Microsoft ruft an

Gestern kam ein Anruf, kurz vor acht. Ich war noch im Tiefschlaf gewesen und meldete mich. Ein Mann sprach mich auf Englisch an, hatte einen indischen Akzent, sagte, er rufe von Microsoft an, sie hätten in den vergangenen Wochen viele Fehlermeldungen von meinem Computer bekommen, der nicht mehr sicher sei.

Das war also die rätselhafte Nummer, die ich am Tag zuvor auf dem Display gehabt hatte. Im Hintergrund ein Stimmengewirr, vermutlich ein Call Center in Neu-Delhi. Natürlich erschrickt man da, noch dazu aus dem Schlaf und einem schönen Traum gerissen. Könne schon sein, meinte ich (obwohl ich keinen Fehlerbericht abgeschickt hatte). »Ihr Virensystem hat nicht reagiert, Ihr Computer ist nicht mehr sicher, haben Sie ihn gerade offen?« 

Hatte ich nicht. Ich hatte auch keine Lust, ihn einzuschalten. Sie könnten mir doch schreiben, meinte ich. Die Mails seien bei mir wohl nicht angekommen, erwiderte der Mann. Seltsam. Nun schöpfte ich doch Verdacht. Man kann mir schreiben, aber aus Indien muss man mich nicht anrufen. Wenn ich nichts täte, verlöre er seinen Job, begann er plötzlich zu flehen. Das war mir eigentlich egal. Ich sagte, sie sollten mir schreiben, und er meinte, er werde sich eine Stunde später noch mal melden.  

Tatsächlich rief er wieder an. Ich ging aber nicht hin. Vermutlich hätte er gesagt, ich solle ihm doch meinen Zugangscode verraten, und dann hätte er vielleicht in meinen Computer eindringen können. Jeder kann ja weltweit die Telefonbücher anzapfen, jemanden anrufen, und da fast jeder einen Computer hat und fast jeder Windows, ist er schon mal dran. Er macht einem angst, und wie bei der Hypnose schiebt er einen in ein anderes Bezugssystem, man ist verwirrt und lässt sich vielleicht übertölpeln. 

Wenn von tausend Leuten einer reinfällt, haben die Hacker schon etwas erreicht. Mittlerweile kennt man ja die Mails, in denen es heißt, da lägen ein paar Millionen Dollar für einen bereit, man müsse nur einen Brief abschicken und vielleicht ein paar hundert Euro überweisen, dann wäre man reich. Ein paar Idioten lassen sich immer finden, die das tun.

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