Flugverkehr (61): Mrs. Guppys Ausflug

Ja, die Sache mit Mrs. Guppy hatte ich schon mehrere Male gelesen, und nun wieder in Brad Steigers Astral Projection (1985). Die arme Frau, etwas füllig zumal, wurde »teleportiert« und tauchte (für sie unvermutet) in einem Séancenraum auf. Damals, 1871, sorgte das für beträchtliche Aufregung und Diskussionen.

Erzählen wir die ganze Geschichte: Am 23. Juni 1871, einem Samstagabend, wurde in der Lamb‘s Conduit Street im Stadtteil High Holborn von London eine Séance veranstaltet. Es traten auf die beiden berühmten Medien Herne und Williams, die erst seit Januar zusammenarbeiteten. Die Türen wurden geschlossen, der Raum war dunkel, man fasste sich an den Händen und sang. Dann tauchten schon John und Katie King aus der Anderen Welt auf, Vater und Tochter.

Katie wollte an diesem Abend etwas Besonderes teleportieren, nicht nur immer Ringe und Steine. »Bringen wir doch Mrs. Guppy!«, schlug im Scherz ein Teilnehmer vor. Alle lachten. Mrs. Guppy, ein ebenfalls bekanntes Medium, war von beträchtlichem Leibesumfang und Gewicht. »Ich mach’s!« rief Katie aus. »Ich hole Mrs. Guppy!«

Skulptur in Collioures, Frankreich

Skulptur in Collioures, Frankreich

Mrs. Guppy saß in einem anderen Londoner Stadtteil vor dem Kamin und trug ihre Einkäufe in ein Buch ein. Miss Neyland las eine Zeitung. Sie war Zeugin, dass Mrs. Guppy kurz hustete und dann verschwunden war. Wo sie gesessen hatte, schwebte nur mehr ein Nebelstreif.

Die Teilnehmer des Zirkels erzählten später, drei Minuten nach Katies Ankündigung hätten sie ein Poltern auf dem Tisch gehört. »Da ist ein Kleid, ich spüre es«, sagte ein Teilnehmer. Ein anderer entzündete ein Streichholz ― und da stand Mrs. Guppy auf dem Tisch, einen Stift und ein Buch in ihrer Hand. Sie nahm niemanden wahr und reagierte nicht auf Fragen. »Sie wird bald wieder bei Bewusstsein sein«,versicherte John King.

Der Zirkel saß schweigend vier Minuten lang, als Mrs. Guppy sich bewegte und einen Klagelaut hören ließ. Sie bemerkte plötzlich die Umsitzenden und rief erschreckt aus:  »Ich bin nicht fürs Ausgehen gekleidet. Nicht einmal Schuhe habe ich an!« Sofort fielen ihre Hausschuhe von der Decke, gefolgt von einer Haube, Stiefeln, weiteren Kleidern und sogar vier Töpfen mit Geranien. (Hoffentlich schwebten sie sanft hernieder.)

Die Geschichte wurde sogar von den Tageszeitungen aufgegriffen. Es war eine Sensation, einmalig in der Geschichte des Spiritualismus.

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