Badische Gedichte

Auch Gedichte in Mundart können Charme entfalten. Vielleicht besonders sie, denn bei ihnen schwingt stets etwas Herzliches, Aufrichtiges und Spontanes mit; es geht um die Landschaft und den Glauben, aber ob das gut ist, hängt vom einzelnen Werk ab. Ich zeige euch hier drei gelungene, schöne Gedichte von Hugo Kirner aus Freiburg.

D’Seeroseteich

Sunneufgang isch grad gsi
dscn4952in Seeroseteich do lueg i ni
alles glitzeret im Morgetau
do stand i jetz un staun un schau.
zum luege isches herrlich schön
wie’d Blütekelch sich öffne tüen.
Jetz geht alles zimli schnell
scho sin Bsuecher bi d Stell
Mucke, Käfer ohni Zahl
treffe sich zum Morgemahl.
Libelle schwirre au nu a
si hän nu nit zum z’Morge gha
s isch e geheimnisvolles Reich
e so e schöne Seeroseteich.

S’Wegkriz

wegkrizkirnerWegkriz kann mer au hit nu finde
vu Friede un Hoffnung tuen si künde
un wenn e Bänkli isch debi,
dann kannsch wirklich glücklich si.
Setzisch di uffs Bänkli na
nu kunnt di so e Ahnung a
vu Eweigkeit un Herzensfriede
un de wirsch mit dr selber zfriede.
Luege uff zum Kriz, es gitter Kraft
wenn kummer häsch und wenn bisch geschafft,
in’d Landschaft strahls e Sege us
uff alli Lit un jedes Hus.
Man mueß die Wegkriz hege, pflege
uns alle wird’s zum Heil un Sege.

Wenn Vollmond isch

De Vollmond so schient’s mer, der isch gsund
dscn2925prallvoll ischer, duck un rund,
dem fehlt’s an nix, der isch guet zweg,
doch e Chaib, sell ischer eineweg.
S’Meer duet’r bringe grad in Wut
mer sait dazu Ebbe un  Flut.
Au mit de Mensche triebtr’s zänkisch.
Bevor er ganz voll isch unser Satellit,
d merkenes schu a de Lit
se were unruhig un nervös
un manchi were au nu bös.
Jo s’git nu viel un mancherlei,
e Mench wo am Dag isch nit schwindelfrei
rennt z’Nacht bi Vollmond akkurat
dscn2926uffem Dachfirscht rum wie e Akrobat.
Doch sin mer froh, daß mer eh än unser Mond,
hoffentlich bliebt’r nu e Wiili verschont.
Am Dag do schloft’r unsere Gsell
aber uff d’Nacht do macht’r wieder hell.
Mi Muetter hät als zu mer gsait:
„siehsch selle Maa wo d’Welle drait.“
Lueg ich de Mond e Wiili a
nu sieh en wieder de Wellemaa.

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