Mister Myers

Heute, am 30. Mai, hätte ich gern in Rom meinen Vortrag bei Giulios und Maria Luisas Konferenz gehalten. Es geht um den großen englischen Parapsychologen Frederick William Henry Myers, der 1843 geboren wurde und am 18. Januar 1901 in Rom starb. So kam ich vermutlich auf ihn.

Myers studierte klassische Literatur und wurde nach seinem Studium Inspektor für Schulen. Das war eine ideale Aufgabe, denn er hatte nebenher genug Zeit für die Parapsychologie. Kurz darauf verliebte er sich in Anne Eliza Hill und verbrachte drei glückliche Jahre mit ihr, bis sie sich das Leben nahm. Myers war untröstlich. 1882 gründete er in London mit Gurney und Sidgwick die Vereinigung Society for Psychical Research und im selben Jahr heiratete er Eveleen Tennant, der nicht verborgen blieb, dass Myers immer an Annie dachte.

F. W. H. Myers arbeitete bei den großen Projekten der Society mit und schrieb zahlreiche Beiträge für die Zeitschriften. Er war es, der der Parapsychologie ein theoretisches Fundament verlieh: Die Episoden, die die Teilnehmer am Halluzinations-Zensus einschickten, wurden in Kategorien eingeteilt, und so fand man Präkognition, Telepathie (erfunden von Myers) und die »Apparitions«, die Erscheinungen von Geistern.

Lange schrieb Myers an einem Buch, das erst 1903, nach seinem Tod, erscheinen sollte: Human Personality and its Survival of bodily Death, 1360 Seiten stark. Darin sind viele Fallberichte erläutert, darin finden sich Spekulationen über das Jenseits, auch Erwägungen spiritueller Art (dass wir hier auf Erden sind und trotzdem mit dem Göttlichen in Kontakt stehen), und viel theoretisiert er über das subliminal self, das Unbewusste, denn er war nicht der Meinung der Spiritualisten, dass alle paranormale Arbeit von den Geistern getan werde. Leider sprach bald alle Welt von Sigmund Freud, und Myers‘ Beitrag wurde vergessen.

Immerhin hält die Transpersonale Psychologie, die Bewusstseinserweiterung durch Meditation, Hypnose und Atemübungen anstrebt, ihn für einen ihrer Vorläufer. Die gewöhnliche Psychologie will mit der Seele oder dem Spirituellen nichts zu tun haben. Für sie soll man hier ein wenig herumschrauben, da eine Tablette schlucken und dann wird es wieder.

Im Jahr 1900 wurde Frederick William Henry Myers sogar zum Präsidenten der Society for Psychical Research gewählt. Er konnte das Amt aber nicht lange ausüben. Myers wurde krank, William James rief ihn zu einer Behandlung nach Rom, doch al er ankam, litt er schon unter einer doppelseitigen Lungenentzündung, aber sein Ende kam dennoch überraschend. James dachte daran, dass ein Medium seinem Freund gesagt hatte, Annie warte im Jenseits auf ihn und dass dieser sterben hatte wollen.

Zwei Jahre nach seinem Tod fingen die Cross-correspondences an, die 30 Jahre die Fachwelt in Atem halten sollte. Es waren so viele verwirrende Botschaften aus dem Jenseits, gerichtet an sechs Medien in England, dass sie nie alle gelesen wurden. So viele Anspielungen auf klassischen Autoren steckten darin, dass nur Myers dahinter stecken konnte.Diese Botschaften sollten das Leben nach dem Tod beweisen.

Das Medium Juliet Goodenow veröffentlichte 1923 Vanishing Night, angeblich nach Myers‘ Diktat, und zwei weitere Bücher »diktierte« er 1033 und 1935 Geraldine Cummins. Wenn man wissen will, wie’s drüben ist, sollte man diese beiden Bücher lesen.

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