Montemassi (2)

Es spielt ja keine Rolle, wann ich wo war. Diese Orte existieren auch ohne mich. Montemassi etwa ist zeitlos. Wie man in Santa Marinella immer das Meer als Hintergrund hat, sieht man von oben, von Montemassi, immer die Ebene 200 Meter tiefer, das ganze regelmäßig mit Bäumen bestandene Land. Die Mauersegler zischen in Gruppen an den Wänden vorbei und schreien schrill.

Von der Wohnung, in der Bianca und Karl-Heinz gerade leben, führt eine steile Treppe abwärts auf eine Gasse, die nach rechts unter einem Portico hindurchführt. Dann geht es noch eine Serpentine nach unten, und an einer Wand ist ein großes Keramikschild mit dem solzen Namen angebracht. Vor  vielen hundert Jahren war Montemassi durch einen Fürsten ebenso wichtig wie Siena.

 

Oben in zwei Wohnungen gegenüber leben zwei alte Frauen, und unten in der Gasse leben zwei weitere alte Frauen, und diese vier sitzen meistens an fünf Uhr nachmittags auf Steinstufen und plaudern, wie das vermutlich schon seit Jahrhunderten ist. Es sind immer andere Frauen. Sie sitzen auf dem warmen Stein und tauschen sich aus. Karl-Heinz hat sie auf einem Bild porträtiert. Eine Frau hatte gerade etwas zu tun.

  

Am Hauptplatz hängt eine Tafel, die an ein Gefecht vom 29. Mai 1848 erinnert, als italienische Kämpfer sich mutig den fremden Invasoren in den Weg stellten und ihr Leben für die Freiheit des Landes riskierten, die erst 1871 Wirklichkeit wurde. Die Invasoren waren vielleicht Österreicher oder Franzosen. Jede Freiheit ist mit Blut erkämpft.

  

Ganz oben ist noch ein Kastell, und auf dem Weg dorthin stößt man auf eine kleine Kirche. Rechts von ihr ist eine Marienstatue aufgerichtet, der ein paar Fingerglieder fehlen und die von Taubenkot befleckt ist.

 

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