Null Toleranz

An einem meiner letzten Abende in Landsberg am Lech lief ich ruhelos durch die Straßen. In einer Shisha-Bar hieß es: »Hier nur Shisha rauchen!« Meine Tabakspfeife nicht? Die Bars waren des Montag Abends leer, traulich schimmerten kleine Lichter, die Beschäftigten saßen untätig umher, aber ich durfte nicht hinein. Ich durfte ja nicht rauchen.

Klar sagen Leute: Wie angenehm, dass der Grieche und der Italiener nicht mehr verräuchert sind! Sie gehen einmal im Monat Essen und rauchen selber nicht. Da sind wir uns einig. Warum sagt man nicht: Wo es Essen gibt, wird nicht geraucht. Wo es kein Essen gibt, darf man rauchen. Es gibt freilich Raucher-Lounges und Raucher-Ecken, irgendwo und versteckt, aber wo sind die Schilder dorthin?

Mit Zigarre, 1995

So ist uns eine Freiheit genommen worden. Die Gesundheit ist das höchste Gut, schädige den anderen nicht! Richtig. Aber die echten Schäden werden anderen durch den Alkohol zugefügt. Niemand, der 20 Zigaretten rauchte, ging danach heim und verprügelte seine Frau. Eher diente das Rauchen der Triebabfuhr. Doch saufen darf man, was das Zeug hält. Ich glaube, ich würde sogar in eine alkoholfreie Bar gehen und einen Tee trinken, wenn ich dort rauchen dürfte. So wichtig ist mir das.

Einfach in einer Ecke sitzen und seine Pfeife paffen dürfen und seinen Gedanken nachhängen. Sogar in die Privathäuser sind sie eingedrungen und haben Rauchmelder installiert, hat man da noch Worte? Aber draußen fahren sie wie die Irren ihre tonnenschweren BMWs durch die Gegend. In Italien wird ein neues Gesetz vorbereitet: Rauchen verboten in Parks und am Strand. Ja, ich weiß, Rauchen ist schädlich und führt zu Krebs. Alle wissen es. Warum wird trotzdem geraucht, könnte man die Gesellschaft fragen. Wollen wir uns killen, und wenn ja, warum?

Vom 16. Januar 1920 bis zum 5. Dezember 1933 galt in den USA ein nationales Alkoholverbot: 13 Jahre Trockenheit, um die Nation moralisch gesunden zu lassen. Franklin D. Roosevelt stellte fest, die Prohibition habe einen Hang zur Gesetzlosigkeit entfesselt, und dass er gegen das verhasste Alkoholverbot war, führte 1932 zu seiner Wahl zum US-Präsidenten.

Raucher sind vielleicht labil. Sie wissen ja, dass sie ihr Leben verkürzen, aber anscheinend nehmen sie das in Kauf. Sie hätten die Bar bitter nötig. Man schützt also eine Mehrheit, die eigentlich eine Minderheit ist, weil sie nicht in Kneipen geht, vor einer angeblichen Minderheit, die als potenzielle Barbesucher aber die Mehrheit darstellt. Vermutlich sind die Kneipen in Köln trotzdem voll, weil Alkohol die stärkere Droge ist.

Tuareg (Algerien, 1978)

Die neuen Shisha-Bars sind die Wiederkehr des Verdrängten. Eine orientalische Tradition hat sich verbreitet. Kann man nur gutheißen. Die einzige Lösung ist anscheinend: Shisha rauchen!

 

Einen Kommentar schreiben: