Geister ins Licht schicken

Geisterfreisetzung oder Spirit Release ist eine sanfte Art des Exorzismus. Die englische Anthropologin Fiona Bowie hat eine Konferenz darüber in London besucht und vor einem Monat ihre Beobachtungen in ihrem Blog aufgeschrieben. Die Konferenz war zwar schon im Juni, aber solche Veranstaltungen sind selten und irgendwie zeitlos. Darum erzähle ich wieder, was Frau Bowie schrieb.

Es gibt ein Forum über das »Freisetzen« von Geistern, das Spirit Release Forum. Der Untertitel der Konferenz Spirit Release lautete: »Verlorenen Seelen helfen, ins Licht zu gehen.« Es gab fünf Referenten und 60 Zuhörer, zwei Drittel weiblich. Im Grunde kannten sich alle, darum war es ein Treffen unter Freunden, eher unter Freundinnen.  

Als erster sprach Archibald Lawrie über die Methoden der Geisterfreisetzung. Er hat schon über 600 Fälle mit Psi-Komponenten begleitet. Nach seiner Statistik ereignet sich eine Art Spuk zu 88 Prozent im häuslichen Rahmen, und das Gefühl einer Gegenwart ist am häufigsten. Die Betroffenen können zwar selten einen individuellen Geist wahrnehmen, aber wenn sie jemanden sehen, schätzen sie in 70 Prozent der Fälle das Geschlecht richtig ein (Geister sind nicht neutral). Doch auch halb menschliche, halb tierische Wesen wurden angetroffen. 20 Prozent der Geister hatten ihren früheren Namen vergessen. 30 Prozent verschwanden, als man ihnen bloß zuhörte. Lawrie kennt viele hartnäckige Fälle und behauptet, 3 Prozent der Geister verursachten 99 Prozent der Probleme für die Lebenden. Oft sind es Wesen, die in ihrem Leben jemanden vergewaltigt oder getötet haben, solche, die Angst davor hatten, den Schritt ins Licht zu tun oder solche, die psychisch krank waren. 

Natalia O’Sullivan hat das Buch The Ancestral Continuum geschrieben. Sie meint, dass die Vergangenheit unserer Familie weiterwirkt und für Probleme sorgen kann. Es gibt Traumata, die über Generationen wirken. Sie erzählte von Tanja, die immer von Feuer träumte und oft an ihrem Bett eine dunkle Gestalt sah. Man fand heraus, dass ihr Großvater bei einem Brand ums Leben gekommen war, und als er sich äußern durfte, verschwand er und damit auch Tanjas Problem. Wir alle hätten Führer und Helfer aus dem früheren Familienverband neben anderen Helfern, die uns bei unserer Geburt und unserem Tod zur Seite stehen.  

Terence Palmer schilderte seinen Weg hin zur Geisterrettung und bekräftigte, er glaube an wissenschaftliche Prinzipien hinter Psi-Vorgängen, die zu untersuchen sich lohnten. Sein Buch heißt The Science of Spirit Possession (Die Wissenschaft der Besessenheit durch Geister), und den Vortrag gibt es auf seiner Homepage. Der amerikanische Hypnosetherapeut Tom Zinser erklärte, dass Geister real seien und mit uns und unserer Welt interagieren können. Er hypnotisiert seinen Patienten und weiß bald, ob ein Geist ihn bedrängt. Mit Hilfe seines Geistführers Gerald spricht er dann mit dem Geist und beschwört ihn, ins Licht zu gehen. In der Hälfte der Fälle verschwindet der Geist gleich nach dem ersten Treffen. Manche Geister aber sehen das Licht nicht oder glauben nicht daran, und man muss Emissäre von höheren Ebenen einschalten, um sie zu überreden. Tom Zinser beklagte, Angst vor dem Tod und der Glaube an eine Hölle sei ein großes Hindernis und hemme beim Weg ins Licht.  

Sue Allen arbeitet nicht mit Hypnose, sondern kontaktiert die Geister mittels Telepathie. Sie arbeitet mit Stille und Konzentration. Sie hat auch nichtmenschliche Eindringlinge kennengelernt, etwa einen Außerirdischen, der auf den rechten Weg gebracht werden konnte sowie einen Elementargeist, der sich an ein junges Mädchen angeheftet hatte. Andere frühere Menschen verwandeln sich in zombieartige Verfolger wie ein Großvater, der durch seinen Enkel so sehr gequält worden war, dass er zu einem Wesen der dunklen Kraft wurde (DFE: dark force entity). Frau Allen musste ihn in die Phase zurückführen, in der er noch ein Mensch war, und für die anderen geht es darum, sie nicht nur vom Menschen wegzuführen, sondern den richtigen Platz für sie zu finden; aber das ist letzten Endes Sache der Geisthelfer.  

Man muss Fiona Bowie dafür danken, dass sie so detailliert über die Vorträge schrieb. Geister freizusetzen ist nicht ein Job wie jeder andere, aber es gibt Regeln und Erfahrungen. Manche hartnäckige Leiden oder Störungen werden wirklich am besten durch Besessenheit oder Spuk erklärt. Auch in Freiburg gab es dieses Jahr eine Konferenz über außergewöhnliche Erfahrungen, die Corinne Dialer besucht und beschrieben hat.

Einen Kommentar schreiben: