Wohin die Straße führt

An gestern anknüpfend: So sind Zufall und Absicht durchmischt, und was man für geplantes Tun hält, hat Elemente des Zufälligen, und am Ende stehst du vor einer Komposition, die du nicht ganz alleine geschaffen hast. Gestern hatte ich Seiten mit Gedichten erwähnt, und dann (für heute) traf ich eine gezielte/zufällige Auswahl.

Es geht um Straßen. Reiner Zufall. Ich fand die Seite, die ich im Kopf gehabt hatte, die der Academy of American Poets. (Nach anderen Seiten werde ich weiter fahnden.) Ich glaube, mein erster Artikel war von W. H. Auden, Und das kam so: David Tyreman, mein englischer Nachbar, war zufällig hier und kam herauf. Er liebt Gedichte und kann sie natürlich wunderbar vorlesen, und er suchte As I Walked Out One Evening.  

Auf der Leiste links bemerkte ich dann Cornelius Eady mit dem Gedicht I Am A Fool To Love You, ganz zu lesen hier. So ein Titel zieht mich natürlich an, kein Zufall, und der Beginn erst:
Some folks will tell you the blues is like a woman …

Und was für ein großartiger Schluss:
This is the way the blues works,
its sorry wonders,
Makes trouble look like,
A feather bed,
Makes the wrong man’s kisses
A healing.

Und beim Suchen stieß ich auf Gedichte über Straßen. Lorna Dee Cervantes (was für ein Name, wie der Autor des Don Quijote), ebenfalls 1954 geboren, hat auf der Seite das Gedicht Freeway 280. Der Titel klingt nach Freiheit und Abenteuer, nach Davonfahren, also kein Zufall, dass ich es las und hier wiedergebe, den ersten und den letzten Vers.

Las casitas near the gray cannery,
nestled amid wild abrazos of climbing roses
and man-high red geraniums
are gone now. The freeway conceals it
all beneath a raised scar.
(…)
Maybe it’s here,
in the campos extraños de esta ciudad
where I’ll find it, that part of me,
mown under
like a corpse or a loose seed.

Diese Casitas (Lorna Dee vermischt Spanisch und Englisch), die sie zu Beginn erwähnt … gibt es nicht mehr. Der Freeway läuft drüber. Sie klettert über den Zaun. Einmal hat sie allen Straßen folgen wollen, nur um wegzukommen von der drückenden Enge, der staubigen Hitze, dem Geruch nach Tomaten. Aber vielleicht ist es hier, denkt sie, in den fremden Feldern dieser Stadt (was auf Spanisch ihr nicht mehr so fremd klingt), wo »ich diesen Teil von mir finden werde, der untergepflügt worden ist wie ein Körper oder ein loser Same.«

Ein Kommentar zu “Wohin die Straße führt”

  1. Regina

    Lieber Manfred,

    sehr schönes Gedicht von Cornelius Eady!

    Und „die Allvernunft, so herrscherlich sie ist, dem Herzen beugt sie sich“…

    Ciao, viele Wunder und trouble in mind – guter Blues von Alexis Korner!! Regina

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