Mein Vortrag in Rom

Heute muss ich um 10.45 Uhr in der Nähe der Engelsburg in einem Vortragssaal vor 30 Leute treten. Es ist die Herbstkonferenz des Parapsychologen Giulio Caratelli und seiner Partnerin Maria Luisa Felici. Sie hatten mich gebeten, von eigenen paranormalen Erlebnissen zu berichten. Ich stelle also so im Folgenden so nüchtern wie möglich die fünf Fälle vor, die ich behandeln werde. Ihr seid sozusagen dabei!

Erster Fall  

Meine Mutter feierte in einem Dorf außerhalb von Landsberg ihren 80. Geburtstag. Es war also der 29. August 2009. Wir waren  acht Personen, der engste Familienkreis. Ich dachte, dass eigentlich mein Vater, bereits Ende Dezember 1985 gestorben, anwesend sein müsste; da war auch ein leerer Stuhl, aber ich sah ihn nicht, ich stellte es mir nur vor. Es war schon komisch, als die Kellnerin die Bestellung aufnahm. Sie kam nämlich wieder und sagte, sie habe da neun Bestellungen, aber wir seien doch nur acht. Wir aßen und redeten angeregt. Beim Dessert passierte es: Als die Kellnerin meinem Schwager Uli den großen Teller mit dem Eis reichte, zerbrach er. »Sowas habe ich noch nie erlebt«, sagte die Frau.  

Es kommt ja zuweilen vor, dass Teller zerbrechen; in der Literatur der Parapsychologie ist das immer Zeichen für einen akuten Todesfall. Aber hier würde ich sagen, mein Vater, der immer viel Humor hatte, hat sich einen Spaß erlaubt. In Frage käme auch mein früherer Schwager Leopold, aber ich setzte auf meinen Vater, der beim 80. seiner Witwe nicht fehlen durfte. Ich sagte das laut, aber vor allem bei einem Verwandten, einem beinharten Materialisten, kam das nicht gut an.      

Zweiter Fall 

Wieder ein Teller. Es ist sinnvoll, sich Notizen zu machen, wenn man wissenschaftlich interessiert ist. Und es ist wichtig, sich aufzunotieren, was man gedacht hat, wenn etwas Paranormales passiert. Es war der 9. Februar 2010, ich arbeitete an einem Buch über Parapsychologie, bereitete mir Spaghetti zu und lud sie auf einen Teller. Dann wartete ich eine Weile und malte mir aus, was für ein Erfolg das Buch sein würde, dass das Fernsehen mich einladen würde, dass ich endlich ein gefeierter Parapsychologe sein würde. Dann wollte ich essen und – knack! Der Teller hatte einen Sprung!  

Ich säuberte ihn später, schrieb 9. Februar darauf und legte ihn zu meinen Archivalien. Bei einem Blick in meine Unterlagen fand ich, dass der Verleger in Freiburg mir exakt am 9. Februar, ein Jahr davor, den Vorschlag zu dem Buch gemacht hatte. Und drei Monate nach der Teller-Episode war Funkstille eingetreten, und bei einem Treffen im Januar 2011 wurde das Buch beerdigt. Jemand sagte mir also durch den Teller: Vergiss es; das mit dem Buch geht schief. Jemand wusste es. Jahrestage sind wichtig.  

Dritter Fall     

Am 11. Dezember 2009 saß ich bei herrlichem Sonnenschein im Park der Villa Borghese in Rom, ich wollte in der Nähe gleich eine Freundin treffen. Ich dachte intensiv an meinen geliebten Schwager, der genau vor zehn Jahren an einem Herzinfarkt gestorben war, 42 Jahre alt. Ich malte mir die Situationen aus, in denen wir zusammen waren und bat ihn auch, glaube ich, sich doch zu melden. Fuhr zur Piazza Barberini und schloss am Brunnen mein Fahrrad an.

Nach eineinhalb Stunden kam ich zurück – und auf dem Sattel lag eine kleine Rose! (Links sieht man sie, etwas trocken ist sie schon.)  Natürlich hatte sie jemand dahin gelegt, aber die Verbindung mit Leopold war so klar, vor allem, weil es der zehnte Todestag war. Ich hielt es für einen Dank von ihm. Anders ist es nicht zu erklären, zumal es öfter von ihm Zeichen gibt. Kürzlich dachte mein Neffe an seinen verstorbenen Vater, und prompt fiel ihm der Schraubenzieher aus der Tasche und zertrümmerte einen Teller. (Schon wieder ein Teller.)  

Vierter Fall 

In Landsberg erfuhr ich im Oktober 2010, dass mein Bekannter Michi im Monat davor bei einer Rennradtour tot vom Rad gefallen war: das Herz. Er wurde 50 Jahre alt. Sein Sohn erzählte mir, beim Begräbnis sei in der Nähe des Grabs ein Schmetterling herumgeflogen (ein uraltes Symbol für die Seele). Einige Tage später fuhr ich mit meiner Mutter in Richtung Schweiz. Schon auf den ersten Kilometern der Autobahn fiel mir auf, dass (wie ich im Rückspiegel sah) am Heckfenster ein Schmetterling herumflatterte. Ich habe ihn gesehen; meine Mutter nicht. Am Bodensee (Arbon) machen wir Pause: Keine Spur von einem Schmetterling. Er war nicht weggeflogen und nirgends mehr zu sehen. Michis Zeichen.  

Fünfter Fall 

Im April 2011 beschäftigte mich der Fall einer jungen Frau, die in einer Pizzeria gearbeitet hatte und im Juni 2010 mit dem Auto in einem Wald bei Neuenburg tödlich verunglückt war. Meine Nachbarin sagte: Selbstmord nach Streit mit dem Freund. Sie war wie eine Irre in den Wald gerast. Ich sah mir die Unfallstelle an (fand sogar, halb vergraben, ihren Schaltknüppel., den sie noch berührt hatte kurz vor dem Tod!) , ihre Wohnung, und dann fuhr ich zum Friedhof Müllheim und suchte ihr Grab. Schwierig.  

Ich stelle meine Tasche auf eine Bank – und im selben Augenblick rutscht, vier Meter von mir entfernt, wie von Geisterhand eine Gießkanne mit Platsch in den Brunnen, auf dessen Rand sie gestanden hatte. Später begriff ich, dass das heißen konnte: Hey, du bist nah dran! Denn grade unterhalb, etwas nach rechts, fand ich ihr Grab. Leider hat man immer so viel zu tun und verliert den Kontakt. Aber in der anderen Welt gibt es keine Zeit, ein Jahr ist nichts.   

 

 

 

Ein Kommentar zu “Mein Vortrag in Rom”

  1. Stefan

    Hallo Manfred! Die Fälle mit Deinem Vater und der mit Deinem Schwager und der Rose finde ich am eindrücklichsten. Aber was mir auffällt: Das sind ja nur Fälle aus den vergangenen 2, 3 Jahren. Ich möchte wetten, Du verschweigst Deinen Zuhörern da ein paar weitere Begebenheiten aus der ferneren Vergangenheit!? Grüß mir Rom, bis bald

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