Woher kommt der Krieg?

So viele Kriege auf der Welt. Warum denn? Woher kommt der Krieg? Robert Lawlor beantwortet die Frage überzeugend in seinem Buch Voices of the First Day von 1991, das in die Welt der australischen Aborigines ein- und entführt und einem die Augen öffnet. Für die Frage nach dem Krieg müssen wir weit zurückgehen, etwa 10.000 Jahre.

Lawlor schreibt: »Die meisten Frühgeschichtler sind der Ansicht, dass die sogenannten primitiven Jäger- und Sammler-Gesellschaften die Aktivität des Kriegsführens, wie wir sie kennen, nicht ausübten. Konflikte zwischen Jäger-Sammler-Gruppen werden als zeremonielles Spiel von Feindseligkeiten austragen, in einer Art von rituellem Theater, wobei es kaum Verletzte oder Schäden gibt. Das Kriegführen kam mit der Zivilisation, und die Zivilisation kam mit der Landwirtschaft.« Der Historiker W. Newcomb äußerte, man könne den Krieg als eine der wichtigsten Folgen der Agrarrevolution betrachten, die sein Kollege Jared Diamond als den größten Fehler in der Geschichte bezeichnet. 

1917. Britischer Soldat pflegt bei Arras ein Grab. (Library of Congress, Wash. D. C.)

Bis heute wirkt fort, was vor 10.000 Jahren geschah. Mutter Erde wurde nicht mehr verehrt und angebetet, sondern ausgebeutet. An ihre Stelle setzte man einen einzigen männlichen Gott: Patriarchat statt Matriarchat. Es kam zum Erwerb von immer mehr Gütern, zur Anhänglichkeit an die Scholle, der Ziehung von Grenzen, die verteidigt werden mussten. Häuser und Städte wurden gebaut. Die Sesshaften waren unzufrieden und öfter krank als die jagenden Nomaden. Alle sollten sein wie die Bauern: hart arbeitend all day long. Die gute Nahrung wurde immer besser, der Kunstdünger sorgte für eine nochmalige Potenzierung und zu einem übermäßigen Bevölkerungswachstum. Lawlor erläutert schön, wie der Protestantismus (ab 1550) vollends alle heiligen Stätten ablehnte und zerstampfte, und wie danach die wissenschaftliche Revolution (ab 1700) eine männliche Priesterschaft hervorbrachte, die Daten und Fakten verehrte und keinen Gott mehr. 

Die Aborigines jagten drei Stunden am Tag und hatten dann 10 Stunden Zeit für sich, zum Singen, Spielen und ihre Kultur. (Wir holen uns diese Zeit zurück, indem wir uns der Technik ausliefern.) 100.000 Jahre lebten sie in Australien; als die Westler kamen und sie überrollten, zählten sie zwei Millionen Menschen, und sie hinterließen auf ihrem Land kaum Spuren. Aber welche Spuren haben wir auf der Erde in 10.000 Jahren hinterlassen, ach was, in den letzten 200 Jahren, und überhaupt: Spuren! In 200 Jahren haben wir diesen Erdball umgepflügt wie der dümmste Bauer … und immer noch nichts begriffen. Sogar unser Nomadentum ist zerstörerisch: das irrsinnige Autofahren und der Tourismus.

Eine kriegerische Welt ist entstanden.

 

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