Die heilige Lioba

In der Rubrik Große Frauen des Frühmittelalters behandeln wir heute die heilige Lioba, weil mir zufällig ein Buch über sie von Schwester Hieronyma Hieber in die Hände fiel. Immer wieder erstaunlich, welchen Rang Frauen im frühen Christentum einnehmen konnten und wie klug sie waren.

lioba1Papst Gregor II., 669 geboren, wurde 715 Papst. Am 15. Mai 719 gab er dem Angelsachsen Winfreth den neuen Namen Bonifatius, weihte ihn zum Bischof und gab ihm den Auftrag, die rechtsrheinischen Gebiete zu missionieren. Den Bodensee hatten um 600 bereits die irischen Mönche Columban und Gallus erreicht, und auf letzteren geht die Stadt St. Gallen zurück. Von beiden weiß man, dass sie nicht grausam verfuhren. Viele »Heiden« wehrten sich, es gab Streit, und manchmal bat man die Mönche, doch weiterzuziehen, bevor Mord und Totschlag ausbräche. Bonifatius holte sich von der Insel Mönche, die ihm durch ihre Predigt und ein sittenstrenges Leben geeignet erschienen. Dazu gehörte auch Lioba (Liebe), die in Wimborne (Weinbrunnen) in Südengland aufgewachsen war. Sie machte er zur Äbtissin des Klosters Tauberbischofsheim, das nach der Regel des heiligen Benedikt von Nursia lebte (dessen Kirche in Norcia/Nursia erst letzten Sommer durch ein Erdbeben zerstört wurde).

lioba2Lioba schaffte es, einmal bei einer Feuersbrunst Sprühregen zu erzeugen, stoppte angeblich durch ein Gebet ein schlimmes Gewitter und heilte Kranke. »Liobas Gelehrsamkeit, Heiligkeit, ihre Wunderwerke und das herzgewinnende Benehmen zogen ganze Scharen von Töchtern aus vornehmen Familien an, von denen nicht wenige den Schleier nahmen«, schreibt der Mönch Rudolf von Fulda, auf dessen Lioba-Biografie von 836 das Buch von S. Hieroyma Hieber fußt. »Auch viele anggesehene Witwen wählten das Klosterleben. Ihnen allen wies Lioba den Weg zu einem erfüllten Leben.« Lioba starb 782 und wurde 1136 heiliggesprochen. (Illustrationen aus dem erwähnten Band.)

Ein Kloster wie Tauberbischofsheim leitete eine Äbtissin, der die Priorin als Stellvertreterin zur Seite stand. Die Cellerarin war für die Nahrung zuständig, die Kämmerin sorgte für Kleider und den Trank und die Kantorin leitete den Chor. Die Pförtnerin schirmte das Kloster ab, die Kustodin war für alles zuständig, das den Gottesdienst betraf, und die Thesaurarin war die Schatzmeisterin. Almosen gab die Eleemosynarin aus, und die Infirmarin fungierte als Ärztin, Pflegerin,  Apothekerin und Heilkundlerin. Die Magistra schließlich unterrichtete Kinder, die ins Kloster gegeben wurden.

Im 13. Jahrhundert kamen die Bettelorden auf, und weniger Mönche und Nonnen kamen zu den Benediktinern. Das Geld bestimmte das Wirtschaftsleben. Aber woher nehmen? Die Äbtissin musse Ländereien verkaufen. Und wenn dann eine Missernte auftrat, wurde gehungert. Deswegen hat man vielleicht auch in den Abteien Bier gebraut. Daarauf waren die Leute scharf.

(Nach Weihnachten, da ich diese Zeilen schreibe, steht ein Andechser Doppelbock vor mir. Gibt Energie beim Fasten. Leider hatte ein Virus dazu geführt, dass ich alles, was ich am Heiligen Abend zu mir genommen hatte, nach ein paar Stunden wieder von mir gab. Ich kotzte alles raus. Zehn Jahre hatte ich mich nicht mehr erbrochen. An diesem Beitrag saß ich gerade, als mir schlecht wurde.)

Einen Kommentar schreiben:


4 + 5 =