Unverweslichkeit

Bemerkungen über die Unverweslichkeit des Körpers bietet Giulio Caratelli in Heft 3 2015 von Scienza e Cultura nel Mondo (September/Dezember) aus Rom. Damit meint er nicht die ägyptischen Mumien, die vor Jahrtausenden einbalsamiert wurden, sondern Fälle von Menschen, die nach langer Zeit exhumiert wurden und unversehrt aussahen. Das gibt es.
Einer der am besten dokumentierten Fälle betrifft Maria Anna Ladroni, gestorben in Madrid im Jahr 1624. Ein Jahrhundert danach wurde ihr Körper ausgegraben, weil sie für selig erklärt werden sollte. Elf Ärzte und Chirurgen untersuchten den Leichnam und stellten fest, dass Organe, Eingeweide und Gewebe intakt geblieben waren.

Abbild der heiligen Theresa von Lisieux in der Kapelle von Otmarsheim

Abbild der heiligen Theresa von Lisieux in der Kapelle von Otmarsheim

Bernadette Soubirous, die 1858 in Lourdes die Gottesmutter sah, was zur Gründung des weltberühmten Wallfahrtsortes führte, starb 1879 in Nevers als Schwester Marie Bernard, 35-jährig. Mehrmals wurde ihr Körper ausgegraben ― 1909, 1919 und 1923 ―, um festzustellen, ob sie seligzusprechen sei (das geschah 1925, und 1933 wurde sie heilig gesprochen), und jedes Mal schien ihr Leichnam in sehr gutem Zustand.

Der Körper der Portugiesin Jacinta Marto, die mit 10 Jahren 1920 starb (sie hatte mit ihrer Kusine drei Jahre zuvor die Muttergottes in Fatima erblickt), war verwest, nicht jedoch ihr Gesicht. Unglaublich gut erhalten war dagegen der Leichnam von Frédéric Jansoone, einem Franziskanerpater (1988 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen), als man ihn 1948 und 1988 ausgrub; gestorben war er bereits 1916.

Caratelli betont, dass unter den Unverwesten sogar Menschen ohne Glauben waren sowie andere, deren Lebenswandel als durchaus nicht heilig bezeichnet werden muss. Natürlich spielen auch Umweltfaktoren eine Rolle: Bei niedriger Feuchtigkeit und der Abwesenheit von Staub und korrodierender Substanzen kann ein Leichnam durchaus auch nach 100 Jahren unverändert wirken.

Das erfolgreiche Buch Autobiography of a Yogi von 1946 schildert den Lebensweg des indischen Gurus Paramahansa Yogananda, der 1893 geboren wurde und am 7. März 1952 nach einer Rede in Los Angeles tot zusammengebrach. Der Leiter des Leichenschauhauses des Forest Lawn Memorial Park in Los Angeles, Harry T. Rowe, gab eine beeidigte Erklärung ab, die in späteren Auflagen abgedruckt wurde: »Kein Verfall zeigte sich auch zwanzig Tage nach seinem Tod an seinem Körper … Kein Verwesungsgeruch ging von seinem Leichnam aus … Er wirkte am 27. März so frisch und unverändert wie am Abend nach seinem Tod. Noch einmal betonen wir, dass der Fall von Paramahansa Yogananda in unserer Erfahrung einzigartig ist.«

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