Der letzte Ball

Ich habe Ror Wolf immer bewundert, den 1932 geborenen Thüringer, der schon so lange in Mainz lebt. Nachrichten aus der bewohnten Welt, das ist vielleicht sein schönstes und ein wundersames Buch. 25 Jahre lang hat Ror Wolf mit seinem ihm eigenen Humor die deutsche Fussballszene durchleuchtet.

Dann zog er einen Schlussstrich. Gesammelt sind seine Beiträge in dem Fischer-Band Das nächste Spiel ist immer das schwerste. Zu dem Schwersten gehört es, einen guten, »runden« Abschluss für einen Lebensabschnitt (oder ein Buch) zu finden. Als letzten Beitrag hat Ror Wolf ein kleines Gedicht geschrieben, melancholisch und schwerelos zugleich, das einen verzaubern muss.  

Der letzte Ball 

Mit dem Fuß, so weit, so weit:
dort am Abend fliegt der harte
Ball, dort wo es schreit und schneit,
steigt er auf und schwebt, der zarte
aufgepumpte angestarrte
Ball rasch in die Einsamkeit.

Weit am Tor vorbei, vorbei,
hoch, als ob Papier es wäre,
fliegt er leicht und sorgenfrei
aufwärts in die wolkenschwere
atemlose menschenleere
Luft, hinaus aus dem Geschrei.

Durch den Wind, davon, davon,
hoch, so hoch sieht man den weichen
Ball ganz sanft und ohne Ton,
angestrahlt, den mondscheinbleichen
Ball fort in die Ferne streichen:
weit entfernt von allem schon.

 

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