Lessing

Ich mag Gotthold Ephraim Lessing, der Nathan der Weise geschrieben hat, ein kluger Denker und ein großer Theoretiker des Theaters war. Er ist 200 Jahre vor meiner Mutter geboren, im Jahr 1729, allerdings am 22. Januar; meine Mutter Frieda kam also 1929 zur Welt, und genau heute. Sie wird also 84, und dies in geistiger und körperlicher Frische, und ich sage Dank und wünsche das Allerbeste. 

Nun drei Lessing-Gedichte. So ein Macho, wie sie ihn darstellen, war er nicht. Spät im Leben lernte er eine nette Frau kennen, die zwei Töchter hatte, denen er ein zärtlicher Vater wurde. Leider ist seine Gattin bald gestorben, und Lessing selbst auch, zu früh, mit 52 Jahren (1781). Große, aufrechte Geister wie er sind wichtig. Er war auch ein großer Polemiker und Spötter, und die drei Gedichte zeigen das.  

Auf den Jungfernstift zu * *

Denkt, wie gesund die Luft, wie rein
Sie um dies Jungfernstift muß sein!
Seit Menschen sich besinnen
Starb keine Jungfer drinnen. 

Auf einen Brand zu * *

Ein Hurenhaus geriet um Mitternacht in Brand.
Schnell sprang, zum Löschen oder Retten,
Ein Dutzend Mönche von den Betten.
Wo waren die? Sie waren – bei der Hand.
Ein Hurenhaus geriet in Brand.

Die Faulheit

Fleiß und Arbeit lob’ ich nicht.
Fleiß und Arbeit lob’ ein Bauer.
Ja, der Bauer selber spricht,
Fleiß und Arbeit wird ihm sauer.
Faul zu sein, sei meine Pflicht;
Diese Pflicht ermüdet nicht. 

Bruder, laß das Buch voll Staub.
Willst du länger mit ihm wachen?
Morgen bist du selber Staub!
Laß uns faul in allen Sachen,
Nur nicht faul zu Lieb’ und Wein,
Nur nicht faul zur Faulheit sein.

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