Herluka und Dietmut

Der 18. April ist der Tag der seligen Herluka von Bernried. Sie war eine Klausnerin, lebte also abgeschieden und eingeschlossen als Eremitin, zuletzt in Bernried am Starnberger See, von 1122 bis zu ihrem Tod 1127. Geboren wurde sie 1060, und von 1086 bis 1122, also 36 Jahre, lebte sie in Epfach.

Warum schreibe ich über sie? Weil ich sicher drei Mal von Landsberg am Lech aus am Fluss entlangfuhr, ihn überquerte und dann auch durch Epfach kam. Ich fand eine Stele, die die Geschichte erzählte und eine »Seherin« namens Herluka erwähnte. Sie interessierte mich, aber ich konnte mir den Namen nicht merken und musste ein Foto machen. Wikipedia schreibt auf ihren 6 Zeilen, dass Herluka »schon als junge Frau unter körperlichen und seelischen Qualen litt und danach trachtete, diese im Gebet und in Werken der Barmherzigkeit aufzuopfern«. Ich bin ja auch ein heimlicher Asket und bewundere die Asketinnen des Hochmittelalters. Für die Kritische Ausgabe plus habe ich einmal einen Artikel über fromme Frauen im Frühmittelalter geschrieben, also von 600 bis 900. Zur Römerzeit hieß der Ort Abodiacum.

Im fünften Jahrhundert kamen die Völker aus dem Osten und überrannten ihn, nannten ihn fortan Epfaticum. Viel später, im Jahr 1086, gelangte die 26-jährige Nonna Herluka hierher (Wikipedia schreibt zu Epfach südlich von Augsburg, na ja, es liegt etwa 80 Kilometer südlich von Augsburg; es sollte südlich von Landsberg heißen, von dort sind es 15 Kilometer.) Herluka soll als junge Frau ausschweifend gelebt haben, doch eine Krankheit ließ sie Nonne werden. Sie setzte sich für die Verehrung von Bischof Wikterp ein (8. Jahrhundert), der ihr in einer Vision erschienen war. Daher vermutlich die Seherin.

Sie führte anscheinend einen Briefwechsel mit der gleichaltrigen Diemut von Wessobrunn (1060 bis 1130), die seit 1080 in einer Kammer in der Kirchenmauer der Abtei Wessobrunn lebte, also eine Kollegin war. Diemut soll die wichtigste deutsche Buchmalerin des Hochmittelalters gewesen sein. Der Briefwechsel, von dem wir nur über Dritte wissen, war sicher möglich, denn Epfach und Wessobrunn trennen nur 15 Kilometer. Vielleicht kam mal ein Mönch vorbei, dem konnte man ein paar Zeilen mitgeben. Oder ein Bauer versprach, den Brief dort vorbeizubringen. (Illustration: Statue in der Pfarrkirche Epfach. Quelle: Joachim Schäfer, Ökumenisches Heiligenlexikon). Wegen »Anfeindungen« habe sie Epfach verlassen müssen, heißt es in einem Artikel. Wer konnte etwas gegen die arme Herluka haben, die ja schon über 60 war? Vielleicht hatte sie jemand als Hexe verleumdet. Aber verrückt ist das schon, diese beiden heiligen und asketisch lebenden Frauen in ihren winzigen Kammern in Oberbayern, die beteten und fasteten und vom Gottesreich träumten.

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