Jhumpa Lahiri

Mein Buchhändler hört auf, wir wissen es, und ich kaufte ihm noch einen Schwung Bücher ab, die sonst niemand kauft, fremdsprachige. Darunter war eine Entdeckung: Jhumpa Lahiri. Ich las ihren Kurzgeschichtenband Interpreter of Maladies.

Dieser Name schon, so fremdartig und schwer zu merken! Frau Lahiri stammt aus Bengalen und schreibt wie Alice Munro nur Kurzgeschichten, und sie muss sich vor der neuen Nobelpreisträgerin nicht verstecken. Bei Jhumpa Lahiri (geboren 1947) geht es um Inder, die in den Vereinigten Staaten wohnen, sich dort fremd fühlen, und die Begegnung zweier Kulturen führt zu vielen köstlichen Szenen.

Fällt mir noch ein: Es gibt da eine geheime Anziehung, die aus der Kombination eines Namens und eines Bildes entsteht; das ist wie Magie.  Als ich vielleicht 17 Jahre alt war, staunte ich ein Plattencover an, auf dem Thelonious Monk stand. Dieser Name und das rätselhafte Bild ließen mich nicht los, obschon ich nichts wusste von der Welt – aber das Cover weckte etwas in mir auf, und so ging es mir vor ein paar Jahren auch (wie mir jetzt einfiel) mit dem Namen Jhumpa Lahiri und einem Buchumschlag.

Jetzt weiß ich mehr. Lahiris Geschichten sind Mini-Novellen, sind humorvoll und zurückhaltend erzählte Schlüsselepisoden aus dem Leben eines oder mehrerer Menschen. Da geschieht nichts Dramatisches; es ist der Alltag, in dem sich die handelnden Personen bewegen, und eine Konstellation bildet sich heraus, der niemand entrinnen kann, und am Ende geschieht etwas, und das Leben geht weiter.

Der elfjährige Eliot beobachtet Mrs. Sen, eine 30-Jährige Gattin eines Mathematiklehrers, die auf ihn aufpasst und viel Heimweh hat, und so erleben wir ihre Einsamkeit mit. This Blessed House schildert mit viel Humor den exakten Sanjeev, der die chaotische Twinkle geheiratet hat, und bei der Einweihungsparty zeigt sich, dass es mit den beiden einfach nicht gutgehen kann.

Der Interpreter of Maladies ist der Inder Mr. Kapasi, der bei einem Arzt als Übersetzer arbeitet und sonst Touristen durchs Land fährt. Mrs. Das, die Frau von Mr. Das und Mutter zweier Kinder, kommt ihm attraktiv vor, und er träumt von einer Annäherung. Ganz überraschend macht Mrs. Das ihm eine Eröffnung (dass ein Kind nicht von ihrem Ehemann ist), die Mr. Kapasi geschickt kommentiert, aber gerade seine Antwort und die irgendwie unzeitige Intimität verwirren Mrs. Das und machen eine Beziehung unmöglich. Das ist mit Stil und Geschmack geschildert, mit Leichtigkeit und Eleganz, wie Alice Munro das auch nicht besser kann.

 

 

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