heilen mit dem »Anderen« ―, die im Westen heute gepflegt wird.

Da wird einem wieder klar, welcher Irrweg da eingeschlagen wurde. So kam es auch dazu, dass die Krankheit bekämpft wird, dass sich die Ärzte als Streiter gegen das »Unheil« verstehen. Dabei gehört die Krankheit als Störung zu uns und will verstanden werden. Homöopathen versuchen das und reden lange mit dem Patienten, um den richtigen Stoff zu finden; den mit dem Erreger verwandten Stoff.

Der französische Gelehrte Robert Amadou (1924-2006) stellt uns Sir Kenelm Digby (1603-1665) vor, der Kanzler der englischen Königin war und 1657 einen Vortrag (discours) hielt, betreffend die Heilung von Wunden durch den Puder der Sympathie, von dem schon Paracelsus über 100 Jahre zuvor gesprochen hatte. Basis des Puders ist das Vitriol (Salz der Schwefelsäure), das, in Regenwasser eingelegt, Ende Juli bei großer Hitze ausfällen und zu Puder werden soll.

Der Puder hieß schon früher Waffensalbe, weil man mit ihm die Waffe einschmierte, die die Wunde geschlagen hatte und nicht die Wunde selbst. Mit dem Puder konnte man Kranken auch in ihrer Abwesenheit Linderung verschaffen, indem man ein Band mit dem Blut des Kranken mit dem Wasser tränkte, in dem das Vitriol aufgelöst war. Digby sprach vom Licht, das die »Geister des Blutes« anzieht, sie mit dem Puder vermischt und durch eine Anziehung zu dem Ort gelangen lässt, wo die Wunde heilen soll. Die Erklärung klingt fantastisch und ist dem 17. Jahrhundert angemessen. Aber viele Menschen wurden so geheilt. Wir könnten das auf wissenschaftliche Weise erklären, wenn wir das Phänomen ernst nehmen würden.

Robert Amadou schreibt, dass jeder Arzt, Schamane oder Zauberer die Krankheit individualisiert, sie in gewisser Weise erschafft, um mit ihr in Beziehung zu treten und auf sie einwirken zu können. Man müsse sich fragen, ob der Arzt nicht immer in eine magische Beziehung mit dem ganzen Kranken trete, was ja auch die Psychologie bezeuge. Dazu kommen dann die Vorstellungskraft und der Glaube des Patienten, dass er geheilt werden könne.

Die Zuwendung des Magiers führt bei dem, der Vertrauen zu ihm hat, zum Placebo-Effekt und in dessen Folge zu ungeahnten Heilwirkungen. Auch heute noch wird der Placebo-Effekt auf die Formel Wirkung eines Medikaments ohne Wirkstoff verkürzt. Alles falsch. Es geht darum, dass ein Mensch uns anbietet, uns helfen zu können, und wenn sich das felsenfeste Vertrauen darauf einstellt, hilft uns der Körper. Mehr braucht es nicht.

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