Flugverkehr (11): der Dreamliner

Man kann mit dem Fahrrad ganz um das Flughafengelände Kloten herumfahren, meist am Zaun entlang. Wandern kann man da auch; es ist ein regulärer, gelb ausgeschildeter Wanderweg. Das dauert dann aber etwas länger. Im August, Samstagnachmittag, herrscht reger Flugverkehr, die Maschinen stehen Schlange, um hinauszudürfen.

Da gibt es eine Art Kreisel. Eine Maschine nach der anderen rellt herbei, macht eine 90-Grad-Drehung, dann noch eine und steht parat. Dann vermutlich: Startfreigabe. Der Chefpilot schiebt den Hebel nach vorn, denke ich mir. 

Wenn man selber drinsitzt, spürt man den erbarmungslosen Druck der Beschleunigung; und ab geht es. Doch erst wenn man von draußen zuhört, kriegt man dieses Heulen mit, das anschwillt und einem richtig Angst macht. Das Flugzeug wird immer kleiner, und dann kommt dieser schöne Moment, wenn sich die Nase hebt (und das Hinterteil doch nicht den Boden streift).

Ein Schaulustiger erklärte mir, dass die Maschinen gegen den Wind starten müssen. Die Bahnen werden in beide Richtungen genutzt; die Startbahn wird dann also zur Landebahn. Mit dem Wind muss es wohl zu tun haben, dass Flugzeuge abends manchmal von Süden landen. Vielleicht landet man gern mit dem Wind.

Ich fuhr mit dem Rad am Zaun entlang und dorthin, wo Maschinen landen. Es landeten viel weniger als starteten. Also muss es wohl Flughäfen geben, wo mehr gelandet wird. Alle Maschinen müssen ja irgendwo enden. In der Ferne sieht man ein Lichtlein, da nähert sich ein Jet. Der war schon ganz niedlich, WOW stand groß darauf, was könnte das heißen? West of Wonderland, Why oh why, jedenfalls eine Fluggesellschaft, früher waren die höchst seriös.  

Der Schaulustige sagte mir, weiter vorn, hinter dem Gelände, flögen die Maschinen ein und einem richtig über den Kopf. Da sieht man die gelben und roten strahlenden Lichter der Landebahn, und da traf ich auf Cédric und Yannick aus dem Bergdorf Pizol bei Bad Ragaz, zwei Jungs, die für einen Tag zum Flughafen gekommen waren. Cédric ist auf dem Bild rechts.

Cédric hatte ein iPhone und wusste, dass in 20 Minuten (14:20) die Maschine von Qatar Airways aus Doha kommen würde (Flug QA63), und um 15.35 flöge sie wieder dorthin. Kennerisch sagte Cédric, fünf Minuten Verspätung habe sie, die Boeing 787 »Dreamliner«, ganz aus Karbon mit 30 Prozent weniger Spritverbrauch als andere Maschinen dieser Größe. Und dann näherte sich das Flugzeug, an dem die breiten Flügel auffallen. 

 

Und es donnerte über uns weg.

Cédric meinte, sie beiden wollten nun zum Hauptgenbäude und den neuen Start mitkriegen. Alle steigen aus, die neu eingecheckten Passagiere zu (nach einer kurzen Bordreinigung), und eineinhalb Stunden darf das dauern, vermutlich wird noch einmal vollgetankt, und dann wieder los mit neuem Personal nach Arabien. Tag für Tag.

 

 

2 Kommentare zu “Flugverkehr (11): der Dreamliner”

  1. Renate Frank

    Ja, das ist schon eigenartig mit den Zahlen im Verkehr. Alexander sagt auch immer: In den Hamburger Hafen fahren mehr Schiffe rein als raus …

  2. Tom

    Erinnert mich an meinen Lieblingsfilm mit Cary Grant (Jede Frau braucht einen Engel) in der der Taxifahrer seinen Gästen sagt „die meisten Menschen wissen nicht wohin sie wollen, aber dass sie dorthin schnellstmöglich wollen“.

Einen Kommentar schreiben: