Warum es nicht funktioniert

Damit meine ich: Warum es mit meinen Büchern nicht funktioniert, warum sie nicht gekauft werden. Es kann einem intellektuell klar sein, aber manchmal braucht man eine deutlichere Lehre; und sie kam, wie aus dem Lehrbuch …

Es war auf einem esoterischen Gesundheitstag in Bayern im Oktober. Ich sollte um 16 Uhr einen Vortrag über den Placebo-Effekt halten, dem ich den Untertitel Selbstheilung ist möglich gegeben hatte, Zwei Stunden später sollte im selben Raum ein Mann aus Sri Lanka referieren, und es ging um Meditation und Selbstheilung. Also ein ähnliches Thema.

Ich setzte mich aufs Pult und zählte elf Zuhörer. Drei schlichen sich im Fortgang meiner Ausführungen wieder hinaus, acht hielten bis zum Schluss durch. Ich verhedderte mich nicht zu oft und machte zwei Mal die eigenartige Erfahrung, dass ich den Faden verloren hatte; ich wusste plötzlich nicht mehr, warum ich eine bestimmte Anekdote erzählte. Es war vielleicht due Aufregung, hoffentlich noch nicht das Alter.

Zwei Stunden später, gestärkt durch ein Augustiner-Bier, fand ich mich wieder dort ein, weil mich der Sri Lanker auch interessierte. Er hatte 35 Zuhörer, manche mussten sich sogar auf den Boden setzen. Klar, der Mann war souverän. Er ließ die Leute die Augen schließen und sich auf Sehnen, Muskeln und Blutgefäße konzentrieren; sie sollten den Spruch wiederholen Ich bin glücklich, gesund und zufrieden und werde es weiter sein. Auto-Suggestion. Zwischendurch pries er Reis aus seiner Plantage an, den er als Wundermittel schilderte. Sicher, ein gutes Projekt: Handarbeit und kein Dünger.

Es ging um das Projekt Rice for Life, und als Umrahmung bot der Referent den Zuhörern das, was sie erwartet hatten: Meditation. Das war fast zu simpel, und manchmal fühlt man sich bei solchen Aktionen auf den Arm genommen; wer weiß, wie ernst der Sri Lanker das nahm? Was ich sagen will, ist: Die Leute wollen keine Theorien hören, sie wollen nicht nachdenken und überlegen; sie wollen was tun und was erleben. Und jemand aus Asien bringt die Aura des Gurus eher mit, ihm vertraut man. Das ist eine Art Placebo-Effekt.

Mein Verlag hatte auf dem Büchertisch 150 Bücher. In acht Stunden wurden neun Exemplare verkauft (keines von meinen). Bücher sind nicht mehr interessant. Und mein Schreibstil ist zu kompliziert, und was mich fesselt, lässt den Normalbürger kalt. Das muss ich verinnerlichen.

Deshalb sind ja auch die Parapsychologie-Klubs von Zürich und Bern gescheitert. Niemand will mehr Vorträge von Experten hören. Der Basler Psi-Verein macht das richtig: Er lädt Praktiker ein, die einem helfen, das innere Potenzial zu entdecken, die Workshops und Publikumsdemonstrationen abhalten. In einer Welt, die den Erlebniseinkauf und Abenteuerurlaub verherrlicht, hat auch eine Info-Bibel wie Radsport furios keinen Platz.

Ich muss mich vom Veröffentlichungsgeschäft distanzieren und meinen eigenen Interessen nachgehen. Und manipogo pflegen, das Einzige, das Freude bringt.

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