33 Freiheit

Das neue Heft der Kritischen Ausgabe ist da und widmet sich der Freiheit. 125 Seiten, 9 Euro.  Diesmal gibt es auch ein paar ganz kurze, nur 1 Seite lange Artikel und einige visuelle Neuerungen, die mir gefallen haben.

Schönes Hochglanzpapier, das gut in der Hand liegt; und dann durchgängig ein breiter rechter Rand, an dem die Fußnoten stehen, klein, aber sichtbar. Und die Variante Professor*innen war mir neu. Macht man das heute so? Ist eleganter als der Schrägstrich.

Mir fehlt jetzt die Lust zu einer Rundum-Rezension. Erhellend fand ich den Beitrag von Katalin Fischer Csàrdàs Dada. Ribemont-Dessaignes schrieb:

Dada bestand aus widerstrebenden, unvereinbaren, explosiven Tendenzen. Eine Welt zu zerstören, um eine andere an ihre Stelle zu setzen, in der nichts mehr existiert, das war, kurz zusammengefasst, die Parole des Dadaismus.

Dada hat das Potenzial »zu einer literarisch-religiösen Idee von der sich selbst sagenden, sich selbst schreibenden Wahrheit«. Katalin Fischer:

Eine Seite von Dada ist »das Neinsagenoder der Prozess der Abwehr gegenüber allen bekannten oder als überlebt wahrgenommenen Formen«, welche auch die Haltung der Zensur erahnen lässt. Man zensuriert dann das Alte, also zensuriert man sowieso etliches, weil man sich im Dada immer gegen etwas auflehnt.

Interessant: Zensur von unten. Selbstzensur. Zensur überhaupt. Gerichte definierten Kunst gern durch das, was nicht Kunst ist. Und Zensur von oben ist relative Pressefreieheit. »Diese führte zu einem Entkodierungsverhältnis zwischen Autor*innen und Leser*innen, das für ›zusammen auf die Wahrheit zu kommen‹ geeignet war. So ist die Literatur zu ›einem geheimen Ort geworden‹ …

Zensur ergibt den Anspruch auf Befreiung. Sie führt zu neuen Verfahren. »Am Ende entstehen durch das Zensurieren neue Strukturen und Befreiungsversuche, -wege, -gattungen.«

Das Sprechen der Schiziphrenen, Psychotiker und Dementen verlangt auch immer eine Entschlüsselungsarbeit. Etwas wurde zensuriert und umgearbeitet – und zu einem Grenzgebiet der Literatur. Darüber lohnt es sich genauer nachzudenken.

Und: Die Komparatistik feiert an der Universität Bonn 50 Jahre. Komparatistik ist die Vergleichende Literaturwissenschaft. Ist viel spannender als die pure Germanistik. »Den Nimbus des Orchideenfaches ablegen« ist ein Beitrag betitelt. Also zeigt uns was, es liegt an euch, uns zu überzeugen. Die Themenhefte der Kritischen Ausgabe der Uni Bonn liefern dazu einen Beitrag.

 

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